Schwules in Münster - Oktober 2002

 

Salve,

wenn Ihr, geliebte & geschätzte Leser, Münsters großes, buntes Schwulenmagazin für den Oktober in Euren Händchen haltet, wisst Ihr, wer die Wahlen gewonnen hat. Und wer sie verloren hat dann eben auch. Da habt Ihr mir also direkt mal was voraus...

Der „Zauberhut" hat sich natürlich mit Wahlempfehlungen aller Art zurückgehalten und hat sich damit etwa von der „Queer" abgehoben: ob positiv oder negativ, das sei in diesem Falle dahingestellt.

Indes gilt: das KCM ist eine bunte Truppe, und hier tummeln sich Linke wie Rechte. Dabei dürfte die „Schwulenpolitk" der Parteien nicht unbedingt die ausschlaggebende Rolle spielen. Seien wir mal ehrlich: was die Parteien da bieten ist eher dürftig. Sogar die Grünen biedern sich mit ihrer Gesellschaftspolitik a la eingetragene Lebenspartnerschaften den Konservativen mit ihren Ehe-Idealen an, auch wenn die Christen-Union das noch nicht begreift. Wer streitet denn dafür, dass wir so leben können, wie wir wollen? Und das heißt für über 95 Prozent der Schwulen eben nicht Ehe oder dergleichen.

Also entscheiden andere Faktoren die Stimmabgabe. Bei mir ist es ganz klar die Wirtschaftspolitik, denn drei Tage nach der Wahl hat das Arbeitsamt ein neuen Kunden - nämlich mich. Und da schreckt mich die Vorstellung, ein Kanzler Stoiber könne einen Freidemokraten erneut zum Wirtschaftsminister berufen. Alter Wein in neuen Schläuchen: so hat es die FDP in Sachsen-Anhalt vorexerziert, wo die Herren Rauls & Rehberger in den Landtag einzogen und Rehberger wieder das Amt übernahm, indem er schon zweimal zuvor brillierte, also scheiterte.

Aber was soll's. Da müssen wir jetzt durch. Das Volk hat es so gewollt!

Warme Grüße
Norbert

 

 

Neu im KCM Vorstand

Ein neues Mitglied komplettiert den KCM Vorstand: Thomas St. wurde berufen, den vakant gewordenen Platz wieder zu aufzufüllen. Welche genaue Aufgabe Thomas im Vorstand übernehmen wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Der Zauberhut gratuliert und wünscht dem ´Neuen´ viel Erfolg bei seiner Arbeit!

 

 

Ist das Kulturfrühstück im November nicht schön?

Das Kulturfrühstück geht in die zweite Runde am Sonntag, dem 3. November:

Ab 10:30 gibt´s das reichhaltige Frühstück vom Büffet. Im kulturellen Teil ist dann der amerikanische Weihnachtsklassiker „Ist das Leben nicht schön?” , u.a. mit James Steward , zu sehen.....die zeitige Einstimmung zum Fest: Deswegen sind im Eintrittspreis von 6 Euro einschließlich Buffet diesmal auch die Taschentücher mit drin.

Wer dann noch Zeit hat, bleibt am besten gleich zum Sonntagscafé: Beim beliebten Bingo gibt´s diesmal eine Überraschungstorte gebacken von Meister Roland himself.

 

 

Enjoy the party zum fünften!!!

Schon fast traditionell steigt im Herbst wieder eine große Hausparty im KCM: Am Samstag, dem 09.11. geht's ab 22:00 ab! Auf drei Etagen, zwei Dancefloors , einer Cocktailbar wird gefeiert, was das Zeug hält. Als besonderes Bonbon wieder die beliebte Happy Hour, in der alle Getränke außer die Cocktails wieder für spottige 50 Cent zu haben sein werden. Also: nix wie hin und enjoy it, the party...

Am Samstag, 09.11.2002 ab 22:00 im KCM

(Der ursprünglich gemeldete Termin am 26.10. war leider nicht frei.)

 

 

Wenn es die HuK in zwanzig Jahren noch gibt,...

möchte ich gerne auf eine Tasse Kaffee eingeladen werden!

