Schwules in Münster - Januar 2003

 

Salve,

das letzte Kulturfrühstück brachte es an den Tag, es brach aus Peter K., verantwortlich für den Satz des Zauberhuts, in Gegenwart des großen KCM-Vorsitzenden und unseres niederländischen Gasts, der trotz der Demütigung, welche die "Holländer" uns Deutschen beim letzten Fußball-Länderspiel zufügten, noch willkommen war, heraus. Das Zauberwort, jene warmen Worte des Redakteurs, die sich dieser mit Mühen aus den Fingern zur Beleerung & Belustigung seiner Leser saugt, ist dem Herrn Setzer zu lang! Gelegentlich, so ließ Peter durchblicken, gelegentlich halt sei es so lang, dass das Impressum des Heftes, welches traditionell nach den schönen Worten des Redakteurs noch auf Seite drei erscheint, schon mal auf eine andere Seite verschoben werden muss.

Alle Anwesenden, einschließlich des großen KCM-Vorsitzenden & des in Gnaden aufgenommenen niederländischen Besuchers, waren der Meinung, dass dies sooooo nicht angehen könne und der Redakteur sich gefälligst an gewisse Regeln zu halten habe.

Nun wäre gerade diese Seite zu Beginn des neuen Jahres der willkommene Platz, etwas Gescheites über die allgemeine Staatsverdrossenheit nach den Wahlen zu sagen. Ja, es ist schon schlimm, dass Schröders Kassen leer sind und die Arbeitslosigkeit steigt, was ja unter Kohl noch schlimmer war.

Und hier wäre der Platz, etwas Grundsätzliches zum angespannten Verhältnis der Deutschen zu den Niederländern zu sagen: sicher, noch ist Han uns willkommen, noch wird "Tante Käthe" nicht ausgebürgert nach so einer Pleite.

Wäre es nicht auch mal wieder Zeit, ein bisschen über die Homo-Ehe zu spotten? Och nöh, höre ich da einige nöhlen.

Oder der allgemeine Verfall der guten Sitten, zu beobachten jeden Samstag auf RTL, wo Dieter Bohlen & Carsten Spengemann (der Henning-Mörder...) für Deutschland den Superstar suchen - und nicht finden.

Indes: dergleichen gehaltvolle Ausführungen brauchen Platz zum Auf- und Abwägen einer Meinung.

Ich gebe mich geschlagen. Das Impressum ist wichtiger als meine Worte.

Mithin verbleibe ich mit warmen Grüßen
Norbert

 

 

30 Jahre Schwulenbewegung in Münster

Freitag, 22. November 2002, nach 17 Uhr in der Stadtbücherei: Die Tür ging auf, ein hübsches Blondchen kam rein und staunte nicht schlecht. Eine Ausstellung wurde da präsentiert. Vor einigen Ausstellungswänden hatte sich viel Volk versammelt, auf der Treppe über dem Volk hatten sich würdige Herren in Schwarz postiert. Und plötzlich wurde es still und die schwarzen Gestalten erhoben ihre Stimmen gen Himmel und fingen an zu singen.

Dreißig Jahre erste Schwulendemo in Münster, fünfzehn Jahre Homophon: das waren zwei gute Gründe zum Jubilieren. Stefan Sudmann vom Schwullesbischen Archiv und Homophon fanden sich zusammen. Da konnte dann auch Bürgermeister Fritz Krüger nicht fehlen, der mit jugendlicher Frische an die vergangenen dreißig Jahre erinnerte. Wie immer machte er dabei eine gute Figur, und wenn man ehrlich ist: der Mann hat mehr Haare auf dem Kopf als Stefan Sudmann. Stefan ging die vergangenen drei Jahrzehnte humorvoll an, er streifte in seiner Rede all die Jahrzehnte und musste einräumen, dass er ein Kind der Spaß-Generation ist. Genüsslich konstatierte er einen Wandel in der Haarmode. Von oben herab kommentierte dann Christian, ein singendes Mitglied von Homophon, den Charme und Wert von Münster.

