Schwules in Münster - Dezember 2003

 

Tach auch,

nur noch 24 Tage, dann istWeihnachten, das Fest der Liebe und die Tage mit der höchsten Selbstmordrate. Die Frage, ob es da einen Zusammenhang gibt, ist wohl nur eine rhetorische. An solchen Tagen werden die Nachteile einer Individualgesellschaft greifbar, und es wird deutlich, warum freiwilliges soziales Engagement so wichtig ist. Auch wenn ein Sprichwort sagt, dass eine schwule Krähe der anderen gerne ein Auge aushackt, so scheint es doch auch im Rest der Gesellschaft wieder härter zuzugehen. Da werden iranische Mitbürger in Münster per Brief bedroht, auf den Schulhöfen erpressen die älteren Kinder die jüngeren, und Tatverdächtige werden von der Presse vorverurteilt. Sebst ein Träger des "Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband" darf ungestraft über das "Ausschwitzen" von gesellschaftlichen Giften reden. Was folgt, ist betretenes Schweigen in der breiten Masse. Da kann man nur hoffen, dass diejenigen, die sich für mehr Menschlichkeit einsetzen, damit nicht aufhören und weitere Mitstreiter finden. Gerade deswegen wünsche ich allen ein mitmenschliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Euer Michael Karshüning

 

Kein Aprilscherz im Dezember

Der Welt-AIDS-Tag
Seit nunmehr 20 Jahren engagieren sich viele Menschen in Deutschland im Kampf gegen Aids. Damit diese Krankheit nicht in Vergessenheit gerät, gibt es den Welt- Aids-Tag, der auch in Münster mit einer Reihe von Veranstaltungen begleitet wird. Einige Zahlen des Robert- Koch-Institutes beschreiben die derzeitige Situation in Deutschland treffend und zeigen, dass Aids auch heute noch alles andere als ein kleiner Beinbruch ist: - Derzeit leben laut Robert-Koch-Institut (RKI) etwa 40 000 Menschen mit HIV in Deutschland
- 21 000 Personen sind in den letzten 20 Jahren in der BRD an AIDS gestorben.
- Die Zahl der Neuinfektionen wird für das Jahr 2002 auf 2000 geschätzt.
- Die Hälfte der Neuinfektionen geschieht durch Mann- Mann-Kontakte.
- Im vergangenen Jahr wurde erstmalig eine leichte Zunahme der Neuinfektionen bei schwulen Männern beobachtet (das gilt aber nicht für NRW).
- Das RKI warnt vor einer "weiteren Ausdünnung . . . der Präventionsinfrastruktur auf der lokalen und regionalen Ebene." "Die bisher auch im internationalen Vergleich erfolgreiche HIV-Präventionsarbeit in Deutschland droht dadurch bleibenden Schaden zu nehmen."
Für den Zauberhut sprach deswegen Michael Karshüning mit Ralf Bolhaar und Ulrich Besting von der Aids- Hilfe Münster.

zh: Wenn man das sorglose Verhalten vieler (auch junger) Schwuler beobachtet und dazu noch die Hochglanzanzeigen der Pharmaindustrie im Hinterkopf hat, scheint Aids kein ernsthaftes Thema mehr zu sein. Ist das so?

rb: Erfreulicherweise ist die Lebenserwartung der Menschen mit HIV, die sich rechtzeitig von einem spezialisierten HIV-Arzt kontrollieren und behandeln lassen, in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Nach wie vor ist aber keine Heilung der Infektion in Sicht. Darüber hinaus wird der Erfolg der Anti-HIV-Therapie immer wieder durch Resistenzentwicklungen beim Virus sowie Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten beim Patienten eingeschränkt. Ralf und Ulrich von der Aids-Hilfe Münster

zh: Wen wollt ihr mit eurer Arbeit erreichen?

ub: Im Bereich der Prävention wollen wir möglichst viele sexuell aktive Menschen dazu anregen, sich mit dem Thema Sex und Gesundheit auseinanderzusetzen. Besondere Zielgruppen sind hier Jugendliche und junge Erwachsene sowie schwule und bisexuelle Männer, die immer noch in einem erhöhten Maße durch HIV und Aids bedroht sind.

