Schwules in Münster - März 2002

 

Salve,

einhundertundfünfundreißigmillionen Dollar sind ein Batzen Geld. So viel Geld, dass in den Online-Ausgaben vom Spiegel und einer renommierten liechtensteinischen Tageszeitung auch darüber berichtet wurde, was die amerikanische Regierung mit diesem Geld beabsichtigt.

Die Kohle ist vorgesehen für ein Programm, mit dem Jugendliche vom vorehelichen Sex abgehalten werden sollen. Dies, so die Botschaft der Regierung, sei ungesund.

Wenn ich mich im KCM umgucke, dann stimmt das ja auch: hier ein Brillenträger, da ein Krummbuckliger, dort ein Gebissträger. Das alles nur, weil wir Schwule vorehelichen Sex hatten und haben.

Wenn wir also heiraten, ist das Problem vom Tisch. Frauen gibt es ja genug. Dann würden wir als Schwule nämlich nicht mehr vorehelichen Sex treiben, sondern außerehelichen! Und mit dem sind die Amerikaner besonders unter Bill Clinton gut gefahren, denn Billie hatte ein gesundes Triebleben und konnte sich so entspannt auf seine Arbeit konzentrieren.

Vielleicht täte die Bush-Regierung also besser daran, das Geld in ein Programm zur Förderung des vor- und außerehelichen Sexuallebens zu stecken.

Davon träumt mit warmen Gefühlen
Norbert

 

 

Sonntagscafé

Seit über einem Jahr hat Roland jeden ersten Sonntag für uns selbstgebackene Kuchen oder Torten da. Das Sonntagscafé ist somit eines von vielen regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen des KCM´s, welche von ehrenamtlichen Mitgliedern geleitet werden. Beim letzten Sonntagscafé Anfang Februar war seine selbstgebackene Marzipantorte doch wahrlich schon nach 30 Minuten ausverkauft. Wie gut das Roland auch diesmal vorgesorgt hatte und noch frische Waffeln gebacken hat.

Damit das Sonntagscafé auch weiterhin noch mehr Spaß macht, würden wir uns über ein paar neue Gesichter freuen. Neben Kaffee, Kuchen und Klönen besteht auch die Möglichkeit im Internet zu surfen oder gemeinsam eine Spielesammlung zu testen. Ab April möchte Roland gerne noch mehr auf Eure Wünsche eingehen, deshalb stehen hier 3 Kuchen zur Auswahl. Schickt eine eMail an Sonntagskaffee@gmx.de mit dem Kuchen Deiner Wahl.

Der Kuchen mit den meisten Zuschriften wird im April gebacken. Aus allen Einsendungen wird ein Gewinner ermittelt. Dieser erhält im April ein „Sonntagsgedeck” (ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee).
1. Champagnertorte
2. Frankfurter Kranz
3. Früchte Boden

TS

 

 

Kulturfrühstück & Klatsch & Urteile

Das Kulturfrühstück, betrieben vom KCM & von LIVAS, entwickelt sich zu einem Hort, an dem zügig Vorurteile abgebaut werden. Lautete noch im letzten Zauberhut das neueste Vorurteil, Lesben würden sich gerne im Bett rumtreiben, so wurde das beim „Frühstück bei Tiffanies” eindrucksvoll widerlegt. Noch mehr Volk als beim ersten Mal wollten gemütlich essen und bei „Mooooooonriver” schluchzen, und diesmal waren auch Frauen nicht nur hinter der Theke, sondern auch davor.

Der Vorsitzende des KCMs baute bei dieser Gelegenheit weitere Vorurteile ab, besonders natürlich beim Redakteur des Zauberhuts: Stephan guckt im Fernsehen tatsächlich Sportsendungen. Der umherstehende Anwesende war tief beeindruckt und am Ende zu feige, den anwesenden Schnuckel zu fragen, welchen Sport er denn im Fernsehen sieht oder betreibt.

Und schließlich entpuppte sich das Happening als gute Klatschbörse. Das neueste Gerücht besagt nun, dass Volker mit einer Frau (Name darf hier nicht genannt werden, weil Frauen im „Hut” nicht genannt werden wollen) zusammenziehen und sie dann ehelichen will.

