Schwules in Münster - Dezember 2002

 

Salve,

der mir geneigte Leser wird nach dem Studium zahlreicher Zauberwörter aus meiner Feder eines wissen: der Redakteur des Zauberhutes übt den Beruf des Historikers aus. Und manchmal, aber wirklich nur manchmal, kommt dies auch durch in meinen Worten & Taten. Also ganz selten.

Auch dieses Heft stelle ich in den Dienst der Historie. Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, die gar nicht gut gewesen sein muss, ist ein Zeichen fortschreitenden Alters. In dieser Ausgabe des Hutes schwelgen wir in den Erinnerungen an den Sommer 1978, der fast ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Wer mag sich noch an Details dieses Sommer erinnern?

Das KCM hütet seit geraumer Zeit einen Schatz, ein Juwel, welchem sich die wenigen, die darum wissen, immer in tiefer Demut und mit großer Bewunderung nähern. Es sind einige Exemplare des längst vergriffenen Buches "Ich bin ein Junge, du bist ein Junge" von Gerd Berger. Fast alle Bilder in dieser Ausgabe des Zauberhutes, Münsters großem bunten Schwulenmagazins, stammen aus diesem Opus. Dazu gibt es noch eine Rezension dieses Werkes und Stellungnahmen bekannter Persönlichkeiten, die diesen Schatz eben schon kennen.

Und mit diesem Rückblick auf die "herr"-lichen Zeiten wünscht Euch die Redaktion ein gnadenreiches Weihnachtsfest - oder anders: lasst Euch reich beschenken!

Warme Grüße
Norbert

 

 

Neues aus dem Vorstand

Hallo Ihr Lieben,

der letzte Zauberhut in diesem Jahr. Da darf natürlich ein kurzer Gruß von uns nicht fehlen. Also: "Hallo erst mal..."

So beginnt eigentlich jede Vorstandssitzung, und von denen gab es in diesem Jahr reichlich. Im Normalfall treffen wir uns alle zwei Wochen. Fünf Vorstandsleute und unser Hauptamtler Achim - also manchmal sechs verschiedene Meinungen, die es unter einen Hut zu bringen gilt. Das ist meistens spannend, mitunter aber auch nicht ganz einfach. Es wird diskutiert, gestritten, gelacht - neue Ideen entwickelt und auch wieder verworfen. Vieles angedacht - manches realisiert. Viele Themen von ganz normalen Entscheidungen, die nur die reine Verwaltung des Hauses betreffen bis zu Aktionen wie standFest oder CSD. Angebote wie Tanzkurse, Kulturfrühstück oder die neue Jugendgruppe. Ständige Veranstaltungen wie die Samstagsparties, die opening Party Freitag, Enjoy the Party, die ja gerade zum fünften Mal stattgefunden hat, oder das Sonntagscafé. Neue Aufkleber oder die neue Broschüre. Anträge bei Stadt, Land und Verbänden um Zuschüsse zu einzelnen Veranstaltungen zu bekommen. Treffen mit anderen Vereinen und Verbänden wie zum Beispiel "anders Leben" oder "Livas". Teilnahme an Veranstaltungen außerhalb wie bei Versammlungen vom "Schwulen Netzwerk NRW", der Aidshilfe oder dem paritätischen Wohlfahrtsverband.

Ich denke, wir haben es aber meist geschafft einen Konsens zu erzielen, mit dem wir alle leben können und der dem KCM dient.

Unser zweites Jahr halt - und ich kann sagen: Es hat Spaß gemacht!!!

Übrigens: Das KCM-Jahr ist noch nicht zu Ende. Am 01.12.02 kommen unsere Freunde aus den Niederlanden zum Sonntagscafé und bringen natürlich auch Ihren Sinter Claas mit, am 14.12.02 und 28.12.02 sind Samstagsparties und am 31.12.2002 muss natürlich Euer Weg ins KCM führen - es gibt eine Silvesterparty.

