Schwules in Münster - April 2001

 

Salve,

Aschermittwoch war ich im Stadtarchiv Dülmen. Dort stimmten sich die guten westfälischen Katholiken auf den Beginn der Fastenzeit ein. Man kredenzte Struwen. Neugierig griff ich zu. Es ist eine Art zuckersüßer kleiner Pfannekuchen. Da dämmerte mir, dass die braven Katholiken Westfalens zu leiden verstehen: während der Wert des Fastens in hohen Tönen gelobt wurde, schob man sich die Fastenmahlzeit in den Mund. Fazit: Katholiken verstehen zu leben.

Schwule verstehen das auch. Deswegen fasten wir am Karfreitag in der Reihe mit. Die Jungs von Gay & Grey organisieren ein spartanischen Struwenessen, und ich gräme mich, weil ich nicht dabei bin. Dabei bin ich jetzt auf den Geschmack gekommen.

Sicherlich gibt es bei diesem Hungermahl auch neuen Klatsch & Tratsch über den zu wählenden Vorstand. Bei der Redaktion ist bis zur Stunde auch kein Vorschlag für eine zünftige Krise zur ordentlichen Belebung des Vereins eingegangen. Was zur Folge hat, dass das schöne Buchpräsent nicht vergeben werden kann. Eigentlich schade!

Warme Grüße
Norbert

 

 

Aprilscherz

Immer, wenn es der Christen-Union schlecht geht, greifen die Konservativen zum Holzhammer. Das sind gute Deutsche gewohnt, unsere Geschichte ist voll mit solchen Abscheulichkeiten. Zuletzt mühte sich Friedrich Merz darum, das Publikum zu unterhalten. Er gab nicht nur Possen aus seinem Leben preis (er hatte in seiner Jugend lange Haare, hat geraucht, ein bisschen demoliert, ist in der Schule sitzen geblieben und vermutlich auch mal am hl. Sonntag nicht zur Kirche gegangen) und erweiterte unseren Horizont durch den Begriff „Leitkultur”, den er für die deutsche Kultur Goethes, Schillers & H.....s verstanden wissen will.

Nun wissen wir alle (und der Sauerländer Merz weiß es auch, seit er wieder regelmäßig zur Kirche geht), dass Deutschland ein christliches Land ist, jedenfalls in der trüben Theorie. Und da es den Christdemokraten im Lande wegen der diversen Skandale immer noch schlecht geht, könnte der freche Fritz auf die Idee kommen, das Christentum in die politische Tat umzusetzen und etwas gegen die Verwilderung der Sitten zu tun (denn er raucht ja auch nicht mehr, und seitdem sind wenigstens seine Pickel weg). Ein entscheidendes Element des Christentums, welches diese Religion von vielen anderen unterscheidet, ist die Unauflöslichkeit & die Heiligkeit der Ehe. Wer einmal den Bund des Lebens eingegangen ist, so ungefähr sagte einst Jesus, der wird die bessere Hälfte erst durch den Tod los.

Um nun diese guten christlichen Tugenden wieder in der Praxis zur Geltung zu bringen, könnte der wilde Sauerländer auf die kühne Idee kommen, und die christliche Institution der Ehe für Nicht-Christen sperren. Beispiel: die Juden. Den Juden ist die Ehe auch heilig, aber nicht so heilig, denn Ehescheidung ist möglich. Aha, sagt Klein-Fritzchen, die meinen das nicht ernst, also schaffen wir für Juden, die kopulieren wollen, ein besonderes Gesetz, welches auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten wird: schaffen wir ein eigenes Institut für dergleichen. Und da Frühling ist, würde Merz vorschlagen, dieses Institut „Eingetragene Partnerschaft für Juden” zu nennen. Lightkultur eben.

Welch Woge der Empörung würde über unsere Republik schwappen! Die Sozialdemokraten, die schon zu Zeiten Johann Jacobys gegen Antisemitismus und für Demokratie kämpften, würden sich ihres streitbaren Ahnherren erinnern, und mit lautem Spektakel die Union in die Enge treiben. Schließlich hat die SPD eine historische Erfahrung im Kampf für die Emanzipation, und die lässt sie sich nicht nehmen. Die Grünen wären entsetzt. Mit großem Erfolg haben sich ihre Heroen vom Straßenkampf und der Revolution abgewandt, haben ihre Wählermassen (na ja, Massen ...) an die bürgerliche Gesellschaft herangeführt und sich selbst an eben diese mit Pensionsanspruch angepasst. Welch Geschrei würde der grüne Rechtsexperte Volker Beck erheben, ein Meister der Assimilationspolitik. Er würde die Union und ihren Fraktionsführer in Bausch & Bogen verdammen. Zu Recht verdammen! Denn ein solches Gesetz würde den Juden nicht die gleichen Rechte wie den Nicht-Juden einräumen, sondern würde sie durch ein Sondergesetz ins Ghetto sperren.