Gesichtet wurden bei der Ausstellungseröffnung Vertreter der Ratsfraktionen, eine Vertreterin der Antidiskriminierungsstelle, ein Mitglied des hohen & weisen KCM-Vorstands und und und. Die üblichen Verdächtigen wurden übrigens nicht gesichtet, waren wohl auch nicht da. Immerhin war noch ein Vertreter des Buddhistischen Zentrums Groningen anwesend, wie Stefan stolz erklärte.

Blondchen nahm sich Zeit und schaute sich nicht nur das bunte Volk an, welches sich da, behaart oder eben weniger behaart, an vergangene Zeiten ergötzte, er warf auch noch mehr als einen Blick auf die Tafeln.

Fazit: es macht Sinn & Spaß, an die stolze & ehrwürdige Vergangenheit der Münsteraner Schwulen zu erinnern.
NK

Ratsherr Richard Halberstadt, Stefan Sudmann & Bürgermeister Fritz Krüger vor der Ausstellungseröffnung
Interview mit Georgette Dee und Terry Truck
Eines der Highlights auch für den Reporter.

 

 

TransFair-Kaffee im KCM

"Gerechtigkeit schenken" heißt es zur Zeit auf Plakaten, die einen gerechten Welthandel fordern. "Gerecht" in dem Sinne, aus den Erlösen die (meistens in der Dritten Welt ansässigen) Produzenten angemessen zu bezahlen. Dieser Gedanke ist Kernstück des TransFair-Handels. Denn die Situation ist beim Kaffee besonders dramatisch: Millionen Kaffeeproduzenten müssen den Rohkaffee unter ihren Produktionskosten an die Zwischenhändler (u. a. Nestlé und Tchibo) verkaufen, stehen vor dem Ruin oder stellen den Anbau auf Drogen um. Zur Zeit erhalten die Produzenten im Durchschnitt 24 Cent pro Pfund Rohkaffee, während der Endverbraucher für dasselbe Pfund im Schnitt 3,60 Euro hinblättern muss. Der globalisierte Kaffeehandel produziert auf der einen Seite riesige Gewinne, auf der anderen Seite soziales Elend bei den Erzeugern.*

Was das mit "schwul" zu tun hat? Nichts und doch eine ganze Menge. Denn ob Homo oder Hetero - der Kaffee in der Tasse ist derselbe. Und als Schwule sind wir besonders gerne geneigt, Gerechtigkeit einzufordern. Aber tun wir doch auch mal was, anstatt nur zu fordern. TransFair-Kaffee trinken zum Beispiel. Das kostet wenig, bringt Genuss und hilft mit, nicht noch mehr Elend in die Welt zu setzen. Das KCM hat sich diesen Gedankengängen angeschlossen und schenkt künftig TransFair-Kaffee zum unveränderten Preis aus. Die milde Mischung erfreut sich beim TransFair-Handel übrigens großer Beliebtheit und steht qualitativ deutlich über den billigen Handelsmischungen. Zugleich bedankt sich der Vorstand des KCM beim Erhaltet den Hawerkamp e. V., dessen freundlicher Zuschuss diese gute Tat möglich machte.
Michael Heß

* Weitere Infos zum Thema sind unter www.oxfam.de erhältlich.

 

 

Kulturfrühstück

Dichterlesung war am 1. Adventssonntag angesagt. Das Kulturfrühstück bot Gregor Blaszewski die Möglichkeit, aus seinen Werken zu lesen. Gregor ist der schwulen Gemeinde im KCM nun wahrlich nicht unbekannt, und seine Neigung zum Griffel ist durchaus nicht verborgen geblieben, hat doch der Zauberhut selbst auch schon davon profitiert. Die Geschichten, die er beim Essen seinen Zuhörer vortrug, hatten einen Hang zum Absurden und zeigten, dass der Autor ein guter Beobachter seiner eigenen Person ist. Mehr noch: er nahm sich selbst als Schreibenden auf die Schippe.
NK

 

und im Januar

Im Januar gibt es wieder einen Film. Wir zeigen „Zeugin der Anklage” von Billy Wilder. Titelheldin Marlene Dietrich kann als einzige ihren des Mordes angeklagten Mann (Tyrone Power) entlasten, doch scheint ihr daran wenig gelegen zu sein. Davon ist jedenfalls Staranwalt Sir Wilfried (Charles Laughton) überzeugt.
Ein spannender Gerichtsthriller mit mancher Überraschung aus dem Jahr 1957
Volker

 

 

Weißrussland ante portas

Michael Heß ist ein vielbeschäftigter Mann. Und jemand, der oft rumkommt in der Welt.