Euch Allen wünsche ich einen nicht so nassen Winter wie er anscheinend beginnt - zumindest zur Zeit in Emsdetten, während ich das hier schreibe. Lieber einen mit Winterwetter, der zu Glühwein, Punsch und warmen Gedanken einlädt. Eine schöne Vorweihnachtszeit und jetzt schon mal: Fröhliche Weihnachten.

Für den Vorstand
Euer Stephan Karrenbrock

 

 

Enjoy

Am 9. November 2002 war es soweit - die von vielen lang erwartete "Enjoy The Party" stand an. Schon die fünfte große Party im KCM. Musik auf zwei Ebenen - Happy Hour - Cocktailbar sollten Garant sein für Superpartystimmung. Neu diesmal der Auftritt einer Live Band und die Einrichtung einer Garderobe.

Es war ein prima Abend bzw. Morgen. Die letzten Leute vom Vorbereitungsteam und Thekenmannschaft haben das KCM so gegen 6.30 Uhr am Sonntagmorgen verlassen. Aber es hat gelohnt. Alle Gäste hatten einen tollen Abend. Die Stimmung war klasse - die Getränke kühl und KCM-günstig. Unsere drei DJ´s haben alles gegeben, so dass die beiden Tanzflächen fast durchgehend besetzt waren.

Eines steht heute schon fest. "Enjoy The Party" Nr. 6 kommt auf jeden Fall - bis zum Frühjahr ist es ja nicht mehr lang.

Ein Dank an dieser Stelle an alle, die im Vorfeld geplant und geholfen haben, an alle, die mit auf- und abgebaut haben, an die Leute an den Theken, der Kasse und der Garderobe.
Stephan Karrenbrock

 

 

Fernsehkult

Was bleibt von fünfzig Jahren Fernsehen (die ARD könnte in diesem Jahre ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern, tut es aber nicht) beim Zuschauer hängen? Neben der Sehnsucht nach den längst vergangenen TV-Höhepunkten, die einen in Kindheit & Jugend begeisterten, bleiben die sogenannten "Soundtracks" im Ohr.

Aber so wenig, wie die alten Schätzchen von einst im Quotenterror von heute untergehen und erst gar nicht mehr gezeigt werden (manchmal vielleicht auch besser so), so wenig lassen sich die Ohrwürmer von einst auf CDs oder Schallplatten wiederfinden. Und das Internet mit seinen Möglichkeiten bietet auch nur begrenzt Hilfe.

Ein Team junger Leute so um die 30 haben sich an die akustischen Perlen dieser Zeit erinnert, interessiertes Publikum gefragt, sich auf die Suche gemacht und manch Verschollenes zu Tage gefördert.

Oder anders: auf zwei CDs finden sich Musikstücke, die man noch im Ohr hat und nach denen man lange suchen musste. Nur hier gibt es die Musik zur "drehscheibe", nur hier staunte ich über den mir längst entfallenen Hit von der "schnellsten Maus von Mexico" Speedy Gonzales, und hier konnte ich hören und fragen: "Erkennen Sie die Melodie?" Ja verdammt, die meisten Stücke kannte ich noch und habe sie schon lange gesucht.

Noch einmal dröhnte die Weisheit aus Uhlenbusch in meinen Ohren: "Auaweia, auweia, der Hahn legt keine Eier", die Titelmusik einer sicherlich pädagogisch wertvollen Kinderserie, die an meiner Frühstücksrunde im Kreishaus zu Coesfeld alles gesehen hatten und alle gleich schrecklich fanden.

Was mich überrascht hat, war der bemerkenswerte Umstand, dass es diesem Team junger CD-Macher nicht gelungen ist, den Rechte-Inhaber von John Barrys Titelmelodie zur Serie "The Persuaders" zu finden, in Deutschland in den siebziger Jahren ein Renner als "Die 2". Ein Fehler ist den Machern auch beim Stück "Wer hat an der Uhr gedreht" unterlaufen, welches nicht die Titelmelodie, sondern die Abspannmusik zum "Rosaroten Panther" war; das aber ist noch nachzuvollziehen, denn heute wird so etwas wie ein Abspann dem Zuschauer nur noch bei 3SAT gegönnt, einen Sender, den eigentlich niemand sieht.