Beim nächsten Kulturfrühstück am 3. März gibt es Lieder zu hören. Und mehr Klatsch. Und weniger Urteile.
NK

 

 

Blick zum anderen Ufer

Was lange währt, wird gut. Der Weinkennern geläufige Spruch gilt seit Kurzem auch für die KCM-Schriftenreihe. Denn mit dem nun vorliegenden Band 7 konnte ein bereits 1998 begonnenes Projekt zum Abschluss gebracht werden: Die Durchführung und Dokumentation des 3. Westfälischen Familienkongresses. Im März 1998 trafen sich auf Einladung der Stadt Münster und des KCM etwa 100 Fachleute, um Aspekte der Homosexualität in der Jugendarbeit zu beraten. Das Jugendgästehaus am Aasee erlebte einen inhaltsreichen und kurzweiligen Tag, der für sehr viele Teilnehmer erstmals praktikable Einsichten in eine ihnen bis dahin fremde Materie brachte.

Von vornherein war vorgesehen, die Inhalte und Ergebnisse des Kongresses über den Deutschen Kommunalverlag zu veröffentlichen. Aber mach' nur einen Plan... Letztendlich war dieser Weg nicht gangbar, so dass sich die Arbeitsstelle Antidiskriminierung im vergangenen Jahr zur gemeinsamen Herausgabe mit dem KCM entschloss. Die Inhalte rechtfertigten diese Überlegung in jedem Fall, haben doch besonders das hervorragende Eingangsreferat des Dortmunder Pädagogen Frank Herrath, die Podiumsdiskussion und die Meinungen von Kongressteilnehmern zeitlose Gültigkeit. Mit dem nun vorliegenden Band 7 der KCM-Schriftenreihe konnten nicht nur die Inhalte gesichert werden. Das KCM hat sich außerdem als kompetenter Dienstleister für die Stadt erwiesen.

Von den beteiligten KCM-Mitgliedern seien nochmals Martin S. für die Kongressorganisation, Herman Terborg für die Fotos und Peter Kramer für Layout und Satz gedankt.

 

Die KCM-Schriftenreihe seit 1995

  • Band 1 Anders nicht artig - 10 Jahre KCM (1995)
  • Band 2 Een eigen hooglied - Deutsche Übersetzung des gleichnamigen Oratoriums (1997)
  • Band 3 Die Harten und die Zarten - Homosexualität im Film (1998)
  • Band 4 Schwule Kommunalpolitik im Vergleich Bundesrepublik und Niederlande (1998)
  • Band 5 Verantwortung füreinander zeigen - Diskussion zur eingetragenen Partnerschaft? (2000)
  • Band 6 X oder Y Transidentität - Ein Phänomen mit vielen Unbekannten (2001)
  • Band 7 Dritter Westfälischer Familienkongress - Die Dokumentation (2002)

 

Beyond the mainstream

Din A Queer lassen den Stern leuchten

Wenn an Münsters Masten und Verteilern der Regenbogenstern aufblinkt, wird es Zeit, sich zu freuen. Auf die nächste Party jenseits des Mainstream und Lichtjahre entfernt vom Planeten der Unberührbaren. Mit fetten Beats und mageren Preisen, mit Engagement und ohne Gewinnstreben. Seit anderthalb Jahren leuchtet mit Din A Queer ein besonders bunter Stern an Münsters schwul-lesbischem Himmel. Michael Heß hat sich mit den Machern des Events getroffen und ein erfrischendes Konzept gefunden.