zh: Seit nunmehr 18 Jahren seid ihr in der Prävention erfolgreich aktiv. Sind denn nicht die "klassischen Zielgruppen" inzwischen aufgeklärt?

rb: Bei unserer Arbeit in Schulen können wir feststellen, dass das Wissen über HIV in den letzten Jahren tendenziell sogar abgenommen hat. Auch unter schwulen Männern, besonders den jüngeren, gibt es eine Menge Halbwissen. So können zum Beispiel nur wenige das Risiko bei Mund-Genitalkontakten realistisch einschätzen. zh: Was bietet ihr Ratsuchenden?

ub: Wenn Ratsuchende Informationsdefizite haben, informieren wir nach bestem Wissen und Gewissen. Oft geht es in Beratungsgesprächen aber um eine Entscheidungsfindung, bei der wir dem Ratsuchenden helfen, die für ihn passende Entscheidung zum Beispiel beim Thema HIV-Test oder Partnerschaft mit einem Positiven zu treffen. Den Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen, und natürlich auch ihren Angehörigen bieten wir weitergehende sozialrechtliche, medizinische oder psychologische Unterstützung an.

zh:Wieviele Menschen mit HIV und Aids betreut ihr zur Zeit?

rb: Die MitarbeiterInnen der Aids-Hilfe Münster führen im Jahr 1000 bis 1100 persönliche oder telefonische Gespräche in der Beratungsstelle in der Schaumburgstraße; gut 40% der Ratsuchenden sind HIV-positiv. Die Zahl der Männer und Frauen mit HIV oder Aids, die wir während eines stationären Klinik-Aufenthalts betreuen, liegt im Jahr zwischen 30 und 40.

zh: Aber nicht nur die HIV-Prävention ist wichtig. Seit dem Fall der Mauer und der Öffnung des Ostblocks verbreiten sich auch die anderen Geschlechtskrankheiten in der BRD wieder stärker. Was kann man dagegen machen?

ub: Stichwort "entdecken" - die klassischen Geschlechtskrankheiten wie Tripper oder Syphilis sollten so schnell wie möglich entdeckt werden, dann sind sie nämlich gut behandelbar. Es liegen uns keine speziellen Erkenntnisse für Münster vor. Seit etwas zwei Jahren wird allerdings in vielen schwulen Szenen der Republik ein Ansteigen der Syphilis-Fälle beobachtet. In diesem Zusammenhang sollte betont werden, dass die Empfehlungen der Aids-Hilfe "beim Bumsen Kondome - beim Blasen kein Sperma in den Mund" einen sehr hohen Schutz vor HIV, allerdings nur einen gewissen Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Keimen bedeuten. Wer als sexuell aktiver Mensch Schmerzen oder irgendwelche Veränderungen im Genital- bzw. Analbereich oder im Mund feststellt, sollte deshalb so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.

zh: Viele sehen die Aids-Hilfe lediglich als einen schwulen Sebsthilfeverein an, genauso, wie diese der irrigen Meinung sind, das deswegen Aids für sie kein Thema ist. Was haltet ihr davon?

ub: Als Mitte der 80er Jahre die Aids-Hilfe aus Aktiven der Münsteraner Schwulenbewegung entstand, war schwule Selbsthilfe die vorrangige Aufgabe. Mittlerweile versteht sich die Aids-Hilfe als fachliche Einrichtung mit einem breiten Serviceangebot, als Selbsthilfeorganisation und als Interessensvertretung der Menschen mit HIV. Ziemlich genau die Hälfte unserer aktiven Mitglieder sind schwule Männer, die andere Hälfte besteht aus Heterofrauen und -männern und inzwischen auch einer Reihe von lesbischen Frauen.

zh: Überall im Lande werden die Haushalte zusammengestrichen, was das Zeug hält. Gerade die Aids-Hilfen mußten bereits in den vergangenen Jahren so manche bittere Pille schlucken. Wie sieht das im kommenden Jahr für euch aus?