Fazit: Mir hat's Spaß gemacht, in die verklungenen Welten abzutauchen.
NK

Generation Fernseh-Kult 2
Konzept und Realisation: hihat Music Consulting, Hamburg,
Stefan Teubner & Thorsten Kunert, 2002

 

 

Clevere Vertragsgestaltung ohne Partnerschaft (III)

In jüngster Zeit wurde der Autor mehrfach um Rat bei der vorteilhaften Gestaltung von Versicherungsverträgen in normalen Lebensgemeinschaften gefragt. Für den Zauberhut Grund genug, künftig in lockerer Folge Tipps zur cleveren Vertragsgestaltung für Leute zu geben, die lieber ohne Partnerschaftsurkunde auskommen möchten.

In der letzten Ausgabe des Zauberhut wurde gezeigt, warum bei der Privaten Haftpflichtversicherung zwei Policen die bessere Lösung sind. Bei der Hausratversicherung verhält es sich entgegengesetzt. Hier genügt wirklich nur eine Police für den gesamten Hausrat. Wem was gehört, ist für den Versicherer uninteressant und bleibt unter beiden Partnern zu regeln (mit Blick auf eine ggf. Trennung ist sowieso zu einer Aufstellung der von Beiden eingebrachten Gegenstände zu raten). Versichert ist dann der Hausrat gegen Schäden infolge Brand, Blitzschlag, Einbruchsdiebstahl, Hagel, Leitungswasser, Sturm und Vandalismus. Weitere Schäden können gegen einen Aufpreis eingeschlossen werden wie zum Beispiel Aquarien oder Fahrräder. Viel gibt es bei der Hausratversicherung nicht zu beachten, doch gelten einige wichtige Regeln.

  • Erstens: Sehr hilfreich ist eine regelmäßige Erfassung der Haushaltsgegenstände zur Ermittlung der Versicherungssumme. Kleinvieh macht eben auch Mist!.
  • Zweitens: Um eine Unterversicherung zu vermeiden, sollten pro m² Wohnfläche mindestens 650 EURO versichert werden (sog. "Unterversicherungsverzichtsklausel")
  • Drittens: Der teure Einschluss einer "Elementarversicherung" gegen Hochwasser, Lawinen, Schneedruck etc. ist im Münsterland wohl überflüssig.
  • Viertens: Im Falle eines Auszuges benötigt der ausgezogene Ex-Lover sofort eine eigene Hausratpolice, da die üblichen Versicherungsbedingungen nur Übergangsfristen bei der Trennung von Eheleuten kennen.

Michael Heß

 

 

Kulturfrühstück

Manchmal kann Volker ganz schön grausam sein. Und mit ihm Eksa. Die beiden zeichnen verantwortlich für das letzte Kulturfrühstück. Dort präsentierten sie den Anwesenden, wie schön Familienleben sein kann mit Vater, Mutter & vier Kindern. "Ist das Leben nicht schön?" fragte James Stewart und alle Zuschauer des herrlichen Weihnachtsmärchens konnten dem nur zustimmen. Und sogar der Hund, den jemand mitbrachte, schaute zeitweise zu.

Im Dezember liest Gregor Blazewski eigene Texte.
NK

 

 

Menschenzoo

Mardi Grass pleite, die Gay Games finanziell angeschlagen, der 2002er Kölner CSD mit happigem Verlust, die QUEER dümpelt vor sich hin (so viele Relaunches in drei Jahren sind die blanke Verzweiflungsstrategie) - kaufmännischen Werte sind im warmen Veranstaltungszirkus öfters Mangelware. In NRW noch gewürzt durch die Pleite des steuerfinanzierten LSVD-Landesverbandes (was für eine bemerkenswerte unternehmerische Leistung im Übrigen).