Foto Din-A-Queer

Es passierte in der Schwüle einer sommernächtlichen Männerfete. Inmitten des bekannten KCM-Klangbreis stieg nicht nur die Temperatur im Raum, sondern ebenso der Frust einiger Gäste über das ewige Einerlei. „Kannst Du mal was Rockiges auflegen?” - diese verzweifelte Frage zeugte im August 2000 unfreiwillig Münsters bunten Homo-Stern. Denn DJ's musikalischer Unverstand lies ihn ausgerechnet den smarten Jon Bon Jovi auflegen, worauf aus den Boxen ein unbeschwert geträllertes „It's my life” folgte. Ein stilistischer Rohrkrepierer, der noch am selben Abend für erste Verständigungen einiger vergrätzter Besucher führte. In der zeitlos-proletarischen Erkenntnis, dass man sich aus dem Elend nur selber erlösen kann. Folglich leerte sich in den kommenden Wochen mancher Akku, doch im September 2000 war es geschafft: Din A Queer erblickten das Licht der Welt und traten mit der ersten Fete im November desselben Jahres ins öffentliche Rampenlicht. Seitdem mit wenigen Ausnahmen im KCM-Nachbarclub Triptychon - routinierte Hawerkamp-Gänger wissen bestens Bescheid: Das Triptychon ist ein Club des Alternativen und Anderen. Die Frage liegt nahe: Wie der Club, so auch die Veranstaltung?

Ein grundsätzliches „ja” kann nur die Antwort sein. Die Musik auf den Feten der Gruppe zeigt sich wie ein Sommergewitter: kurz, heftig und erfrischend. Und laut, aber da ist das mitgebrachte Ohropax vor. Das softige Talmi von CD-Playern gilt wenig; der raue Charme der Turntables erzeugt jene Authentizität, die die Massen pilgern lässt. Din A Queer Peter gibt gerne kund, „dass wir auch Leute ansprechen wollen, die nicht in die übliche Szene passen. Wir haben etwas gegen die Uniformierung der Szene”. Dem sei nicht widersprochen angesichts der vielen unbekannten Gesichter, die sich auf den Feten im Triptychon tummeln. In seltenen Fällen ein besonders schönes Stück Mensch, meistens unscheinbar und dunkel gekleidet, wie es sich für das alternative Milieu gehört. Fleischbeschau findet so wenig statt wie geistige Tieffliegerei aus modischer Hochstapelei. Vengaboys sind so unerwünscht wie Schlager und Mainstream. Denn die Musik ist es, derentwegen frau und mann ins Triptychon eilen. Zwischen Clash, den Manic Street Preachers, Pearl Jam und den Vorzüglichen Kürbissen blüht das alternative, subkulturelle und warme Münster auf. Wirklich erstaunlich sind da mehr die vielen bekannten KCM-Gänger, die sich samt manchem heterosexuellen Zeitgenossen einfinden. Weil man sich selbstbewusst auch als „multisexuelle Veranstaltung” präsentieren mag und so ist es eben kein Joke: Wo Din A Queer draufsteht, da ist auch Din A Queer drin.

Was aber meint das übersetzungsresistente „Din A Queer”? Zwei Teile stecken im Namen. Die Älteren werden noch die mit DIN abgekürzte Deutsche Industrienorm kennen. Das Queer erklärt sich dem Homo von selbst: Schräg, seltsam und sonderbar - so die gängigen Übersetzungen. Clevere Zeitgenossen können nun den werbeträchtig auffälligen Namen mehrfach deuten. Als schwul-lesbisches Partyformat, als schräge Veranstaltungsreihe, als bloßen Nonsens. Dem am Leben und in der Philosophie geschulten Leser entgeht indes nicht der feine Widerspruch im Konstrukt: Das Schräge als Normiertes? Ökonomische Definitionsmacht in einem Boot mit soziologischer Anarchie? Oder dasselbe Prinzip, wie es der texanische SingerSongwriter Calvin Russell formuliert: Always decorate construction, never construct decoration? Übrigens ist der schräge Name ein klassisches Vermächtnis. Geboren in einem intensiven Brainstorming, verdankt die Gruppe ihren Namen Simon, bevor dieser abwanderte und - ebenfalls in Münster - den Salon Orange zur allgemeinen Beförderung des Guten ins Leben rief.

