zu den Pflichten des Zauberhut-Redakteurs gehört es, in jedes Heft ein mehr oder weniger gelungenes Vorwort zu setzen. Das ist die übelste Arbeit bei dem Blatt. Denn nicht immer liegt auf der Hand, womit ich die Leser salbungsvoll erfreuen kann.
Worüber kann ich mich heute auslassen?
Nein, nicht noch einmal die Eingetragene Partnerschaft, die uns ab August erlaubt, heterosexuelle Lebensformen zu imitieren. Über die allgemeine Unlust am Ehrenamt, die unser Verein auch zu spüren bekommt, hat sich Michael Karshüning, Alt-Vorsitzender, schon ausgelassen. Was gibt es zum neuen Vorstand zu schreiben? Er ist gewählt und hat seine Arbeit begonnen, wofür wir ihm viel Glück und noch mehr Erfolg wünschen.
Ich könnte -hm- über die Frauen lästern, aber mit den Lesben hat auch der Zauberhut viel Spaß (huhu, Eksa!), gibt's also nix zu lästern.
Doch: es gibt ein Thema. Die Lederfete ist längst überfällig. Hierüber sollte ich mich jetzt auslassen, aber nun ist die Seite voll.
Grübelnd verbleibt mit warmen Grüßen
Norbert
Das Debakel der letzten Mitgliederversammlung vom Februar saß noch allen in den Knochen. Damals trat der alte Vorstand um Michael Karshüning ab, aber es fand sich niemand, der bereit war, die Nachfolge zu übernehmen und die Arbeit in den nächsten zwei Jahren zu erledigen.
Die folgenden zwei Monate nach dem Debakel wurden genutzt. Es fanden sich fünf Männer, die bereit sind, die Mühen auf sich zu nehmen.
Am 26. April kam es erneut zu einer Mitgliederversammlung. Es war wohl die kürzeste MV in der Geschichte des KCMs. Wie schon im Februar war auch diesmal die Teilnahme der Vereinsangehörigen eher bescheiden. Etwa dreißig Personen hatten sich eingefunden, einen neuen Vorstand zu bestellen.
Die fünf Kandidaten stellten sich kurz vor, dann wurde offen über die Personen abgestimmt. Zum neuen Vorsitzenden wurde Stefan Karrenbrock gewählt. Er wird unterstützt in seiner Arbeit von Wolfgang Knebel, der bereits dem alten Vorstand als Schatzmeister angehörte, und Volker Wittig, der seit über einem Jahr die Vorstandarbeit als Beirat unterstützte. Neu im Vorstand sind Andre Groß und Uwe Schoon, die Erfahrungen aus anderen Vereinen mitbringen. Alle Personen wurden einstimmig, ohne Gegenstimmen und ohne Enthaltungen offen gewählt, was Michael Heß zu der Bemerkung veranlasste, dies erinnere ihn an vergangene Zeiten, in denen auch solche stalinistischen Ergebnisse (allerdings unfreiwillig) zustande kamen. Einzig bei der Wahl der zwei Rechnungsprüfer entblödete sich ein Mitglied nicht, sich der Stimme zu enthalten. Gewählt wurden hier Rolf Schulte und Michael Karhüning.
Versammlungsleiter Peter Kramer schloss die Mitgliederversammlung nach etwa fünfundzwanzig Minuten mit einem fröhlichen Lächeln. Er war nicht nur sein schweres Amt im Vorstand los, sondern hatte auch die MV zügig und problemlos über die Bühne gebracht.