So schlecht die Funktionäre wirtschaften - zum Verramschen reicht es immer noch. So geschehen dem Kölner CSD, der vom Kölner Lesben- und Schwulentag KLUST im Oktober an eine anonyme Investorengruppe verscherbelt wurde. Ohne öffentliche Ausschreibung und Kenntnis der künftigen CSD-Veranstalter. Jetzt darf gerätselt werden, wer zu diesen unbekannten Investoren gehört, die künftig das vollständige Sagen beim CSD haben werden. Aber Schelte ist fehl am Platz, bedenkt man das künftige Szenario. Denn bunte, gepiercte, kopulierende und tätowierte Lesben und Schwulen geben künftig die clowneske Staffage für die zahlenden Besucher, die sich nach dem Motto "Huch, alles so verderbt hier..." sommerlich-schön gruseln wollen. Das ist völlig in Ordnung und unser aller schwuler Stolz aka gay pride hält das der "guten Sache" wegen allemal aus. Ab sofort gilt: Auf zum Kölner Menschenzoo!

Doch halt! Ein ärgerlicher Unterschied fällt mir noch ein: Während Komparsen beim Film wenigstens noch ein Handgeld bekommen, bringen die künftigen CSD-Kleindarsteller die Kohle noch mit. Aber was sollen solche Kleingeistigkeiten? Wenn gay pride anderer Heteros Renditen befördert freut es unsere heißgeliebten anonymen Investoren und das wiederum wird uns künftig Lohn genug sein.
Michael Heß

 

 

Weihnachtsquiz im KCM

Am Montag, 16. Dezember findet um 19:30 Uhr in Zusammenarbeit mit LIVAS im Thekenraum des KCM der Weihnachts-Ouiz-Abend für Schwule, Lesben und Gäste statt. Teilnehmen kann man allein oder in einem Team von maximal 4 Leuten ohne vorherige Anmeldung. Je größer das Team, desto größer ist natürlich auch die Chance in möglichst vielen Wissensbereichen glänzen zu können. Alle teilnehmenden Teams, bzw. EinzelspielerInnen müssen insgesamt 70 Fragen aus 14 verschiedenen, nützlichen und nutzlosen Wissensgebieten beantworten. Der Quizabend wird 2003 regelmäßig an jedem 3. Montag im Monat stattfinden. Die Startgebühr beträgt pro Teilnehmer 2 Euro, belohnt werden die ersten drei Plätze, der vierte Platz erhält einen wertvollen Buchpreis. 30% der Startgebühr wandern in einen Jackpot den im nächsten Jahr das Team erhält, das als erstes 90% aller Fragen (also mindestens 63) richtig beantwortet. Viel Spaß beim quizzen und erscheint zahlreich!
Marin Enders

 

Abgayfahren

Thorsten Hensel & Rolf Schulze aus Essen bieten eine neue Attraktion. Die beiden veranstalten monatlich schwul-lesbische Wochenendbahnfahrten.

Dieses Mal gehts am 22.12. los mit der Bahn: "Abgayfahren", Treffpunkt 11:55 Uhr am Service Point Münster Hbf die Fahrt geht nach Enschede (Stadtbummel mit Besuch der Szene-Lokale)

Infos unter Tel. 0174/7817311 (Rolf) oder 0201/705302 (Thorsten) oder: abgayfahren@web.de

 

Das unbekannte Land

Das unbekannte Land im Herzen Europas - für Belarus alias Weißrussland ist das eine passende Umschreibung. Aber nach Belarus führen viele Wege, auf denen der Referent Michael Heß in den letzten Jahren mehrfach unterwegs war. Seine Eindrücke über Land und Leute hielt er auch mit der Kamera fest. Die Ergebnisse können nun besichtigt werden. Der Dia-Vortrag beginnt am Mittwoch, dem 4. Dezember um 20 Uhr im KCM. Landestypische Snacks und Getränke runden das Ambiente ab. Der Eintritt ist frei, doch wird um eine Spende zu Gunsten eines sozialen Projektes gebeten.
Peter Kramer

 

 

Ausgrenzung macht krank

Deutsche AIDS-Hilfe und Joy Denalane zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember 2002

"Denk würdig - Ausgrenzung macht krank": Mit diesem Slogan macht die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember gemeinsam mit der Berliner Soul-Sängerin Joy Denalane (Top-10-Album "Mamani") auf die Zusammenhänge zwischen Diskriminierung und gesundheitlicher Benachteiligung und auf die Situation von Menschen mit HIV und AIDS aufmerksam. Die DAH beteiligt sich damit an der weltweiten Kampagne der AIDS-Organisation der Vereinten Nationen, UNAIDS, die in diesem Jahr unter dem Motto "Live and let live" zum Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV aufruft.