Mit diesen Worten brachte Hiltrud, seit 1986 in der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. aktiv, auf den Punkt, was viele Mitglieder und Gäste bei der Feier zum zwanzigjährigen Bestehen der Münsteraner Gruppe dachten. Zuvor hatte Arnulf als einer der Gruppengründer über die Anfänge der HuK erzählt.

Bereits vor 25 Jahren wurde beim Evangelischen Kirchentag in Berlin die bundesweite Arbeitsgruppe gegründet. Schwul sein und in der Kirche sein - das galt damals als krasser Gegensatz. In den Folgejahren stießen einige Lesben zur HuK; bis heute ist ihr Anteil in der Gruppe gering geblieben. Die Gruppe wurde größer, und Anfang 1982 wurde die Regionalgruppe Münster als „Ableger" der Bochumer Gruppe gegründet.

Weit über 100 Frauen und Männer haben sich seitdem in der Münsteraner HuK engagiert. Rund 50 von ihnen kamen zum zwanzigjährigen Jubiläum am 01.09., das in der Evangelischen Trinitatis Gemeinde gefeiert wurde. Für viele war die Gruppe ein erster Anlaufpunkt während des Coming-Out, eine solidarische Gemeinschaft bei Auseinandersetzungen in Familie, Kirche oder in anderen Lebensbereichen. Für andere war die warme Atmosphäre bei Kirchen- und Katholikentagen sowie den zweimal jährlich stattfindenden Mitgliedertagungen wichtig. Ökumenische Gottesdienste sind in der HuK seit langem selbstverständlich.

Dass der Dialog mit den offiziellen Kirchen mühselig ist und nur im Schneckentempo voran kommt, war allen Gästen bewusst. Aktuelle Ereignisse im Bistum Münster machen deutlich, wie wichtig die Arbeit der HuK auch im Jahr 2002 ist. Um so mehr bleibt für die Regionalgruppe Münster ein Projekt aktuell, an dem sie seit zehn Jahren kontinuierlich arbeitet: „Farbe bekennen”. Dieses Projekt ist ein Angebot an Kirchengemeinden, Gruppen und Schulen, sich über das Thema Homosexuelle und Kirche zu informieren, wahrzunehmen, dass Lesben und Schwule überall anwesend sind und dass sie zu Recht Anerkennung fordern.

Die Feier zum zwanzigjährigen Bestehen übertraf letztlich alle Erwartungen der Vorbereitungsgruppe. Sie begann mit einer Führung im Graphikmuseum Pablo Picasso; anschließend konnten die Gäste an der liebevoll vorbereiteten Kaffeetafel zugreifen. Zwischendurch reizte ein Blick auf die aus Berlin ausgeliehene Ausstellung „Die HuK im Bild”, die die Entwicklung des Vereins über 25 Jahre dokumentiert.

Oliver, Sprecher der Regionalgruppe, begrüßte die Gäste und bat um Erzählbeiträge aus den ersten Jahren der Gruppe. Als Zeichen des Dankes für die viele geleistete ehrenamtliche Arbeit überreichte Markus, ein ehemaliger Gruppensprecher, allen, die über lange Jahre Aufgaben übernommen hatten, jeweils eine Rose. Durch sehr nachdenkliche und engagierte Worte der beiden Pfarrer Heinz-Georg Surmund und Thomas Groll wurde der ökumenische Gottesdienst ein echter Höhepunkt des Festes, das mit einem Stehimbiss ausklang. Das Fazit: wenn es die HuK in 20 Jahren noch gibt, sind wir wieder dabei!
Markus Gutfleisch

 

Unglaublich: Regenbogen TV sendet schon 5 Jahre

„Bitte”. Hinter der Studiokamera gibt Norbert ein Zeichen. Das Band im Rekorder läuft. Ein letztes Konzentrieren auf den Text. Dann blicken Daniel und Gregor in die Kameralinse. „Hallo und willkommenen bei Regenbogen-TV”. Sie moderieren heute die aktuelle Ausgabe an. Was die Moderatoren antexten, ist kunterbunt: diesmal Bilder aus einem neuen Club, ein Bericht über das Jubiläum der HuK, Gay & Grey Aktivitäten und ein Gespräch mit Sportlern von androGym.