Nach alledem ahnt der Leser, was Din A Queer unterscheidet vom diskreten Charme der AIDS-Hilfe, dem missionarischen Anpassungseifer eines Homoverbandes und dem ziellosen Selbstlauf eines Begegnungszentrums: Die Mädels und Burschen ziehen ohne öffentliche Subventionierung ihr Ding durch. Das machen Andere auch. Din A Queer jedoch setzen mindestens zwei abweichende Duftmarken: Man strebt konzeptionell nicht in die Mitte, sondern an den Rand. Und man ist Überzeugungstäter, man macht Musik aus Spaß an der Sache. Überschüsse interessieren nur am Rande, meint Imke und setzt noch drauf, „dass wir so preisgünstig bleiben werden, weil es uns auch künftig nicht um Gewinne geht. Wir haben nicht vor, uns zu bereichern.” Es geht also um Risk Capital im Bewusstsein „sich an niemanden anbinden zu wollen.” Ergänzt Dirk und angesichts des puren privatwirtschaftlichen Engagements der Gruppe müsste ihr der Beifall der gelben Partei mit den drei Punkten sicher sein. Aber da sind wieder das Outfit und das politische Selbstverständnis vor. Rote Haare, Piercings und schwarze Shirts wollen sich nicht vertragen mit dem edlen Tuch unserer (subventionsgewöhnten) Eliten und da ist auch noch die Sache mit dem Stern.

Der zeigt sich fünfzackig und fünf Zacken sind auf diesem Planeten Programm. Auf rotem Tuch ist er der Stern der Bolschewisten und Maoisten. Auf blauem Grund und gleich fünfzigfach, ist er der Stern der Völkerrechtsbrecher Nummer Eins. Mit einer Kalaschnikow verziert, diente er deutschen Wirrköpfen als Symbol. Auf grünem Grund zeigte er immer wieder Flagge für Allahs fromme Streiter. Je nach Standpunkt gehasst oder geliebt - was also macht man mit einem historisch derart beladenen Element? Ganz einfach: Die Queers färbten den Fünfzackler regenbogenfarben ein und es entstand Münsters buntleuchtender Alternativstern. In dieser Farbgebung ist der Stern sehr sympathisch, verliert er dadurch doch seine Militanz und strahlt fröhlich in den Farben der Community, die keine ist. Deshalb geht es nicht ganz ohne Erinnerung an die Tristesse des Seins; der bunte Geselle leuchtet auf schwarzem Grund statt auf rosa Pastell. Nur keine falsche Idylle bitte; Vengaboys, wie gesagt, die wollen die Queers ja auch nicht haben.

Michael Heß (wird fortgesetzt)

 

Die Nächste Partys: 26.04., 28.06., 27.09., 29.11.
(jeweils im Triptychon, Am Hawerkamp 33)

Internet: www.din-a-queer.de

 

Das schwullesbische Archiv

Am 17. Januar fand die Kuratoriumssitzung des Schwul-lesbischen Archivs Münster in den Räumen des KCMs statt. War die Gründungsveranstaltung im letzten Jahr noch gut besucht, zeigte sich dieses Jahr ein gewisses Desinteresse. Nur Peter Duscha für den LSVD und Peter Kramer für al nahmen an der von Stefan Sudmann geleiteten Sitzung von Anfang bis Ende teil, zwei Frauen kamen mit Verspätung (Frauen wollen ja ungern namentlich im Hut genannt werden ...), der ganze Rest fehlte.

Dabei gab es gute Nachrichten: der Umzug des Archivs von der Warendorfer Straße zum Hawerkamp ist über die Bühne gebracht worden, Kontakte zum Archivamt wurden hergestellt und ein Bestandsverzeichnis wurde erstellt. Und da gut gehaushaltet wurde, wurde der jährliche Mitgliederbeitrag ordentlich gesenkt.

Stefan Sudmann präsentierte den Anwesenden dann auch gleich das Archiv und seinen Aufbau. Die Neugierigen schauten sich auch die Photos an. Für die Bearbeitung der Bilder soll ein Scanner angeschafft werden.

Und auch im Internet will sich das Archiv ausbreiten. Auf das Bestandsverzeichnis soll man dort zugreifen können, doch weil das am Ende zu öde ist, wird ein Druck für die nahe Zukunft ins Auge gefasst. Denn die anwesenden Historiker wussten: was im Internet steht, vergeht, aber Gedrucktes währet ewiglich.

Und schließlich wurde Stefan auch noch entlastet. Er darf also weitermachen.
NK

 

 

Homosexuelle Töchter und Söhne

Ein Gesprächskreis für Eltern

Mütter und Väter können sich über die besondere Situation homosexueller Töchter und Söhne informieren.