rb: So ernst wie im Augenblick war die Lage tatsächlich bisher noch nie. Das Land hat eine Reduzierung der Zuschüsse um 15% angekündigt, möglicherweise wird es auch noch kommunale Kürzungen geben. Aufgrund der Überschüsse des diesjährigen Huschballs werden wir unsere Arbeit für eine gewisse Zeit im bisherigen Umfang aufrechthalten können. Wenn die angekündigten Zuschusskürzungen wirklich umgesetzt werden, wird die Aids-Hilfe Münster aber spätestens im Jahr 2005 Personal abbauen und den Arbeitsumfang verkleinern müssen.

zh: Seit Jahren stehen in den verschiedensten Geschäften hier in Münster eure Spendendosen. Wo steht eigentlich eure erfolgreichste?

ub: Die über das Jahr gesehen ertragreichste Spendendose der Aids-Hilfe steht im Bier-Pub im Hauptbahnhof. In der Vorweihnachtszeit erfahren wir eine erfreuliche Förderung vom Body-Shop, der die 50 Cent, die die Kunden für eine Geschenkverpackung zahlen, an uns weiterleitet. Die finanzielle Unterstützung durch Geschäftsleute und auch großer Teile der Bevölkerung vor allem am Welt-Aids-Tag betrachten wir als Anerkennung und als Verpflichtung, in unserer Aufklärungs-, Beratungs- und Betreuungsarbeit nicht nachzulassen.

zh: Eine letzte Frage noch: Wie kann man mit euch Kontakt aufnehmen?

rb: Am unkompliziertesten ist die Kontaktaufnahme über unser Beratungstelefon (Tel: 19411), das montags bis donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr besetzt ist. Über das Beratungstelefon können auch Termine für persönliche Gespräche vereinbart werden.

zh: Vielen dank für das Interview.

 

Kultur

Kreative Gemeinde - Mitglieder der MCC Köln stellen im KCM aus
"Kreative Gemeinde" heißt die Ausstellung, die am 7. 12. im Kulturcafé des KCM um 12 Uhr eröffnet wird. Alle ausstellenden Künstler/innen sind in unterschiedlicher Weise mit der Metropolitan Community Church (MCC) Köln verbunden. Dieses geballte Potential kreativer Menschen präsentiert gemeinsam einige Bilder. Manche Arbeiten thematisieren religiöse und/oder schwule und lesbische Motive; andere Werke haben ihren Schwerpunkt auf rein gestalterischer Ebene. Dabei zeigen sich gemäß der verschiedenen Persönlichkeiten vielfältige Formen und Stile. Während Roswitha vor allem Landschaftsfotographien (u. a. Wege) und Vera fotografierte Naturimpressionen ausstellen, zeigen Marie- Christine abstrakte Gouachen und Anke großformatige Kreidebilder. Pams künstlerischer Schwerpunkt sind Bilder in "Schwarz-Weiß". Hans-Paul präsentiert anthroposophisch inspirierte Farbstudien und Heiner surreale Collagen (u. a. mit Sebastiansmotiven) und dreieckige Ölgemälde. Die Spannweite der ausgestellten Werke reicht vom witzigen Klebebild bis zum lyrischen Landschaftsfoto. Die MCC Köln ist eine christliche Kirche (nicht nur für Schwule und Lesben). Mit dieser Ausstellung möchten die Künstler/innen nicht nur ihre Bilder präsentieren. Die meisten der ausgestellten Kunstwerke sind zu moderaten Preisen verkäuflich. Der Erlös geht - abzüglich der Unkosten - von den KünstlerInnen als Spende an die MCC und kommt der Gemeindearbeit zugute. Die Ausstellung wird am7. 12. um 12 Uhr eröffnet und ist während der Öffnungszeiten des KCM zu besichtigen.
us

 