Später müssen noch die Kurzmeldungen ohne Haspler aufgenommen werden. Die Scheinwerfer haben das kleine Studio aufgeheizt. „Sorry, das Ganze noch mal”, meldet sich Steffen aus der Regie. Doch um zehn muss die Moderation im Kasten sein. Aber Hektik bringt nichts. Gregor überfliegt nochmals den Nachrichtentext. Dann hat es geklappt. Das verbindende Element des Magazins, die Präsentation und Verpackung der Beiträge ist aufgenommen.

Einige Tage später nimmt die Sendung Stück für Stück Gestalt an. Vor- und Abspann, Moderationen, Beiträge, Veranstaltungshinweise und Kurzmeldungen werden nach einem vorher festgelegten Ablauf auf das Sendeband überspielt. Der zeitlich aufwendigste Produktionsschritt liegt dann schon hinter Norbert, Steffen und Gregor: diese drei gestalten aus dem Material eines Drehs Berichte unterschiedlichster Länge. Bis aus vier Stunden Bild- und Tonmaterial von drei Kameraperspektiven ein fertiger 13-minütiger CSD-Bericht wird, nimmt viel Zeit in Anspruch. „Damit es abwechslungsreich wird, kommt da fast alle drei Sekunden ein Schnitt”, versucht Gregor einen Eindruck davon zu geben. Und zuletzt musste dann noch ein die Bilder ergänzender Off-Text geschrieben und gesprochen werden. Das braucht eben seine Zeit. Die 25-minütige Ausgabe ist jetzt zusammengefahren.

„Dann geben wir das Band bei tv münster ab und schicken noch eine Ankündigung an die Regenbogenliste und das gay-web-Team und die Sendung kann über den Bildschirm flimmern”.

Wenn im Oktober die 62. Ausgabe ausgestrahlt wurde, kann das Team auf fünf Jahre Fernsehmachen zurückblicken. Denn mit Gründung des Offenen Kanals ging auch Regenbogen-TV im Oktober 97 auf Sendung.

Einige, wie Hilmar oder Marco, die vor der Kamera agierten, sind nicht mehr dabei. Auch Rainer, der an der Kamera und am Schnitt-PC so manche Stunde ehrenamtlich aktiv war. Stellt sich die Frage, was denn die Motivation ausmacht, sich im recht komplexen Medium „Bürgerfernsehen” einzubringen, das nur über Kabel zu empfangen ist und dem man trotz allen Engagements auch meist Ansicht, dass es nur der kleine Bruder der großen professionellen TV-Sender ist.

Die Themen sind sehr vielfältig und man trifft ganz unterschiedliche Menschen. „Fernsehmachen ist spannend”, meinen Gregor und Steffen: „Seit 5 Jahren treffen wir bei Schwulenmagazin Regenbogen-TV auf die unterschiedlichsten Menschen, deren Anliegen, Ansichten oder Darbietungen wir in Wort und Bild Zuschauern näher bringen möchten. Da ist der Vorsitzende des 'Bärenclubs', der seinen Treff vorstellt ebenso vertreten, wie Georgette Dee, die mit ihrem neuen Programm nach Münster kommt, der Geschäftsführer des Hospizes, der Spendengelder einsammelt ebenso, wie der Junge von der Party, der was zu seinem Umgang mit dem Thema Aids zu erzählen hat”. Kaum zu glauben, wie viele Themen auch bei einem lokalen Schwerpunkt auf der Straße liegen. Highlights wie der CSD kommen dazu. Die Sendung zu füllen, ist fast nie ein Problem.

Damit auch weiterhin monatlich Neues aus dem schwulen Leben Münsters präsentiert werden kann, sucht der kleine Stamm aus drei vier Leuten dringend Verstärkung. „Fernsehmachen ist übrigens in den meisten Bereichen Teamarbeit”, meint Norbert. „Und der Umgang mit Technik und journalistischen Mitteln ist erlernbar, schließlich hatten wir auch keine Ahnung vom Produzieren als wir 97 zum ersten Gruppentreffen eingeladen haben”, fügen Gregor und Steffen hinzu. Dienstags besprechen die Teammitglieder in der Aids-Hilfe beim Redaktionstreffen was in die Oktober Ausgabe kommt. Vielleicht schauen wir uns um, welche Gruppen dieses Jahr auch noch ein Jubiläum feiern können, hört man aus der Runde.