Inhaltliche Akzente:

  • Unterschiedliche Theorien, die Homosexualität und ihre Entstehung zu begründen versuchen, werden vorgestellt.
  • Wie junge Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung eigene Lebensentwürfe machen und Beziehungen verantwortlich gestalten - dazu erfolgen Informationen.
  • Vorurteile und gesellschaftliche Reaktionen im Umgang und Kontakt mit homosexuellen jungen Menschen, werden besprochen.

 

Leitung: Hiltrud Noll & Peter van Elst
Termine: Dienstag, 09.04., 16.04., 30.04., 14.05., 28.05., 17.09., 01.10. jeweils: 17:45 bis 20:00 Uhr
Gebühr: 32,50 € pro Einzelpaar; 43,50 € pro Paar
Kurs-Nr.: 274B61
Sie erreichen uns unter:
Tel: 0251/41866-0
Fax: 0251/41866-32
E-Mail: fbs-muenster@bistum-muenster.de

 

2002 - Jahr der Lesben und Schwulen?

Warum eigentlich nicht? Sollte die Zahl von rund 10% Lesben und Schwulen bezogen auf die Gesamtbevölkerung auch nur annähernd richtig sein, dann müsste ab sofort in jedem 20. Film in jedem Kino und bei jedem Fernsehsender eine Lesbe die Hauptheldin sein. Und bitte keine so einseitigen Klischees, wie die wenigen Quotenlesben, die uns bisher präsentiert wurden. Da Frauen (und Lesben ganz besonders) erwiesenermaßen lesefreudiger sind, wäre es kaum vermessen jede achte belletristische Neuerscheinung im Lesbiotop anzusiedeln. Vorbei die Zeiten, in denen wir uns schon über ein halbes Regalbrett in der einen oder anderen Buchhandlung freuten. Keine müsste mehr lange suchen, um das Nichtchen mit einem Bilderbuch zum Alltag in der lesbischen Familienidylle zu beglücken.

Wie viele Lesben und Schwule dann im Bundestag säßen kann sich jede selbst ausrechnen, denn die wären selbstverständlich alle out. Sexuelle Orientierung spielt dort natürlich keine Rolle, aber habt ihr ehrlich den Eindruck, dass uns Heteros über ihr sexuelle Orientierung im Ungewissen lassen?

Jede Schule bekäme sofort ihre Coming-out-Gruppe. Und jeder 10. Schlager im Radio ...

Hört sich doch gut an. Und ist doch alles andere als unbescheiden, oder?

Hoffentlich müssen wir nicht bis 3002 warten!

Jule Blum/Elke Heinicke
Pressesprecherinnen des Lesbenring e.V.

 

 

Termine für Regenbogen-TV

Regenbogen-TV, das schwule Magazin im Stadtfernsehen tv münster, (Kabelkanal 3);

 

  • Mittwoch, 20.03. 18.30 Uhr und 19.30 Uhr Regenbogen-TV, im Stadtfernsehen tv münster, Kabelkanal 3
  • Mittwoch, 20.03. 22.00 Uhr Regenbogen-TV Videovorführung im KCM, Am Hawerkamp 31
  • Freitag, 22.03. 18:30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Samstag, 23.03. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)
  • Sonntag, 24.03. 18.30 Uhr auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)

 

Rezension - Martin Compart:

Crime TV. Lexikon der Krimi-Serien, Berlin 2000.

Schwule sind unterhaltungssüchtig, weshalb sie gerne vor der Glotze hängen und über das Fernsehen tratschen. Und natürlich sind sie an Informationen über ihre Lieblingssendungen interessiert.

Krimis gehören zu dem Genre, in dem das Böse zu schlägt und das Gute siegen sollte.

Martin Compart ist ausweislich seiner Biographie ein Krimi-Kenner. Er hat für Verlage diverse Krimireihen betreut und -jetzt wird's unerquicklich - auch schon selbst für das Fernsehen einen Krimi geschrieben; ein Preis zeichnete ihn aus.