Seit ein paar Jahren führt ihn sein Weg immer mal wieder nach Weißrussland, wo er nicht nur Kontakte zu ehemaligen Zwangsarbeitern herstellt, sondern auch in die schwule Szene des Landes eintaucht.

Und da Michael ein eher konservativer Mensch ist, präsentierte er im KCM einen Dia-Abend am Offenen Mittwoch-Abend. Nun sollte man meinen, die Zeit dieser antiquierten Darstellungsform sei irgendwann seit den achtziger Jahren durch Videos, DVDs oder anderen Multimedia-Schnickschnack überholt worden, aber wer dergleichen denkt, liegt falsch (wie z.B. der Redakteur des Huts): das KCM war an diesem Mittwochabend rappelvoll wie schon lange nicht mehr.

Michael zeigte Bilder aus Weißrussland, die er selbst aufgenommen hatte. Zunächst durften wir die weite Landschaft bewundern, also Bäume & Gräser, wie man sie auch aus Deutschland kennt. Interessant wurde es, als er Impressionen aus den Städten und Dörfern bot, gewürzt mit eigenen Erfahrungsberichten von der Mentalität der Weißrussen. Erspart wurde den Zuschauern auch nicht die weißrussische Vergangenheit im 2. Weltkrieg, als die Deutschen hier hausten, wie es eben nur Deutsche vermochten.

Der Abend war also gelungen, so dass man sich überlegen kann, ob man die antiquierte Form a la Dias nicht öfter im KCM präsentieren sollte. Dabei allerdings sind zwei Dinge zu beachten: erstens empfiehlt es sich, die Technik eines Diaprojektors zu studieren, zweitens sollte der Computer im Thekenraum während dieser Zeit ausgestellt werden.
NK

 

 

Din A Queer jubilierte im Triptychon

Nach zwei Jahren über das Profil von Din A Queer zu schreiben, hieße Eulen zum Hawerkamp tragen. Zur Jubiläumsparty der alternativen Partyveranstalter am 29. November war das Triptychon so voll wie stets; irgendwann stellte sich dann auch die anregende Mixtur aus körperlicher Entspanntheit und sinnlichem Genuss ein (die schwerarbeitenden Ohren vielleicht ausgenommen; dafür schmeckte der im Triptychon seit jeher ausgeschenkte trockene Rotwein um so besser). Und immer wieder fällt auf, wie wenig Glamour auf den "multisexuellen Partys" des Teams zu finden sind. Und das scheint der eigentliche Garant des Erfolges zu sein: Sich geben zu können wie beliebt anstelle der Fortsetzung des täglichen Spiels der Täuschung auf der Tanzfläche. Natürlichkeit anstatt gelifteter Körper und geziertem Gehabe. Die Musik gibt dieser Botschaft "nur" die geeignete Form, auch wenn sie so fresh, rough and straight ahead ist, wie frau & mann es sich nur wünschen können.* Dem Team von Din A Queer sind zwei weitere erfolgreiche Jahre zu wünschen.
Michael Heß

* Titellisten und Termine finden sich unter www.din-a-queer.de

 

 

In eigener Sache und Wichtig

Das KCM bleibt am 1. Januar geschlossen, der Offene Abend entfällt.

Aus persönlichen Gründen muss der Redaktionsschluss der nächsten Nummer für Februar auf den 5. Januar 2003 vorverlegt werden.

 

 

Das letzte Gerücht

Im letzten Heft konnte der Zauberhut, Münsters großes, buntes Schwulenmagazin, auf einen Schatz im KCM verweisen: der Hinweis auf das legendäre Buch "Ich bin ein Junge, du bist ein Junge" sorgte für Furore unter den Lesern.

Nunmehr gibt es das Gerücht, dass die wunderbare Geschichte der beiden Knaben verfilmt werden soll. Natürlich würde die Geschichte an die Gegenwart angepasst und bei der Auswahl der Schauspieler auf heutige Charaktere zurückgegriffen werden müssen.