Mal sehen, was sich bis 16. Oktober umsetzten lässt. Um 18:30 Uhr strahlt tv münster dann die aktuelle Ausgabe aus. Am gleichen Abend könnt Ihr das Magazin gegen 22 Uhr auch im KCM sehen.

Weitere Infos unter: muenster.gay-web.de/regenbogen-tv.
Gregor Wind

Interview mit Georgette Dee und Terry Truck
Interview mit Georgette Dee und Terry Truck
Eines der Highlights auch für den Reporter.

Der Zauberhut gratuliert und wünscht uns allen noch viele weitere Jahre mit Regenbogen TV.
Norbert Korfmacher

 

Homophon wird 15!

Es ist soweit: Homophon, der erste schwule Männerchor Münster, wird 15. Das wollen wir selbstverständlich angemessen feiern.

Am 26. Oktober 2002 werden wir deshalb in der Waldorfschule in Münster-Gievenbeck ein Geburtstagskonzert geben.

Wir möchten mit euch gemeinsam auf Homophons Geschichte blicken: Wer kennt noch das erste Programm, die „Hügelrevue”, in der die zauberhafte Annette von Droste-Hülshoff über die Liebenden wachte. Es wird auch ein Wiedersehen mit „Schneewittchen" geben, eigentlich Schneemanuel, der vom Vater in einen Fummel gesteckt wurde, von 6 Zwergen behütet wurde bis der Prinz kam. Natürlich gewähren wir auch wieder den Blick hinter die Kulissen wie damals in „Herrenchor mit Damen" - die sehr knappen, grünen Kleidchen sind wohl nicht nur dem Chor in bleibender Erinnerung geblieben. Miss Marple (aus „Tod auf dem Nils”) wird ebenso zu Gast sein wie einige „Geliebte Schwestern" und Trullerberaterinnen, die zeigen, dass nicht nur ihre Schüsseln „Praktisch, blond & formstabil” sind.

Wie es sich für eine richtige Geburtstagsfeier gehört, sind auch Gäste eingeladen. Es wird der schwule Männerchor aus Hamburg, die Schola Cantorosa auftreten und die zweite Hälfte des Abends bestreiten. Diese ca. 30 Mann (!) starke Formation gibt ihr aktuelles Programm - hanseatisch - seemännisch - angemessen - „Piraten" zum Besten. Das Publikum soll sich mitnehmen lassen auf Hohe See und die Räubereien, Liebeleien und Eifersüchteleien wirklicher Kerle, echter Seebären hautnah erleben.

Karten können zum Preis von 10,- EUR (erm. 8,- EUR) bei uns (Email an info@homophon.de) vorbestellt oder direkt beim MZ-Ticket-Corner, dem WN-Ticket-Shop oder bei Papier Naber erstanden werden.

Nach dem Konzert sollen das Geburtstagskind, die Gäste und selbstverständlich das Publikum noch richtig gefeiert werden. Die Party steigt im Ballhaus (ehemals Cascade) am Hauptbahnhof steigen, zu der selbstverständlich nicht nur Zuschauer kommen dürfen.

Bis dahin
Benno von Homophon

P.S. Nicht nur wegen unseres nun doch fortgeschrittenen Alters möchten wir uns verjüngen: Wir suchen noch einen oder zwei Bässe, Gesangsdiplome sind nicht erforderlich, Spaß am Singen wäre schon ein prima Anfang, den Rest sehen wir dann. Wer Lust hat, melde sich bitte bei benno@homophon.de...