Mit viel Wissen über Krimis im Fernsehen ausgestattet, machte sich Compart an ein Lexikon der Krimi-Serien im Fernsehen. Das löbliche Vorhaben klappte und scheiterte zugleich an Comparts Arroganz. Diese trieft aus allen Zeilen des Buches.

Die von ihm aufgeführten Krimiserien werden unter dem deutschen Sendetitel verzeichnet, bei ausländischen Produktionen folgt der Originaltitel. Schon bei den angegebenen Jahreszahlen wird es undurchsichtig: sind dies die Produktions- oder Sendejahre? Angegeben wird die Zahl der Episoden (kein genauer Überblick über die Episodentitel!), durchschnittliche Sendedauer der Episoden sowie die wichtigsten Darsteller und ihre Rollen.

So weit, so gut. Bei der Darstellung des Inhalts einer Serie ist man auf das Wohlwollen des Autors angewiesen. Da Compart seine Meinung zum Maßstab aller Dinge macht, werden TV-Serien, die ihm nicht gefallen, gnadenlos verrissen. Beispiel „Derrick”. Gleich am Anfang erfährt der Leser von Fritz Weppers Drogenabhängigkeit. Das hat nun mit dem Krimi gar nichts zu tun und zeigt Compart von der selbstgerechten und schäbigen Seite. Den Aufbau einer Krimifolge schildert er nicht, auch nicht die besonderen Merkmale. Folglich bemüht er sich nicht, „Derrick” historisch einzuordnen, was bitter nötig gewesen wäre. Immerhin stellt er fest, dass sich der Stil des Krimis nach wenigen Folgen radikal änderte. Den Erfolg vermag er an keiner Stelle zu erklären, er lässt seinem Hass (anders kann man es nicht nennen) auf Schauspieler und Produzenten freien Lauf. Ebenso wenig gelingen ihm gescheite Zeilen zum Vorläufer „Der Kommissar”, dessen Bedeutung für die deutsche Fernsehwelt kaum zu unterschätzen ist, unabhängig von der Qualität der Serie.

Wo Compart lobt, kennt er auch kein Maß. „Miami Vice” wird von ihm in den höchsten Tönen gelobt. Und hier findet sich eine peinlich genaue Beschreibung der Rahmenhandlung und eine Wertung der Serie für die Fernsehgeschichte, eine Wertung allerdings, die ich persönlich nicht teile: „Nach Miami Vice ist im Fernsehen nichts mehr so, wie es mal war.” Diese Wertung ist nicht nur knapp daneben, sie ist völlig daneben!

Und noch etwas muss mit spitzer Feder aufgespießt werden: Wenn der Verlag auf dem Buchrücken schreibt, dieses Lexikon enthalte alle Krimiserien, dann erwarte ich auch alle Krimiserien. Aber: „Parkstraße 13” von 1961 fehlt!
NK

 

 

Gefundenes

„Die Artikelserien über das Familienglück oder, seltener, ihr Elend bleiben jedoch auf eine eigenartige Weise steril, sie dringen selten zu dem vor, was uns ... am Thema Familie so reizt: die eigenen Kindheitserfahrungen, die bedingen, dass sich Familie niemals eindeutig positiv oder negativ besetzen lässt. Familie ist der unvergleichliche Raum der ersten Erfahrungen.”

„Aus verschiedensten Gründen ist die Ehe als Lebensform heute nicht mehr die ausschließliche Wahl - in den siebziger Jahren waren 90 Prozent der Erwachsenen verheiratet, heute sind es 70. Immer noch sind Kinder der ausschlaggebende Grund für Paare zu heiraten, immer noch steigt die Scheidungsrate. 40 Prozent der Eheleute trennen sich wieder ... Zu anderen Zeiten haben Tod, Krieg und Krankheit erledigt, was heute eine Scheidung tut.”

„Trend ist, dass es keinen eindeutigen Trend mehr gibt. Die soziologische Forschung weiß auf die Frage ‚Quo vadis Familie?' keine eindeutige Antwort, sie spricht von einer Vervielfältigung der Lebensformen... Mythen machen die Welt eindeutig, sie sollen beruhigen. Vielleicht aber kommt es uns auf Dauer teurer zu stehen, am Idealbild Familie zu scheitern, als ihre Ambivalenz auszuhalten.”