"Als Künstlerin habe ich eine Verantwortung", erklärt Joy Denalane, "denn durch Öffentlichkeit kann man viel bewirken." Anlässlich des Welt-AIDS-Tags berichtet die 29-jährige Tochter eines Südafrikaners und einer Heidelbergerin daher von ihren persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung und ihrem Engagement gegen HIV in Südafrika, wo sie das Hilfsprojekt "Wola Nani" unterstützt (Interview mit Joy Denalane unter www.aidshilfe.de). Gemeinsam mit Joy Denalane ruft die DAH in diesem Jahr zu Spenden für dieses Projekt auf (Konto 220 220 220 bei der Berliner Sparkasse, BLZ 100 500 00, Stichwort: denk würdig).

Einen weiteren Schwerpunkt legt die DAH in diesem Jahr auf die Situation von Migrantinnen und Migranten in Deutschland, deren optimale gesundheitliche Versorgung durch juristische, sprachliche, kulturelle und soziale Barrieren häufig erschwert oder gar verhindert wird. So dürfen Asylbewerber/innen mit HIV beispielsweise erst dann behandelt werden, wenn sie schon krank sind. Eine Anti-HIV-Therapie, die das Krankwerden gerade verhindern soll, lässt sich dann natürlich nicht mehr optimal einsetzen. Ein immer größerer Teil der konstant etwa 2.000 neu festgestellten HIV-Infektionen pro Jahr betrifft Menschen, die aus besonders stark von HIV betroffenen Weltregionen (z.B. aus den Ländern südlich der Sahara) nach Deutschland gekommen sind - im letzten Jahr lag ihr Anteil bei 21 Prozent.
Holger Wicht

 

 

KCM liefert historischen Beitrag

Geschichtskenner wissen es: Der 9. November ist für die deutsche Geschichte ein ganz besonderer Tag. Immer wieder wurde an diesem Datum das Bild von Deutschland geprägt - positiv oder negativ. Jüngst hat nun das KCM einen weitere, sehr positive Marke gesetzt, denn so liest sich seit der jüngsten Enjoy-Party die Geschichte des 9. November in Deutschland:

  • 1918 - Novemberrevolution - Ende des Kaiserreiches.
  • 1923 - Gescheiterter Hitlerputsch in München.
  • 1938 - "Reichskristallnacht" - Faschistische Pogrome gegen Juden.
  • 1989 - Öffnung der innerdeutschen Grenze - Anfang vom Ende der BRD.
  • 2002 - Im Münsteraner KCM tritt mit "Soilent Green" erstmals eine Liveband auf.

Michael Heß

 

 

Umsonst: Zweijähriges DIN-A-QUEER-Jubiläum in Münster

Zweijähriges DIN-A-QUEER-Jubiläum in Münster

Entnervt durch den Musik-Einheitsbrei auf den Münsteraner Szenepartys fanden wir uns vor zwei Jahren als kleine, autonome Gruppe aus Lesben und Schwulen zusammen. In einer musikalisch besonders tragischen Stunde in einer Szenelokalität reifte der Entschluss, eine Alternative zu den üblichen Szenepartys ins Leben zu rufen, auf der Independent, Rock, Dark & Wave, Elektro und vieles mehr gespielt werden sollte.

Im Vordergrund sollte dabei der Spaßfaktor stehen, ein rein unkommerzielles Vergnügen, um auch den Lesben und Schwulen, die sich sonst von den Szenepartys fernhalten, eine Party mit deren Musik zu bieten. So sieht man bei unseren Events viele Gesichter, die sonst nur selten oder gar nicht zu sehen sind. Mit 2,5 EURO Eintritt werden nur Miete und Werbung bezahlt, falls es doch zu Überschüssen kommt wird der Rest gespendet oder wie zum Jubiläum kein Eintritt genommen.