NK
Een dag als deze / werd end dag vol gruwel / een dag vol rampzaligheit / en ellende. Ein Tag wie dieser 13 Mai 2000 in Enschede. Niemand kennt die genaue Zahl der Toten, niemand hat die gestorbenen Seelen gezählt. Als ein ganzes Wohnviertel ausradiert wurde als sei Krieg. Aber es war ein heller, sonniger Tag mitten im Frieden. O groze dag / zo bitter / en zo mateloos! Der Abstand eines Jahres schärft den Blick für die Katastrophe, ja wirft Fragen auf, die teilweise nie beantwortet werden. Nur in den Augen eines Kindes verliert das Inferno seinen Schrecken, doch dieser kindliche Verlust des Realen macht den Schrecken noch grauenvoller: en hoger: een nacht / vol spetterend vuurwerk / in hoog oplaaiend rood / en blinkend wit / en machtig blauw /en goud - veel goud... Aber die Sonne trug eine Brille mit schwarzen Gläsern, denn dit is geen dag / voor bloemen en lente / voor zon, jong en leven / voor blauw en hoog / voor vogelzang / voor ijl en stil / de zon draagt een bril / met zwarte glasen. Zwei Chöre - Kanalje Rood und Twents Vrouwenkoor mit siebzig Stimmen, die die Oude Kerk kraftvoll ausfüllten. Die Freunde im Chor mitsingend wie Myriam oder verantwortlich zeichnend für Komposition und Texte wie Wim und Godfried. Die Freude, sich wieder zu sehen, im Schatten des Anlasses: Ook dat was erg / een vogel zonder vleugels / die voor onze ogen / brandend naar beneden valt... Und als wir - die Künstler und die Gäste - nach dem Konzert und nach der überwältigenden Besucherfülle in der Oude Kerk auf der Terrasse saßen, genossen wir das Leben und die Freunde neben uns und wussten doch, wie nahe die Hölle sein kann. Und wir gedachten zwischen dem Lachen immer wieder der seelisch Verkrüppelten und Gestorbenen und ihrer lebenslangen Last, das Erlebte mit sich tragen zu müssen. Das Geschehene kann niemand rückgängig machen und die Toten wenigstens haben ihre Ruhe. Die (Über)lebenden jedoch - natuurlijk, zij leven nog...
MH
Am 13. Mai weilte Michael Heß auf Einladung der Euregio-Group des COC der Aufführung von O, Grote Dag Zo Bitter En Zo Mateloos - Een Enschedees Requiem anlässlich des ersten Jahrestages der Explosionskatastrophe in Enschede bei. Zitate aus O, grote Dag...
Die Baulichkeiten sind verschieden, die Probleme sind die Gleichen. Geht es nach den Plänen der Stadt, schwebt überm Hawerkamp irgendwann die Abrissbirne.
So weit muss es nicht kommen, befanden die Anlieger und gründeten ihren Verein zum Erhalt der Szene.
Neben regen Aktivitäten auf der politischen Bühne bietet der Hawerkamp-Verein am Mittwoch, dem 13. Juni auch etwas für die Seele. Ab 20 Uhr verwandelt sich das Areal in eine einzige Location. Mit Live-Gigs in der Sputnik-Halle, Kunst im Triptychon, Disko in Fusion-Club und KCM. Dazu Cuisine aus verschiedenen Weltgegenden und jede Menge Infostände. Da es sich beim Datum um den Vorabend von Happy Kadaver handelt, kann bis in die Puppen gefeiert werden. Und für manchen KCM-Besucher ergibt sich die Möglichkeit, fast zum Nulltarif in die anderen Tanztempel hinein zu schauen. Der Eintritt von 8 DM gilt fürs ganze Hawerkamp-Gelände - billig ist nur das Entree, aber nicht die Leistung.
MH
Das Gedenken der Schwulen & Lesben an ihre Opfer des Nationalsozialismus hat in Münster zehnjährige Tradition. Auch in diesem Jahr veranstaltete der Arbeitskreis Rosa Geschichten wieder die Kranzniederlegung am Zwinger zum Tag der Befreiung am 8. Mai.
Nach der Pleite im letzten Jahr, bei der Friedenskämpfer und Antifaschisten die Veranstaltung zu einem Polit-Happening umfunktionierten, musste auch in diesem Jahr mit dem Schlimmsten gerechnet werden, denn erneut war es zu einer Kooperation mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gekommen.
Doch diesmal kam alles anders.
Im Vorfeld war Stefan Sudmann vom Arbeitskreis Rosa Geschichte um einen würdigen Ablauf bemüht, seine Rechnung ging auf. In seiner kurzen Gedenkansprache am Zwinger erinnerte er an die Leiden der Schwulen unter Hitler und vergaß nicht, dass ihre Verfolgung in der Nachkriegszeit nicht endete, da schwuler Sex sowohl im Paradies der Werktätigen als auch im Westen Deutschlands bis zum Ende der sechziger Jahre strafrechtlich verfolgt wurde. Sudmann ermunterte die Anwesenden, ihre schwule Sexualität zu leben und so den Opfern von damals nachträglich zu ihrem Recht zu verhelfen.