Der Herr der Matrix von Bruchtal
Priscilla, Königin der Wüste im Filmclub
Was haben Filica, die blassrosa Braut, Elrond, der Elbenherr von Bruchtal, und Agent Smith aus der Matrix gemeinsam? Sie alle werden von dem Schauspieler Hugo Weaving gespielt. In Priscilla, Königin der Wüste spielt er eines von drei "Showgirls" mit einem kleinen Unterschied auf der Reise ins Herz Australiens. Ganz stilsicher fährt Priscilla, ein alter rosa Schulbus, den Mitzi von drei schwedischen Jungs mit den Namen Lars, Lars und Lars gekauft hat, von einer Pointe zur nächsten. Dieser Film zeichnet sich sowohl durch seinen Wortwitz als auch durch seine Tiefgründigkeit aus, weswegen der Filmclub im KCM auch in diesem Jahr die Stöckelschuhe auspackt. Thematisch dreht sich an diesem Abend alles um das schwule Australien. Der Film beginnt bereits um 19:30 Uhr (!) als Teil der Winter-Party im KCM.
mkh

 

Neues aus dem KCM

Danke sagen ist ein Wort . . .
. . . die Hilfe war die Tat . . .
Das Jahr 2003 neigt sich schon wieder dem Ende entgegen, und wieder ist es an der Zeit, einigen Menschen in dieser Stadt und in diesem Land danke zu sagen!! Es wurde in diesem Jahr so manches angefasst, was grosser Anstrengung bedurfte, dennoch haben die Helfer unermüdlich daran gekämpft, ihre Ziele durchzusetzen. Das KCM wurde renoviert, so mancher Tropfen Schweiss verlor dabei den Halt an der Stirn der Helfer. Der Thekenraum, er glänzt nun in einem neuen Licht, und dafür danke den Streichern und den Renovierern. Zudem auch an Roland und Thomas, die bei den Baumärkten um eine Gabe der Materialien gebeten hatten. Aber auch der Flur zum Büro wurde neu gestaltet und dafür Danke an den Florian. Aber nicht nur durch Arbeitseinsatz, sondern auch durch finanzielle Unterstützung war es dem KCM möglich, so einige Projekte umzusetzen. Hier möchten wir besonders dem EdH eV. (Erhaltet den Hawerkamp) und der Stiftung Siverdes danken. Dem EdH dafür, dass er in den letzten Jahren durch unerschütterbaren Einsatz dafür gesorgt hat, dass das Gelände am Hawerkamp überhaupt noch vorhanden ist und zu den Zwecken genutzt werden kann. Mit der Party die alljährlich im Sommer auf dem gesamten Gelände des Hawerkamps stattfindet, zeigte man dann auch wieder, wie wichtig es ist, dass man verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Auffassungen und auch Geschmäckern, doch durch ein gemeinsames Konzept dazu bringen kann, die Tat der Idee folgen zu lassen, welche dann als Party des Hawerkamps erfolgreich gefeiert werden konnte. Die Stiftung Siverdes hat durch die finanzielle Unterstützung dazu beitragen können, dass dem KCM mehr Möglichkeiten geöffnet wurden als es sonst der Fall gewesen wäre. Der Stadt und den Fraktionen gilt unser Dank in der Hinsicht, dass durch die Förderung es erst möglich ist, einen Verein wie das KCM zu betreiben. Immer wieder setzen sich Fraktionsmitglieder im Rat der Stadt dafür ein, dem KCM und auch den anderen Gruppen in Münster ein Überleben zu sichern. Ein schönes Gefühl entsteht dann bei den Ehrenamtlern des KCM, das man auch hier erkennen kann, die Stadt und die Fraktionen sehen uns mitten im Leben von Münster und nicht nur dabei. Die Akzeptanz, die uns zuteil wurde und wird, stärkt diejenigen, die bereit sind, sich ehrenamtlich in Vereinen einzubringen so wie die zahlreichen Ehrenamtler im KCM. Auf diese möchte ich nun zum Schluss kommen, denn alle Zuschüsse bewirken nichts, wenn es nicht Menschen geben würde, die bereit sind, ihre Freizeit zu opfern um für ihre Sache einzustehen. Sei es in den Coming-Out- Gruppen, dem Rosa Telefon oder auch in der Beratung im allgemeinen, sowie hinter der Theke, der Kasse oder auch bei der Jugendgruppe und Gay & Grey. Wichtig ist für uns, dass wir ehrlich Danke sagen wollen, denn es kann nicht als selbstverständlich angesehen werden, dass diese Arbeit verrichtet wird. Aus diesem Grund haben wir auch mit Freuden vernommen, dass die Öffentliche Hand nun das Ehrenamt auch mehr ins Licht rücken möchte. Danke ist einWort, welches zu beschreiben nicht in der Lage ist, was es bedeutet, froh über die Hilfe zu sein, die einem in der heutigen Zeit entgegengebracht wird. Danke ist ein Gefühl, welchesWohlbehagen zum Ausdruck bringt. Danke ist das Wort, das wir einfach sagen möchten. Wir freuen uns auch schon im Jahr 2004 auf die Hilfe Einiger hoffen zu dürfen und wünschen allen eine schöne Adventszeit und besinnliche Festtage. Für den Vorstand
Peter Becker