Bis jetzt haben bereits 8 reguläre Partys und 2 Specials (80er- und 60/70er-Party) stattgefunden, wobei die Gruppe im wesentlichen unverändert blieb. Dennoch sind neue Leute, die mitmachen wollen, gerne gesehen. Ermutigt durch den dauerhaften Erfolg haben wir uns nun entschlossen, nun im 2-Monats-Rythmus zu feiern. Für 2003 stehen folgende Termine fest: 10. Januar, 21. März, 23. Mai, 25. Juli, 26. September, 21. November

Zur Jubiläumsparty am 29.11.2002 im Triptychon in Münster wird der Eintritt frei sein. Hierfür konnten auf der letzten DIN-A-QUEER Musikwünsche in ausliegende Listen eingetragen werden, weitere Wünsche können natürlich gerne per Mail an info@din-a-queer.de geschickt oder ins Forum der Webseite www.din-a-queer.de gestellt werden.
Dirk Hornung

 

 

Ich bin ein Junge....

Zu den Perlen der homoerotischen Literatur gehört der Bildband "Ich bin ein Junge, du bist ein Junge" des allzu früh dahingegangenen Fotografen Gerd Berger. Dieses Opus, welches sich in KCM-Kreisen aller größter Beliebtheit erfreut, ist heute auch in einem gut sortierten Buchgeschäft nicht mehr zu erwerben, vielmehr ist das 1978 erschienene Werk schon von antiquarischem Wert.

Dieses Opus entführt uns nach Arcadien, in die verzauberte Welt der siebziger Jahre, als Schlaghosen getragen wurden (wie heute auch), als ABBA gehört wurde (wie heute auch) und wo Terroristen den Weltfrieden störten (wie heute auch). In einer sonnigen italienischen Landschaft stößt ein blonder Knabe auf einen schwarzgelockten Jüngling, beide finden und vereinen sich in zarter Liebe. Die unverdorbenen Knabenkörper werden von Berger dezent ins Bild gesetzt, dazu kommt die wunderbare italienische Landschaft, in die diese unschuldige Liebe gebettet wird. Ach ja... Und selbst die Mutti des blonden Jünglings stört diese Idylle so gar nicht.

Ja, der Leser schwelgt in den Bildern. Mit welcher vornehmen Zurückhaltung zeichnet Berger da den ersten keuschen Blick der Jungs an einem See. Die köstliche Unschuld der beiden wird durch ihre weiße Kleidung noch unterstrichen. Nichts befleckt dieses Weiß! Welch Wonne, ja welch emotionaler Höhepunkt, als Blondie zaghaft seine Hand auf die Schulter des angelnden Lockenköpfchens legt.

Und dann die Bilder im Klatschmohn! Der bildungsbeflissene Leser ist geneigt, mit Bendix Grünlich jubilierend auszurufen: "Der Klatschmohn putzt ganz ungemein!" So bleibt es nicht aus, dass die beiden Jungs auch ihrerseits zur Natur zurückkehren, die erotischen weißen Kniestrümpfe ablegen und sich und den ihnen geneigten Lesern so präsentieren, wie Gott sie erschaffen hat.

Dazu kommen die hochpoetischen Texte von Michael Lehmann, Poesie, die nicht nur manch verstocktes Herz altgedienter KCM-Kämpen rühren konnte.

Aus einem inneren Drang heraus, so verrät Gerd Berger, habe er dieses wahrhaft schöne Buch machen müssen: "Selbst, wenn es sich nicht verkaufen sollte, ich würde es machen." Nun, wie schon erwähnt, ist dieser Kunstgenuss heute längst vergriffen, und nur im KCM finden sich noch Exemplare, die immer wieder an verdiente Mitarbeiter vergeben werden. Nun hat der Vorstand in seiner unendlichen Weisheit beschlossen, diesen kostbaren Schatz allen Mitgliedern und Interessierten zu öffnen. Wessen Interesse an dieser Rarität geweckt ist, kann sich gerne an Achim oder Martin wenden, die sich (wenn auch schweren Herzens) davon trennen mögen.
NK