Frauke Grieger vom Schwul-lesbischen Netzwerk erinnerte an die lesbischen Opfer des Nationalsozialismus. Obwohl lesbische Sexualität kein Straftatbestand war, wurden auch Lesben von den Nazis bedrängt und in wenigen Extremfällen ins KZ eingewiesen. Die Mehrheit dürfte sich in die Ehe geflüchtet haben, um der Ächtung und den Schikanen zu entgehen.
Als Redner vom VVN erzählte Otto Wiesner von seinem Dasein im KZ, welches von den Amerikanern befreit wurde. Eigentlich, so erklärte er den Zuhörern verschmitzt, sei es nicht vorgesehen, dass er überhaupt noch lebe; für ihn wie für seine Kameraden sei ein gewaltsamer Tod von den Nazis vorgesehen gewesen. Wiesner bedauerte, dass der 8. Mai nicht auch in Deutschland zu einem Gedenktag wurde, wie in so vielen anderen europäischen Staaten.
Zum Abschluss der Veranstaltung forderte der hübsche Vertreter der VVN Stefan Proske, der vermutlich selbst Opfer von Verfolgungen durch Frauen und einige Huschen geworden ist, die Anwesenden zum Absingen aller (!) Strophen des KZ-Lieds vom Moorsoldaten auf.
Bei strahlendem Wetter ging die Gedenkveranstaltung für unsere Opfer angemessen über die Bühne. Zu beklagen bleibt nur das mangelnde Interesse der schwulen Familie. Zwar waren Vertreter vom KCM und von LIVAS anwesend, aber die Mehrzahl der Teilnehmer kamen aus dem Umfeld der VVN. Trotz Nachfragen bei den schwulen & lesbischen Beteiligten konnte der Redakteur des Zauberhuts keinen Vertreter des (L)SVD ausmachen, der doch sonst bei Klagen über die Verfolgung von Schwulen in Vergangenheit und Gegenwart am lautesten jammert, von der Abstinenz der youngs ganz zu schweigen.
NK
Die AidsHilfe Münster hat auf ihrer letzten Mitgliederversammlung Helmut Hamsen als ersten Vorsitzenden wiedergewählt. Zweite Vorsitzende wurde mit großer Zustimmung die Diplom-Pädagogin Marion Kahn. Alter und neuer Kassenwart der AidsHilfe ist Alfred Fleer.
Im letzten Jahr gelang es der AidsHilfe die finanzielle Talsohle zu verlassen. Das Spendenaufkommen und die Eigenmittel konnten gegen den allgemeinen Trend erhöht werden. Das liegt nicht zuletzt am guten Image der AidsHilfe Münster und der hervorragenden ehrenamtlichen Unterstützung, betont der alte und neue Vorsitzende Helmut Hamsen. Auch die Stadt Münster und das Land NRW halfen bei der finanziellen Konsolidierung.
Im kommenden Jahr will die AidsHilfe die Aufmerksamkeit besonders auf die Entwicklung neuer Projekte im Bereich der Prävention richten. Wir wollen vor allen Dingen junge osteuropäische Jugendliche besser über Aids und Hepatitis aufklären, berichtet die hauptamtliche Mitarbeiterin Annette Ritter. Die Belange der direkt von HIV Betroffenen sollen aber weiterhin ein Schwerpunkt der AidsHilfe-Arbeit ausmachen.
Für den Kassenwart Alfred Fleer ist die Stabilisierung der Finanzen ein vorrangiges Anliegen. Ein Rückgang der Spenden würde die zukünftige Präventions-, Beratungs- und Betreuungsarbeit der AidsHilfe gefährden. Aids ist zur Zeit kein großes Thema in den Medien mehr, die Arbeit der AidsHilfe ist aber wichtiger denn je, betont Helmut Hamsen. Der Vorsitzende dankte neben den öffentlichen Zuschussgebern, den Mitgliedern des Vereins sowie allen Spenderinnen und Spendern für die gute Unterstützung im vergangenem Jahr.