 

JugendTreff feiert einjähriges Bestehen
Münsters JugendTreff für Lesben, Schwule und Freunde feiert im November sein einjähriges Bestehen. Vor einem Jahr hatten sich Bettina und Holger mit dem Vorstand des KCM, Schwulenzentrum Münster e.V. und dem dort angestellten Diplom-Pädagogen Martin Enders zusammen getan um eine Gruppe für junge Lesben, Bisexuelle, Schwule und Freunde zu gründen. "Jugendliche brauchen eine Anlaufstelle wo sie über ihre Probleme reden können. Meistens sind es die Freunde oder Eltern. Doch bei Homosexualität können Freunde oder Eltern oft auch nicht weiter helfen", erzählt uns Holger. Beim JugendTreff stoßen homosexuelle Jugendliche auf kompetente Beratung und können Jugendliche kennenlernen die eben auch homosexuell sind. Doch der JugendTreff ist nicht nur Treffpunkt. Neben dem freitags ab 18 Uhr stattfindenden Treff einer Gruppe für Unter-18-jährige und einem ThekenTreff werden Ausflüge, Aufklärungsabende, Spielabende und vieles mehr veranstaltet. "Die Jugendlichen werdern in ihrer Entwicklung bestärkt und gefördert. Wir stärken ihr Selbstvertrauen, bieten ihnen eine Stütze in schwierigen Situationen", teilt uns Diplom Pädagoge Martin Enders mit. Doch was hat sich seit Gründung des JugendTreffs für Lesben, Schwule und Freunde getan? Der JugendTreff hat über 100 Jugendlich aus Münster und Umgebung erreicht. Davon kommen 35 zu den verschiedenen Angeboten des JugendTreffs. Angesichts einer Zeit, wo Homosexuellen wieder mehr Anfeindungen entgegen gebracht werden, empfindet die Leitung des JugendTreffs dies als einen guten Anfang, auf dem sich aufbauen lässt.
Weitere Informationen zum JugendTreff:
www.jugendtreff-muenster.de
www.kcm-muenster.de
me

 