 

Ein Foto aus dem Buch

 

Das sagen Kenner zum Buch

Ich hätte nie gedacht, dass weiße Kniestrümpfe derart erotisch sein können.
(Martin Enders, Ästhet)

Also schön: Das Buch ist wirklich sehr hübsch - besonders die Jungs.
(Peter Kramer, Alt-Vorstandsmitglied)

Die traumhaften Bilder von Gerd Berger und die hochromantischen Texte von Michael Lehmann ergänzen sich wie warmer Apfelkuchen und Schlagsahne.
(Martin Enders, Gourmet)

......überzeugt durch seine Leichtigkeit.......
(Achim Wahle, Geschäftsführer)

In den letzten Jahren sah man schwulen Stolz selten besser dargestellt.
(Michael Heß, Edel-Holländer)

Wie die knisternde Erotik durch die eingefügten Bilder einer Schafherde oder einiger Hühner noch gesteigert wird, ist einfach wunderbar.
(Martin Enders, Tierfreund)

...setzt zweifellos den Standard für homoerotische Bildbände.
(Michael Heß, Kulturkritiker)

Igitt, was machen denn die Hühner da?
(Jörg Fischer, November-Modell des Huts)

 

 

Termine für Regenbogen-TV

Regenbogen-TV, das schwule Magazin im Stadtfernsehen tv münster, (Kabelkanal 3);

  • Mittwoch, 18.12. 18.30 Uhr und 19.30 Uhr Regenbogen-TV, im Stadtfernsehen tv münster, Kabelkanal 3
  • Mittwoch, 18.12. 22.00 Uhr Regenbogen-TV Videovorführung im KCM, Am Hawerkamp 31
  • Freitag, 20.12. 18:30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Samstag, 21.12. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Sonntag, 22.12. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)

 

 

Queer-Gemeinde

  • Sonntag, 08.12. 19.00 Uhr, Queer-Gottesdienst; Lesben, Schwule und andere Queers feiern Gottesdienst (Info unter 0251/57468), St. Sebastian-Kirche, Hammer straße 135
  • Mittwoch, 13.-15.12.02, "Queer in den Advent" - Begegnungstage in der alten Villa in Rheine-Mesum. Weitere Infos unter: www.queergemeinde-muenster.de oder unter 0251/57468.
  • Freitag, 22.12. 19:30 Uhr, Wortgottesdienst der Queer-Gemeinde (Info unter 0251/7625697), Ort: Trinitatis-Kirche, Straßburger Weg 11

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

„Makellos”

Am Freitag, 06.12.2002 ab 14:00 im KCM

 

 

 

Kleinanzeigen

 

Meine Mängel gehören mir. Das macht mir Mut, auch meine Vorzüge auszusprechen. (Karl Kraus)

 

The empty bodies stand at rest / casualties of their own flesh / love is suicide. (Billy Corgan)

 

Das Wunder geschah am 9. November: Handgemachter Crossover im KCM. Das ich das noch erleben durfte!

 

Ich grüße
...die zornigen schwulen Männer, die Leibach kennen und der erkenntnis der Welt teilhaftig wurden. Volker

 

In eigener Sache
Damit der Zauberhut wegen der Weihnachtsfeiertage rechtzeitig ausgeliefert werden kann, ist der Redaktionsschluss für die Januar-Ausgabe auf den 5. Dezember vorverlegt worden.

 

Mittwochs im KCM,
Klönen, günstig trinken, Spaß, schwule Bibliothek und vieles mehr...

 
Kleinanzeigen können im
Zauberhut und bei muenster.gay-web.de
aufgegeben werden.

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Michael Heß, Stephan Karrenbrock, Wolfgang Knebel, Norbert Korfmacher (ViSdP), Peter Kramer (Satz), Achim Wahle, Volker Wittig
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 900
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats

Texte, die veröffentlicht werden sollen, gebt bitte in lesbarer Form als
Dateianhang im txt- oder rtf-Format an den zauberhut@muenster.gay-web.de