Ralf Bolhaar
Die neue Partyreihe in Münster für alle Schwulen, Lesben und deren Freunde: Jeden 1. Freitag im Monat.
In Sanitäts-Outfit und -Deko darf auf zwei Ebenen jedesmal gefeiert werden bis der Arzt kommt. Die Partycrowd scheint jedes Mal an einem Georg Clooney-Ähnlichkeitwettbewerb teilzunehmen oder Mann übt angeregt Wiederbelebungs-Maßnahmen miteinander.
Die Veranstalter sorgen mit unterschiedlichen Show Acts, wie Live Bands oder Performances für Abwechslung. Auf 2 Dance-Floors werden alle Musikgeschmäcker mit Styles von Retro Pop über Charts bis hin zu Jazz-House versorgt. Auch der Solidaritäts Gedanke kommt nicht zu kurz: Jeweils DM 1,- des Eintritts werden sozialen Einrichtungen der Community gespendet ( z.B.: AlsPol, LIVAS, YOUNGS...).
Das Programm im Juni:
Main Floor: Djs Tom La Roche/Dirk Lankow
Lounge: Dj Sascha mit David Bowie
Special Live-Act: Tante Inge
Soli-Mark: LIVAS (Lesben im Verein am Schönsten)
Specialdrink: Sangria Party und Welcomedrink aus der Spritze
Eintritt: 13,00 DM ( incl. 1,- DM Solibeitrag)
Beginn: 22:00
Datum: Freitag den 01.06.01
Ort: Dockland, Hafenweg 17, Münster
(Der Zauberhut wartet mit großer Ungeduld auf die Soli-Party für das KCM und seine vielfältigen Aktivitäten. Auch der Zauberhut hätte einen üppigen Soli-Beitrag bitter nötig!)
In dem Häuschen sitzen Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern, - Manche schreiben Verse nieder.
(Aus: Das Lied von der Erde, von Hans Bethge)
Es war ein Aprilsonntag und das heißt: Regen & Sonnenschein wechselten sich ab. Auf dem Weg nach Münster hatte noch mein Freund mich angerufen, im Saarland seien heftige Gewitter niedergegangen, und das habe ihn, der dort zur Kur weilte, geradewegs in einen Palmsonntags-Gottesdienst getrieben.
In Münster aber schien zunächst die Sonne, und die Menschen, wild entschlossen, den Frühling herbeizuleben, bevölkerten schon die Plätze draußen vor der Eisbar. Wir, elf Männer von Gay and Grey, hatten uns für das Picasso-Museum verabredet, das vor einiger Zeit in der Stadt eröffnet worden war. Das Haus war voll: eine Führung war gerade vor uns gestartet, und wir mussten warten, da man dort die Besucher nur schubweise einlässt. Wir gingen dann einige Stufen hoch, um dann eine Kehrtwendung links zu machen: und ein langer hoher Treppenaufgang führt über zwei Stockwerke hoch hinauf, nach oben sich verengend, in die lichten Höhen graphischer Kunst. Dieser Treppenaufgang ist schon ein Erlebnis für sich: er stellt eine geradezu elegante Introduktion dar.
Ich muss zugeben, kein ausgesprochener Picasso-Fan zu sein, vielleicht wegen seiner Themen (die Erotik seiner weiblichen Gefährtinnen, Stierkampf beispielsweise), aber man kann in dem Museum schön Prozesse des Kunstschaffens verfolgen beim Betrachten verschiedener Stadien ein und desselben Motivs. Was ich persönlich schön fand, das waren zwei kleine, geradezu altmeisterlich gefertigte Porträts von Schriftstellern (Paul Valéry und der frühverstorbene Raymond Radiguet), die demonstrierten, dass Picasso auch ganz realistisch zeichnen konnte, und sehr schön fand ich auch die Blätter, auf denen er lyrische Texte mit Bildern kombinierte: wo dann der Text selbst zur reinen Bild-Struktur und das Abgebildete zur Sprache wird. Das gefiel mir.