 

 

Ausstellung

Der Arbeitskreis „Rosa Geschichten - Schwul-lesbisches Archiv Münster” veranstaltet, unterstützt von der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Münster, vom 22.11. bis zum 9.12 eine kleine Fotoausstellung mit dem Titel „30 Jahre schwul-lesbische Öffentlichkeit in Münster” anlässlich des 30. Jahrestags ersten deutschen Homosexuellen-Demonstration, die 1972 in Münster stattgefunden hat und ihren Ausgang bei der „Homophilen Studentengruppe" der Westfälischen Wilhelms-Universität genommen hat. Wir stellen hier einige Bilder aus dem Fotobestand unseres Archivs aus, die schwule und/oder lesbische Aktionen in Münster aus den letzten 30 Jahre dokumentieren, angefangen bei der genannten Demonstration bis hin zum Standfest 2002.

Zur Eröffnung findet am Freitag, den 22. November 2002 um 17 Uhr ein kleiner Sektempfang im Foyer der Stadtbücherei mit Vertretern der Stadt statt, bei dem der Chor ,Homophon' für den kulturellen Teil sorgen wird. Bürgermeister Krüger wird ein Grußwort sprechen.
Stefan Sudmann

 

 

Clevere Vertragsgestaltung ohne Partnerschaft (I)

In jüngster Zeit wurde der Autor mehrfach um Rat bei der vorteilhaften Gestaltung von Versicherungsverträgen in normalen Lebensgemeinschaften gefragt. Für den Zauberhut Grund genug, künftig in lockerer Folge Tipps zur cleveren Vertragsgestaltung für Leute zu geben, die lieber ohne Partnerschaftsurkunde auskommen möchten.

Die Verwendung der Erbmasse ist regelmäßig dann ein Ärgernis für den überlebenden Lebensgefährten, wenn es um viel Geld geht. Bei Kapitallebensversicherungen ist das oftmals der Fall, da diese Versicherung jahrzehntelang einen Klassiker der Altersvorsorge mit entsprechend hohen Leistungen darstellte. Wichtig zu wissen ist, dass Lebensversicherungen immer dann nicht zur Erbmasse zählen, wenn im Vertrag ein Bezugsberechtigter angegeben wurde. Andernfalls fällt der Vertrag in die Erbmasse des Verstorbenen, was übrigens für jeden Bauspar- und Versicherungsvertrag gilt. Der Bezugsberechtigte muss kein Verwandter oder Partner sein; jede Person kann nämlich in den Genuss der Leistungen aus dem Vertrag kommen. Im Todesfall des Versicherten bekommt dann der im Vertrag benannte bezugsberechtigte Gefährte die Todesfallleistung unversteuert ausgezahlt. Das bedeutet erstens brutto für netto und zweitens keinen Ärger mit erbsüchtigen Verwandten des Verstorbenen. Sind die sonstigen Voraussetzungen für einen steuerbegünstigten Vertrag gegeben (u. a. eine zwölfjährige Laufzeit), kassiert der Versicherte die Ablaufleistung ohnehin. Die Änderung der bezugsberechtigten Person ist mit eingeschriebenem Brief an die Versicherungsgesellschaft bzw. einer Erklärung ggü. dem zuständigen Vertreter jederzeit und problemlos möglich.
Michael Heß

 

 

FDP: Kritische Fragen

Sein Bedauern über die abwartende Haltung der Landesregierung zu den Vorgängen um die Pleite des NRW-LSVD äußerte der jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner (siehe auch Zauberhut 8/2002). Wie die rik in ihrer letzten Ausgabe mitteilte, monierte der Abgeordnete, dass das zuständige Ministerium in Düsseldorf auf eine Kleine Anfrage im Landtag eine eindeutige Stellungnahme vermieden habe. Lindner stellte auch die Frage, ob die Insolvenz des Vereins sinnvoll gewesen sei, da nun einige nützliche Projekte nicht von anderen Trägern fortgeführt werden könnten. Erneut forderte der fesche Jungpolitiker eine Stärkung ehrenamtlicher Vereine und bedauerte, dass die Regierung Clement in den letzten Jahren Fördergelder zunehmend landesweit agierenden Vereinen habe zukommen lassen.
Norbert Korfmacher

 

 

Rezension des Films „Fickende Fische”

Das Paradies ist voller Fische

So platt der alliterierende Filmtitel auch klingen mag: die Liebesgeschichte zwischen dem 16-jährigen HIV-infizierten Jan und der lebenshungrigen Nina ist alles andere als platt.