Rezension

Einsam war ich nie
von Lutz van Dijk
. . . und wieder ein Buch zum Thema NS-Zeit? Ja, doch dies Buch sticht in mehrfacher Weise hervor. So wird die Brisanz des Erlebten nicht in schier endlos ausgewalzter Dramatik romanhaft in die Länge gezogen, sondern in zehn Kurzgeschichten eindringlich wie erschütternd erzählt. Ach ja, es geht - bei sonst so häufig aufgesetzter Gedenktümlichkeit bekannter Reflexionen - um die eigentlich bestverleugnetste Gruppe der in der Nazizeit Geschundenen: Schwule Männer! Wunderschöne Momentaufnahmen männlicher Liebe als Inseln in einem lebensfeindlichen, von Hass und Angst, Unsicherheit wie beklemmender Befangenheit geprägten Umfeld . . . und doch: Neugierde und Sehnsucht lassen, wenn auch oft nur für Momente, all dies hinter sich. Lutz van Dijk gelingt es sehr eindringlich, schwule Sehnsüchte und lähmende Wirklichkeit unserer "mentalen Väter" in der braunen Terrorherrschaft ebenso emotional nüchtern, wie sachlich engagiert zu vermitteln. Lobenswerterweise lässt van Dijk es mit den Schilderungen der Überlebenden bis Kriegsende nicht gut sein denn das hiesse, die Wahrheit zu verschweigen. Denn auch noch Jahrzehnte nach der NS-Zeit bleibt das Klima gegenüber Homosexuellen, besonders gegenüber Schwulen ablehnend bis feindlich. Diese zehn Lebenszeugnisse machen ohne moralischen Zeigefinger unübersehbar deutlich: Zu Schweigen bedeutet Verleugnung des eigenen Leids. Es gab und gibt noch genügend zu tun und zu sichern, denn Erreichtes lässt sich auch wieder verlieren ...
Eine brauchbare Hilfe zur Standortbestimmung!
ts

 

Spendenaufruf

Liebe Mitglieder und Freunde des KCM,
das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und wir können auf eine turbulente Zeit zurücksehen. Leider war nicht alles immer erfreulich und angenehm. Der Einbruch in den Thekenraum z. B. war für das KCM schon recht hart zu verkraften. Sicherlich wissen einige von Euch noch, wie die Einbrecher gewütet haben. Nicht nur die Eingangstür musste ersetzt werden, auch einige Tische und Stühle sind notdürftig repariert worden. Diese Reparatur ist aber nur eine unzulängliche Lösung und nicht als Dauerzustand gedacht. Gerne würden wir für den Thekenraum eine neue Bestuhlung anschaffen, die wieder stabil und strapazierfähig ist, aber es fehlt uns noch ein Teil der nötigen Mittel. Nach langem Hin und Her, ob wir eine Spendenaktion machen sollten, haben wir uns zu diesem Schritt auf diesem Wege entschlossen. Es kommt allen zugute, wenn wir es schaffen würden, im Thekenraum wieder eine vernünftige Sitzmöglichkeit anbieten zu können. Ob nun Mittwochs oder beim Sonntagscafe, auch auf den Partys und bei Kulturveranstaltungen brauchen wir solide Tische und Stühle. Wir würden uns freuen, wenn der Eine oder Andere sich zu einer Spende zugunsten des KCM entschließt, um damit auch das Erscheinungsbild nach außen wieder etwas zu verbessern. Darüber hinaus kann eine Spendenquittung vom KCM ja auch beim Finanzamt geltend gemacht werden und hilft so beiden Seiten. Vielleicht können wir mit Eurer Unterstützung schon bald einen besser ausgestatteten Thekenraum präsentieren.
Mit dem besten Dank im Voraus
Eure KCM-Mannschaft

 

Dies und Das

Fußball macht Spaß
Dass Fußball was für's Auge sein kann, haben nicht nur die Macher von der Sportschau erkannt. Diese werben ja mit dem Sexapeal der Fußballer im Radio um die weibliche Zuschauergunst. Auch der Fotograf der DPA scheint diese Erotik gesehen zu haben, oder?
mkh

 

Winter-Party im KCM
Ein letztes Mal startet im KCM die Männer-Party als Special-Winter-Party. Am Freitag, dem 12. 12. wird es mollig warm im Thekenraum. Dafür sorgen die Thekenmannschaft mit einer passenden Dekoration samt Sonderaktionen sowie der DJ. Ab Januar kommenden Jahres kommt dann was ganz Neues. Mehr dazu im nächsten Zauberhut. Lasst euch überraschen.
mw

 