Anschließend trafen wir uns noch bei Rudi zu Kaffee und Kuchen und zu Gesprächen, die vom privaten und allgemeinen, von Leben und Tod, Reisen und Wohnen reichten: ein wahrer Kosmos, nicht künstlerischer, sondern kommunikativer Art. Wir alle, ob Künstler oder Schwule (oder beides oder nichts von alledem) bewegen uns ständig in einem ganzen Kosmos von Informationen, Wahrnehmungen und Rätseln: und die machen das Leben aus.
Lasst uns schauen und sprechen, lachen und lieben, reden und zuhören. Picasso hat gelebt und das sehr intensiv und er war als Mann sehr aktiv, in jeder Hinsicht, das sieht man auch seinen Bildern an: sie stellen Lust am Leben dar, und das Leben leuchtet, selbst in seinen schwärzesten Momenten.
Schließlich gingen einige von uns noch zum Queer-Gottesdienst. Wir sind anders und wir gehören dazu. Und meinem Schatz konnte ich von einem schönen Nachmittag berichten. Und das Glück, wo es ist, ist grenzenlos.
Gregor Blazewski
Am Freitag, 08.06.01. um 20:30 Uhr im KCM
(bei gutem Wetter im Freien)
Da uns letztens unaufgefordert eine CD ins KCM geschickt wurde, die zudem noch durch ihren schwulen Inhalt glänzt, möchte ich auch nicht zögern, dem geneigten Leser hier eine kleine Rezension zu bieten.
Das Werk heißt also Boys aus Germany und wurde von dem bis dato weitgehend unbekannten Künstler Lothar Dahm-Marthinussen eingespielt. Es handelt sich hier um eine Single-CD mit drei, nun ja, sagen wir mal etwas überraschenden Stücken. Das erste davon nennt sich Be Proud und bei den ersten Tönen muß man unwillkürlich an den unschönen Synthesizerklang von 80er-Jahre-Verbrechen wie The Final Countdown denken.
Doch wie schnell legt sich dieser Schock, wenn man feststellt, dass es sich hier keineswegs um eine unbekannte Melodie handelt, nein - ein kleines englisches Duo namens Pet Shop Boys hatte mit just dieser Melodie auch schon mal einen Hit, nur hieß er da Go West. Und das ist ja nun schon ein ziemlich mutiges und neuartiges Unterfangen, dieses Lied in einem schwulen Kontext zu bringen. Großen Spaß machen aber auch die zahlreichen grammatikalischen Fehler in Lothars Englisch, sowie seine etwas eingedeutschte Aussprache, offensichtlich eine Reminiszenz an Helmut Kohl.
Doch kaum hat man dieses Werk hinter sich geht es nahtlos weiter mit dem Titel Boys aus Germany, laut Presse-Info der ultimative Gay-Partykracher zum Abtanzen, Absingen und Abschunkeln!!! Auf allen diesjährigen CSD´s der Knaller in den Discos, Bar´s und Cafe´s und das sollte man sich dann doch mal auf der Zunge zergehen lassen. Denn auch dieses kleine Liedchen besticht durch ultrafiesen Bontempisound, klingt zunächst nach Musikantenstadl und dann merkt man auch schon, wie das Grauen kalt den Rücken hochkriecht, sobald man die Melodie erkennt: Es handelt sich hier um eine Coverversion vom Anton aus Tirol. Da muss dann auch nicht mehr viel zu geschrieben werden, da reichen dann doch einige Textauszüge, wie Wir sind so smart/ so scharf wie nie/ wir sind die Boys aus Germany, wobei Germany natürlich Schör-määh-ni ausgesprochen wird. Schön ist auch In der Szene ist bekannt/ Jungens gibt's in jedem Land/ doch soll's was besonderes sein/ müssen sie aus Deutschland sein/ lustig und voll Temperament/ weltoffen, scharf wie verklemmt. Der Sinn dieser Zeilen erschließt sich mir nicht wirklich, dafür hat es aber auch keinen Reimfluss. Heiter wird es aber wieder wenn Lothar Cool auf Schwul reimt oder Zeilen singt wie Überall da will man sie/ Geile made in Germany.