Sie beginnt, als die skatende Nina in ihrer Ungestümtheit den schüchternen Jungen über den Haufen fährt. Kurze Zeit später freunden sie sich an, finden Vertrauen zueinander und verbringen ihre Freizeit zusammen. Über seine tödliche Krankheit, die er sich als kleiner Junge durch eine verseuchte Blutkonserve zuzog, aber schweigt er. Die überfürsorgliche Mutter und der hilflose Vater genügen ihm als Kontrollinstanz. Nur bei seinem humorvollen Opa fühlt Jan sich wohl.

Jan entführt Nina in die Welten des Wassers und der Fische, die seine große Leidenschaft sind.

Die erste körperliche Annäherung zwischen den beiden Teenagern endet abrupt und dramatisch: als es zu ersten sexuellen Handlungen kommt, gerät Jan in Panik und verstößt die unwissende und verstörte Nina. Diese kann nicht fassen, dass sie nicht zueinander passen sollen. Beide versuchen sich anderweitig zu trösten, was in einer Keilerei endet, in deren Folge Nina endlich von Jans Krankheit erfährt.

Aber ihre Liebe zu Jan ist stark. Noch einmal sucht sie Kontakt zu ihm, findet ihn aber nicht zu Hause, sondern im Krematorium bei der Beisetzung seines Opas. Sofort ist die alte Verbundenheit der beiden wieder da und sie schmieden einen Plan, der Nina, Jan und seinen Opa vereint.

Ein großartiger Film über die Liebe zweier Teenager, die wegen der HIV-Infektion des Jungen unter extrem schwierigen Vorzeichen steht. Das lebenslustige Mädchen aus ungeordneten familiären Verhältnissen trifft auf den kranken Jungen aus dem bürgerlichen Milieu einer Kleinfamilie. In diesem ganz und gar nicht kitschigen Film gibt es sie, die wahre Liebe, die sogar einer tödlichen Krankheit trotzt, die gerne klischeemäßig als „Schwulenkrankheit" abgetan wird. Auch mit diesem Vorurteil räumt der Film auf. Ein Film, aus dem man betroffen, aber keineswegs ohne Hoffnung herausgeht.
Ursula König-Heuer

 

 

Allein die Welt dazwischen

Zwei Lebensgefährten fahren von Berlin in das grüne Herz Deutschlands, in die thüringische Provinz. Der Eine, Klaus, stammt von dort und fährt zum Pflichtbesuch zu seinen Eltern. Den Anderen, Henry, nimmt er auf dessen Drängen und widerstrebend mit. Klaus kommt aus dem Osten, Henry aus dem Westen. Stoff genug für eine zeitgeistige Story, aber so billig macht es der Autor nicht. Peter Hofmann konzipiert in seinem Zweitling „Allein die Welt dazwischen" ein literarisches Kammerspiel. Die Anzahl der wesentlichen Akteure beschränkt sich auf sechs, der Handlungszeitraum umfasst gerade einmal drei Tage. Die Arena ist gezimmert, in der sich die Charaktere der Akteure genau zeichnen lassen.

Auffällig ist die Konfliktlinie des Romans. Diese verläuft primär nicht zwischen Henry und Klaus, zwischen West und Ost also, sondern zwischen der falschen Nestwärme der kleinstädtisch und heterosexuellen geprägten Gefühlswelt der Eltern sowie Geschwister und dem großstädtisch-schwulen Horizont von Henry und Klaus. Hofmann schildert diese falsche Nestwärme aus vordergründiger familiärer Harmonie, permanenter Konfliktleugnung, persönlicher Unzufriedenheit und Unverständnis des Andersseins so präzise, dass sich der Gedanke, hier schreibe einer über sein eigenes Erleben, zwangsläufig aufdrängt. Da hilft auch keine Abrede im Booklet, aber ein Problem ist das wirklich nicht. Dafür sind die leisen, immer wieder stockenden Annäherungen, besonders zwischen Klaus und seiner Mutter, aber auch zwischen Henry (schwul, Wessi) und Klaus' Vater (hetero, Ossi) schön gezeichnet. Das gibt Kraft und sollte jeden Leser ermuntern, es wie Henry & Klaus zu machen. Auch wenn nicht alle Akteure des Buches über ihren Schatten springen können und wollen - wer kennt das nicht auch aus eigenem Erleben? Denn Unverständnis resultiert oftmals aus Ungesagtem.