„Wir werden ... in immer kürzeren Zyklen unsere Partnerschaften neu arrangieren. ‚Dieses Faktum dürfte die Liebe als immer wieder neu zu definierendes Gefühl überleben, Familie als tradierte Struktureinheit dagegen untergehen lassen.' Eine neue Familien-Moral wird da nicht viel retten können. Das ist ein gutes Omen für die Scheidungsrichter - und ein gutes für die Standesbeamten.”

Quelle: Andrea Roedig; Mein eigen Fleisch und Blut, in: Freitag 2/2002

Zitate zusammengestellt von Michael Heß

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

IN & OUT (USA 1997)

Foto In & Out

Mit Stolz angeschwollener Brust nimmt Howard Brackett am Fernseher die Dankesrede des diesjährigen Oscarpreisträgers Cameron Drake entgegen, der sich für die Rolle eines schwulen Soldaten bei seinem ehemaligen Lehrer für die Inspiration bedankt. Der sei schließlich auch schwul. Howard fällt der Kinnladen herunter; denn davon hatte er bisher selbst nichts gewußt. (Gefunden bei wuerzburg.gay-web.de)

Am Freitag, 15. März 2001 ab 20:00 Uhr im KCM

 

 

 

Terrorismusbekämpfung

Seit dem 11. September wissen wir es: die westliche Welt wird von blöden Fundamentalisten, die mit individueller Freiheit nun gar nichts im Sinn haben, bedroht.

Da ist die hohe Zeit derer angebrochen, die vorgeben, uns verteidigen zu wollen. In den USA gibt es einen Justizminister aus Kreisen fundamentalistischer Gruppen, denen unsere Freiheit so auch nicht passte. Der Mann tut jetzt das, was er immer wollte: er schränkt Freiheiten ein. In Deutschland verteidigt Innenminister Otto Wichtig vor allen Dingen seine Karriere, indem er Freiheitsrechte abbaut. Das ist gerade in.

Und wir Schwulen? Völlig verzärtelt und verhuscht, gehen wir unseren schwächlichen Trieben nach, statt aufzurüsten.

„Das muss anders werden!” sagte sich die Universitätsverwaltung, und diese Erkenntnis dämmerte den Herren schon vor den Anschlägen. Die Klappe im Fürstenberghaus wurde der nahenden neuen Situation angepasst. Die Gitter, im vorletzten Sommer angebracht, von umtriebigen Schwächlingen aber durchgesägt zwecks besserer Kontaktaufnahme zur Befriedigung der lästerlichen Triebe, wurden jetzt richtig verstärkt, damit die schwachen Schwulen Gelegenheit bekommen, dort die harten SM-Spiele zu betreiben, die aus einem Waschlappen einen richtigen Kerl machen können.

Also Mädels: ran an die Gitter, raus mit den Ketten! Dann klappts auch mit den Fundamentalisten.
NK

 

 

Kleinanzeigen

 

No sex, hut sports :o)
Hallo! Er, Mitte 30, sucht nette(n) Sportkumpel für Tennis, Badminton, Jogging, evt. Inliner. "Grundfertigkeiten" vorhanden. Topleistung ist nicht gefragt, sondern Spaß an Bewegung und Spiel. Dein Alter ist egal, Deine Lust am Sport das Wichtigste. Schwul & kumpelhaft ist ok. Aber Achtung: Sex-Interessenten dürfen sich nicht melden. Danke! sport@everymail.net.

 

In remembrance:
Too much weepings make a heart of stone.
(W. B. Yeats)

 

HEINE,
30 Jahre, lang, Kranzbart, arbeitsam in einer Gaststätte, wird gesucht durch JAN, den er im Dezember in Enschede kennen gelernt hatte. Bitte Antwort an Tel. 0031513688927.

Kleinanzeigen können im
Zauberhut und bei muenster.gay-web.de
aufgegeben werden.

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Jule Blum, Elke Heinicke, Michael Heß, Norbert Korfmacher (ViSdP), Peter Kramer (Satz), Thomas St.
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

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Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 900
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats

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