Das ließe sich hier ohne weiteres fortsetzen, doch gibt es ja noch ein weiteres Lied zu kommentieren nämlich, und jetzt kommt's, Boys aus NRW! Es handelt sich eigentlich um genau das gleiche Lied, nur heißt es hier eben Wir sind so smart/ wir sind o.k./ wir sind die Jungs aus NRW. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Lothar ein kleines Problem mit dem Halten von Tönen hat, was hier aber kaum noch ins Gewicht fällt. Leider gibt es diese CD wohl auch vorläufig nicht im Handel zu kaufen, wohl aber zu bestellen und zwar bei:
Iris Sander
Völklinger Str. 13b
45481 Mühlheim an der Ruhr
oder per mail unter: sunny51097@t-online.de
Wem das zu kompliziert ist, der kann dieses Kleinod aber auch gewinnen: Einfach eine Postkarte oder Mail an den Zauberhut, Stichwort Meine Ohren sind mir egal.
Martin Enders
Am Freitag, 15.06.01. um 20:00 Uhr im KCM
Filmarchiv bei wuerzburg.gay-web.de
Filmarchiv bei eurogay.de
Wenn ein Film den amerikanischen Kassenknüller Titanic versenkt und mehr Kohle einspielt in einem Land als der gleichzeitig auslaufende Pott, dann weckt das das Interesse der amerikanischen Filmwirtschaft. Diesmal waren es die Erben von Onkel Walt, die feststellten, dass der Zeichentrickfilm Prinzessin Mononoke in Japan Swetheart Leonardo DiCaprio und Pummelchen Kate Winslet an der Kinokasse geschlagen hat. Die Micky-Mäuse sicherten sich die Vertriebsrechte an dem Film - und zogen ihn erst mal aus dem Verkehr.
Doch nun ist der japanische Trickfilm auch in Deutschland angelaufen, und es zeigt sich, dass die Japaner so dumm nicht waren, als sie Geschichte um den Kampf der Menschen gegen die phantastische Tierwelt dem Untergangsdrama vorzogen.
Die Geschichte spielt irgendwann in Japan am Ende des Mittelalters. Der junge Prinz Ashitaka ist Abkömmling eines vor Jahrhunderten geschlagenen und verbannten Volkes. Als ein riesiger Keiler sein Dorf angreift, tötet er das Vieh, wird aber vom Dämon des Tiers befallen, der sich nun langsam in seinem Körper ausbreitet. Der junge Krieger macht sich auf den Weg, um den Ursprung des Dämons zu finden, in der Hoffnung, er könne ihn so wieder loswerden.
Er landet in einer Siedlung einer starken Herrin, die Metalle in einem Wald fördert und Schusswaffen herstellt. Unterstützt wird sie dabei vor allen Dingen von ehemaligen Prostituierten, die ihrer Herrin treu ergeben sind, aber ihre Blicke auch nicht vom jungen Kerl lassen können.
Schon bald gerät Ashitaka in die Auseinandersetzung der Menschen mit den Tieren des Waldes. Um ihre Metalle ungestört abbauen zu können, müssen die Tiere des Waldes vertrieben werden. Diese sind aber keine besonderen Tiere, es sind kräftige und große Gestalten, die unter dem Schutz des Waldgottes stehen, einem hirschähnlichen Wesen. Neben den Wildschweinen setzen die Wölfe den Menschen am meisten zu; unter den Wölfen befindet sich Mononoke, eine junge Frau, die den Tieren bei ihrem Kampf hilft.
Es kommt, wie es kommen muss: die Tiere greifen die Menschen an, die Menschen gewinnen die Schlacht, aber einige Menschen spielen falsch, denn es geht ihnen nicht um die Waffen und das Metall, sondern um den Kopf des Waldgottes. Das Spiel endete in einer wilden Verwüstungsorgie. Und wenn es Ashitaka am Ende auch gelingt, seinen Dämon loszuwerden, die schöne Mononoke bekommt er nicht.
Der Film bietet gelungene Unterhaltung. Er verlässt die üblichen Pfade solch kriegerischer Filme, ohne unkonventionell zu wirken. Souverän nutzt er die Möglichkeiten des Trickfilms und setzt auf Effekte, die in einem realen Spielfilm nur mit Mühe und viel Geld zu bekommen wären.