. . . was sonst noch geschah

Nachlese
Am 2. 11. las der Berliner Autor Dietmar Kreutzer aus seinem neuesten Werk "StarStrip. Der nackte Mann im Film" im Rahmen des Kulturfrühstücks. Zur visuellen Untermalung zeigte er dazu Ausschnitte aus den besprochenen Filmen.
DKreutzer
Dietmar Kreutzer und die Männer

 

Neuer Schwulenreferent an der Uni
Das Schwulenreferat an der WWU hat wieder einen neuen Referenten: Markus Koepe. Der 25-jährige Lehramtsstudent wurde nach langen Diskussionen gewählt und löst damit Partick John als kommissarischen Referenten ab.
mkh

 

Der politische Kommentar

Kardinal Meisner:
Zuviel Weihrauch inhaliert?
Eine Rede über zwölf Seiten verlangt schon einiges ab, sie verstehen, zu verfolgen und entsprechend auch darauf zu reagieren. Der Vorstand der Regenbogen-Liste hatte das zweifelhafte Vergnügen, sich die Rede, gehalten von Kardinal Meisner am 24. Oktober in Budapest, in Druckform zu Gemüte zu führen. Den Wandlungen des Sinns dieses Manuskripts zu folgen, bereitet Schwierigkeiten. Es stellt sich die Frage, ob dies dasWerk eines vonWeihrauch getrübten Geistes ist. Mit einem klaren Verstand ergeben sich Probleme, dem Sinn der Rede zu folgen. Kardinal Meisner übertrifft sich mit seinen altbekannten Tiraden gegen Minderheiten und was ihm sonst nicht geheuer erscheint. Er widerspricht sich zuhauf, und Höhepunkt sind seine grotesken Einlagen. Es treibt einen von Verwirrung zum Erschrecken bis hin zum Gelächter. Kardinal Meisner, Sie schätzen in Ihrer Rede "die Einmaligkeit eines jeden Menschen". Weiterhin folgern Sie daraus "die Würde jedes Menschen und mithin das Recht auf Achtung vonseiten des Einzelnen und der Gesellschaft." Sie führen fort: "Sodann ergibt sich aus dieser Einmaligkeit die Freiheit eines jeden Einzelnen und das Recht, die konkrete Gestaltung seiner Existenz selbst zu wählen und selbst zu bestimmen, oder die Gleichheit aller Menschen untereinander, die jede Diskriminierung ausschließt." Ein lobenswerter Ansatz! Dem folgt schon bald einWiderspruch: "Man will eine Gesellschaft schaffen, in der jeder und alles wirklich ‚gleich' sei." Sicher meinen Sie die angestrebten gleichen Rechte für Minderheiten. Weiter heißt es: "Nicht selten führt dies jedoch in eine nivellierende Utopie, wo jede Differenzierung mit Bedacht ausgelöscht und eingeebnet wird. Ein solches Streben nach Gleichheit endet oftmals in einer Art Gleichmacherei, die schließlich alle Impulse, die einer Gesellschaft Profil zu geben vermögen, schwächt und alles in ein langweiliges, tödliches Grau eingießt, einwalzt und einbetoniert." Ihre Formulierung "Indem Lenin die Religion als ‚Opium für das Volk' diffamierte, griffen die Menschen zur Droge." ist Comedypreis-verdächtig. Schlussfolgernd stellen wir fest, dass sich die Äußerungen "giftige Stoffe" und "Kann der europäische Mensch aus eigener Kraft all diese Gifte ausschwitzen oder überwinden?", welche von der Wortwahl doch 25 stark an Propagandareden vergangener Zeiten erinnern, auf die Werte der Gesellschaft beziehen und somit nicht personifiziert sind. Dies war für den Vorstand der Regenbogen-Liste nicht Anlass genug, um Strafanzeige zu stellen. Besonders peinlich bei den Entgleisungen von Kardinal Meisner ist auch das Schweigen der meisten politischen Parteien. Noch am 7. Oktober 2003 "adelte" NRW-Ministerpräsident Steinbrück in seiner Ansprache zur Verleihung des "Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband" Kardinal Meisner, indem er sagte, die Auszeichnung sei "Ausdruck der Achtung des Staates vor der Person und dem Amt des 69-jährigen Kölner Erzbischofs". Nun jedoch herrscht allgemeine Funkstille, außer bei den betroffenen Minderheiten. Auf jeden Fall unterstützen wir legale Bestrebungen mit dem Ziel, Kardinal Meisner als Oberhaupt dieses Bistums eine Klausur aufzuerlegen, so dass er nicht mehr seines Amtes walten kann.
Jürgen Künz,
Regenbogen-Liste Köln