Gute Aussichten, die Rolle des blonden Jünglings zu spielen, hat zweifellos Martin E. Der begabte Jungschauspieler gilt als großer Kenner des Buches. Die Rolle des lockigen Buben dürfte ein Mitglied des KCM-Vorstands spielen wollen, doch nichts Genaues aus der Gerüchteküche ist an das Ohr des schwatzhaften Zauberhut-Redakteurs gedrungen. Die Rolle der Mutti wird geteilt: hierfür sollen Redakteur und Lejauter des Huts berücksichtigt werden. Ob die Sangesbuben von Homophon in Kostüme hüpfen und in der modernen Version die Hühner spielen, ist noch ungeklärt.
NK

 

Abgayfahren

Thorsten Hensel & Rolf Schulze aus Essen bieten eine neue Attraktion. Die beiden veranstalten monatlich schwul-lesbische Wochenendbahnfahrten.

Dieses Mal gehts am 26.01. mit der Bahn zur Hönnetalbahn/Sauerland (Hagen-Fröndenberg-Balve - Besuch der Balver Höhle - Menden - Besuch im Szenelokal an einer Mühle)

Infos unter Tel. 0174/7817311 (Rolf) oder 0201/705302 (Thorsten) oder: abgayfahren@web.de

 

 

Termine für Regenbogen-TV

Regenbogen-TV, das schwule Magazin im Stadtfernsehen tv münster, (Kabelkanal 3);

  • Mittwoch, 15.01. 18.30 Uhr und 19.30 Uhr Regenbogen-TV, im Stadtfernsehen tv münster, Kabelkanal 3
  • Mittwoch, 15.01. 22.00 Uhr Regenbogen-TV Videovorführung im KCM, Am Hawerkamp 31
  • Freitag, 17.01. 18:30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Samstag, 18.01. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Sonntag, 19.01. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)

 

 

Queer-Gemeinde

  • Sonntag, 12.01. 19.00 Uhr, Queer-Gottesdienst; Lesben, Schwule und andere Queers feiern Gottesdienst (Info unter 0251/57468), St. Sebastian-Kirche, Hammer straße 135
  • Freitag, 25.01. 19:30 Uhr, Wortgottesdienst der Queer-Gemeinde (Info unter 0251/7625697), Ort: Trinitatis-Kirche, Straßburger Weg 11

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

„Felix”, Frankreich 2000

Felix beschließt nach Marseille zu reisen, um seinen Vater, den er nicht kennt, zu treffen. Zu Fuß, per Anhalter und in einem „geliehenen” Wagen durchquert er Frankreich.

Interessant sind die Menschen, die Felix auf seiner Reise ein kleines Stückchen des Weges begleiten und zu einer Art „Ersatzfamilie” werden.

Ein paar Tage aus dem Leben eines Schwulen, eines HIV-Positiven, eines Mannes, eines Liebenden, eines ganz normalen Menschen eben...

Am Freitag, 10.01.2002 ab 20:15 im KCM

 

 

 

Kleinanzeigen

 

Der Zauberhut wünscht wünscht allen Lesern ein gutes Jahr 2003. Zugleich bedanken sich die Macher des Hutes bei allen fleißigen Händen, die helfen, dass der Hut jeden Monat erscheinen kann.

 

Warum ist Fritz Krüger eigentlich noch nicht Ehrenmitglied im KCM?

 

Meinem Mausi, dem Tom
...'nen Riesenbusserl. Hab dich in meinem Herzen, und den Schlüssel dazu verloren, bleibst drin.
Dein Peter

 

Ich wünsche
...allen schöne Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr
Achim

 

1. Meine Mängel gehören mir. Das macht mir Mut, auch meine Vorzüge auszusprechen. (Karl Kraus)

2. The empty bodies stand at rest / casualties of their own flesh / love is suicide. (Billy Corgan)

3. Ooooch Volker - so zornig sind wir denn auch wieder nicht...

 

Mittwochs im KCM,
Klönen, günstig trinken, Spaß, schwule Bibliothek und vieles mehr...

 
Kleinanzeigen können im
Zauberhut und bei muenster.gay-web.de
aufgegeben werden.

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Michael Heß, Norbert Korfmacher (ViSdP), Peter Kramer (Satz)
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

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Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 900
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats

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