NK
In den achtziger Jahren, die etwas älteren und gesetzteren Mitglieder des KCMs werden sich erinnern, tauchte in der Öffentlichkeit ein junges Ding auf, das trieb regelmäßig eine Sau durchs Dorf, worauf sich die Klatschpresse begeistert stürzte. Die junge Frau war nicht sonderlich klug, und über ihre Schönheit lässt sich gerade in Schwulenkreisen streiten. Indes war der Pappi Graf und sie selbst ehelichte einen steinreichen alten Fürsten. Und also doch nicht ganz so dumm.
Gloria von Thurn & Taxis erfreute die Herzen dankbarer Leser und Leserinnen der gelben Presse mit immer neuen Zoten und abstrusen Geschichten.
Bis, ja bis ihr Gemahl erst ein neues Herz und dann einen Sarg brauchte.
Fortan kümmerte sich Ihre Durchlaucht um das fürstliche Vermögen, räumte die Dachböden der zahlreichen Schlösser auf und verscherbelte das überflüssige Mobiliar für viel Geld, um so die fällige Erbschaftssteuer wieder reinzubekommen.
Kurz: es wurde in den neunziger Jahren still um die durchlauchtigste Katholikin.
Das neue Jahrtausend brachte der nicht mehr ganz so taufrischen Fürstin neue Erkenntnisse. Zunächst erfuhr sie, dass der junge Fürst, ihr lieber Sohn, sich mit Bürgerlichen abgibt und sich mit diesen prügelt (vermutlich weil Ernst August von Hannover zu oft in Monaco weilt).
Und weil dies für Durchlaucht noch nicht genug an Erkenntnissen war, ließ sie das staunende Volk in der Talkshow von Michel Friedman wissen, wieso sich Aids in Afrika so rasant verbreitet. Die Afrikaner, so leuchtete es Durchleucht ein, schnackseln halt zuviel! Mochte Friedman tapfer dagegen halten, dass auch Nicht-Afrikaner gerne und viel schnackseln, hatte er gegen Gloria keine Chance. Schnackseln, so ließ die Fürstin wissen, täten andere auch gerne, aber bei den Afrikanern werde dies durch das Wetter, durch die Wärme befördert! Und deshalb eben Aids.
So einfach ist das aus der Sicht einer neidischen Fürstin, die, so hoffe ich als guter Katholik, schon lange in ihrem Witwen-Dasein nicht mehr geschnackselt worden ist. Daher mein Rat an Gloria: Ab nach Afrika, Kondome mitnehmen, und dann .... ja, dann müssen wir nicht ihr Gerede hören.
NK (der Autor hofft auf einen warmen Sommer, des Schn...s wegen)
Nein, lieber Stefan,
zur Be(un)ruhigung Deiner besseren Hälfte: Du bist nicht die Archivmaus. Vielleicht wirst Du es mal!?
Nichts vermag...
Nichts vermag mich zu erstaunen bei einer Frau, die nur zufrieden ist, wenn sie von allen bewundert wird. Sie zehrt von der Liebe der anderen, doch sie ist unfähig, die ihre zu geben. J. M. Fajardo; Der Korsar - Ein hübscher, lebensnaher Gedanke, so finde ich.
Michael
Geliebter,
dein Haus als Pfand für den Diamantring ist der Bank zu wenig. (Und dem Satz-Mann auch!). Aber die Besichtigung des Hauses hat mir und meiner Begleitung gefallen.
Der Zauberhut grüßt...
dem Filmclub. Fünf Jahre sind eine lange Zeit in der schwulen Szene, wo weniges Bestand hat. Also, Mädels: auf die nächsten fünf(-zig, -undzwanzig...) Jahre!
Zum Kummer des Zauberhuts...
wurden Jesus & Johannes, das bekannte Liebespaar des 1. Jahrhunderts n. Chr., aus dem Schaufenster genommen. Sie wurden uns als Plastik nur gezeigt, nicht geschenkt!
Liebe Grüße...
an Peter Kramer, immer noch in schwerer Zeit.
Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Redaktion: Michael Heß, Michael Karshüning, Norbert Korfmacher (ViSdP), Olaf Eigenbrodt
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de
Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 1200
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats
Texte, die veröffentlicht werden sollen, gebt bitte in lesbarer Form als
Dateianhang im txt- oder rtf-Format an den zauberhut@muenster.gay-web.de