 

Käthes Kolumne

Sex sells
Gerade wenn die Konjunktur erschlafft ist, versuchen findigeWerbestrategen die Lust am Konsum mit eindeutig zweideutigen Anzeigen zu steigern. Bisher war da die primäre Zielgruppe der heterosexuelle Mann. Dem schwulen Konsumenten blieben nur die Unterwäscheabteilung der Versandhauskataloge oder die verführerische Parfümwerbung. So war auch der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft bisher immer der Meinung, dass schwule Männer keine eigene Zielgruppe fürWerbung darstellen. Das scheint sich aber zu ändern, wie nicht nur die Stadt Basel und Strauss 1902 27 in ihren aktuellen Werbeaktionen beweisen. Auch Kopenhagen bewirbt seine Attraktivität gerade für schwule Männer, während BMW seinen Mini in den schwulen Magazinen der Republik bewirbt. Deutlich abgefahrener bewirbt BMW seinen neuen Z4 mit der DVD The Hire, die man sich bis Ende des Jahres für drei Tage kostenfrei in jeder Videothek ausleihen kann. In dem Kurzfilm "Beat the Devil" tritt Gary Oldman als geschminkter und Perücke tragender Teufel im Trümmertuntenlook auf, während der Held der ganzen Kurzfilmserie, ein Kurierfahrer, der von Clive Owen gespielt wird, das stylische Kontrastprogamm in lässigem Anzug gibt. Alleine schon das filmische Wechselspiel zwischen Alulook, Anzug und Bartstoppeln, das der Regisseur Tom Scot in diesem Film kunstvoll inszeniert hat, richtet sich mit Sicherheit wohl nicht an die betuchte Frau, die einen neuen Stadtflitzer haben will, der schneller als der Teufel fährt. Eines findet man in diesen drei Filmen nicht: leichtbekleidete Frauen, die es sich auf der Motorhabe bequem machen. Bei all diesen Reizen kann das Weihnachtsgeschäft gerne kommen, selbst wenn die Bank nicht mitspielen möchte.
Eure Käthe

 

Grüße

K-leine
C-hance
M-iteinander
Und damit Großes bewirkt! Um Danke zu sagen ist es nun wieder an der Zeit, nicht weil man es muss, sondern weil es aus dem Herzen kommt. Wir vom KCM-Vorstand grüßen Euch alle recht herzlich und möchten uns bei den Mitgliedern und denen, die uns unterstützt haben, bedanken. Um nicht jemanden aus Versehen zu vergessen, halten wir den Dank allgemein, denn jede Hilfe und Unterstützung war und ist wertvoll. Einen Gruss an die Freunde des KCM, an den EdH e.V., an LIVAS, an Siverdes, die Stadt Münster, die Gruppen und Verbände und alle anderen, auf die wir - so würden wir hoffen wollen - auch im nächsten Jahr bauen können.
Der Vorstand grüßt und wünscht schöne Festtage.

 

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Peter Becker, Martin Enders, Michael Karshüning (V. i. S. d. P.), Olaf Kauffmann-Lange, Peter Kramer (Satz), Jürgen Künz, Uwe Schoon, Thomas Schultz, Holger Seidel, Achim Wahle, ManuelWittig, Käthe van Wüllen.
Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 900
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats. (Nächster Termin: 10. Dezember 2003)

Texte, die veröffentlicht werden sollen, gebt bitte in lesbarer Form als
Dateianhang im txt- oder rtf-Format an den zauberhut@muenster.gay-web.de