Nur eines irritiert am Buch. Der Autor verknüpft zwei Handlungsstränge unmittelbar, die beim sonntäglichen Mittagessen kollidieren. Als Rahmen fungiert ein dritter Strang, eine familiäre Geschichte um Homosexualität (natürlich, leider!), die viele Jahre zurück liegt und in ihrer Konzeption auch dann künstlich wirkt, wenn sich Klaus zu erinnern versucht. Hier wäre weniger mehr gewesen; die stille sprachliche Radikalität dieser thüringischen Familiengeschichte hätte darunter nicht gelitten. Ich las anno 2002 selten Besseres.
Michael Heß

Peter Hofmann
Allein die Welt dazwischen
Querverlag Berlin 2001
240 Seiten

P.S. Dieses Buch kann natürlich in der KCM-Bücherei entliehen werden.

 

 

Termine für Regenbogen-TV

Regenbogen-TV, das schwule Magazin im Stadtfernsehen tv münster, (Kabelkanal 3);

  • Mittwoch, 17.10. 18.30 Uhr und 19.30 Uhr Regenbogen-TV, im Stadtfernsehen tv münster, Kabelkanal 3
  • Mittwoch, 17.10. 22.00 Uhr Regenbogen-TV Videovorführung im KCM, Am Hawerkamp 31
  • Freitag, 19.10. 18:30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Samstag, 20.10. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Sonntag, 21.10. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

„Maurice”

Filmclub und Lesung zum Thema Literatur und Leidenschaft

Ein Liebesfilm über zwei junge Männer im alten England. Als Maurice an der ehrwürdigen Universität Cambridge den gutaussehenden Clive kennen lernt, werden in ihm schwärmerische, verwirrende Gefühle geweckt. Die beiden jungen Männer kommen sich näher... Eine Beziehung, die es in der sittenstrengen englischen Gesellschaft nicht geben darf. Maurice jedoch versucht, sein Leben zu leben.

Am Freitag, 11.10.2002 ab 20:00 im KCM

 

 

 

Kleinanzeigen

 

Wer hat denn die Bilder vom standFest so bombenfest auf Pappe geklebt?

 

Wenn wir wissen, was wir nicht erreichen können, wissen wir schon viel. (Hermann Kant)

 

Regenbogenliste: Schwule Mailingliste für Inhaltliches (Schwulenpolitik, Termine, Aktivitäten, Kommentare zu Ereignissen, Meinungen, Erfahrungsberichte, Coming-Out, Beziehung, Liebe, usw.): http://www.beepworld.de/members/regenbogenliste (Münster/Münstersche Bucht)
Interessierte Schwule können sich einschreiben, sich einklinken, durch schicken einer LEEREN E-Mail an regenbogenliste-subscribe@domeus.de

 

Glückwunsch an Tobias: vom Zauberhut-Coverboy zur Gastrolle in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten”. Weiter so!

 

Zum guten Schluss: Unzufrieden mit den Wahlen? Macht nix. Das ist das Schöne an der Demokratie. Wir können die „Herrschenden" einfach durch ein kleines Kreuzchen in die verdiente Pension schicken und müssen sie nicht wegputschen oder sie erschießen, wenn wir sie loswerden wollen. Helmut Kohl ist mir auch hier leuchtendes Beispiel.

 

Mittwochs im KCM,
Klönen, günstig trinken, Spaß, schwule Bibliothek und vieles mehr...

 
Kleinanzeigen können im
Zauberhut und bei muenster.gay-web.de
aufgegeben werden.

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Benno von Homophon, Markus Gutfleisch, Michael Heß, Ursula König-Heuer, Norbert Korfmacher (ViSdP), Peter Kramer (Satz), Stefan Sudmann, Achim Wahle, Gregor Wind
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 900
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats

Texte, die veröffentlicht werden sollen, gebt bitte in lesbarer Form als
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