Nun die gute Nachricht im April. Der Union geht es immer noch schlecht, aber Friedrich Merz ist kein Antisemit, und solch blöde Vorhaben kommen ihm nicht in den Sinn! Diese Leidkultur erspart er sich und uns.

Mehr noch: Ein Gesetz über eingetragene Partnerschaften ist im Bundestag überhaupt nicht diskutiert und auch gar nicht verabschiedet worden!
Jedenfalls keines für Juden. NK

 

 

Poetry! Now!
Publikumspreis ermittelt

Am 9. März fand in „Ellen's Buchhandlung” in der Münzstraße die Lesung zum Publikumspreis von Poetry!Now! statt. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Unter diesem Namen veranstalten das KCM, LIVAS und anders leben in diesem Jahr den ersten schwul-lesbischen Literaturwettbewerb in Nordrhein-Westfalen.

Nachdem der kleine, gemütliche Raum im hinteren Bereich der Buchhandlung mit Zuhörer überschwemmt worden war und einige Nachzügler nur noch Stehplätze im angrenzenden Raum ergattert hatten, nachdem weiterhin die Gäste mit Wein und anderen Getränken bewirtet waren, begrüßte Olaf Eigenbrodt, Initiator und Organisator des Literaturwettbewerbs, das Publikum. Dieses sollte aus acht Beiträgen - je zur Hälfte aus den Sparten Prosa und Lyrik -, die eine Fachjury aus der Fülle der eingegangenen Texte nominiert hatte, die Literatur seines Gefallens erwählen.

Die zwei Frauen und fünf Männer (der sechste ließ sich durch Olaf vertreten), die ihre Texte selbst vortrugen, sorgten dafür, dass sich das Publikum keinen Moment langweilte. Eine bunte Mischung von Heiterem, Besinnlichem, Melancholischem und Bestürzendem belegte den hohen Qualitätsstandard lesbischer und schwuler Literatur in unserem Lande - für mich eine erstaunliche Erkenntnis. Inhaltlich reichte das Spektrum der Texte von verpassten Gelegenheiten bis zur Bewältigung von Trennungsschmerz, von schnellem Sex und großer Liebe bis zum alltäglichen Wahnsinn. Insgesamt ein wunderbarer Abend, von dessen Sorte es ruhig mehr in Münsters Szene geben könnte.

Auf dringenden Wunsch des Publikums wurden die Stimmzettel sofort ausgezählt und das Ergebnis verkündet. Wer dort war, kennt also den Sieger (übrigens auch mein Favorit) bereits - alle anderen müssen bis zur Preisverleihung warten. Diese findet am 6. April um 20.30 Uhr im KCM statt.
Peter Kramer

 

 

Mitgliederversammlung am 26.04.01

Am Donnerstag, dem 26.04., findet um 20 Uhr im KCM eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Nachdem auf der letzten MV im Februar kein neuer Vorstand gewählt werden konnte, da keine Kandidaten zur Verfügung standen, wird es diesmal anscheinend besser laufen: Einige Personen haben sich gefunden, die für die Vorstands- und Beiratsämter kandidieren . Somit ist die Vorstandswahl der einzige große TOP auf der MV. Es wäre schön, wenn auch DU von deinem Wahlrecht als Mitglied Gebrauch machen würdest!

 

 

Gay & Grey

Am 08.04. 15:00 Uhr, Besuch im Picasso Museum, MS, Königstraße, anschließend lädt unser lieber Rudi zum Kaffee ein. Bitte kurz anmelden!

Am 13.04. 15:00 Uhr, Traditionelles Struwen-Essen zum Karfreitag für ALLE Freunde des KCM, besonders eingeladen sind wieder die Thekenmannschaft, Kassenmannschaft und die Jungs von Gay and Grey. In diesem Jahr im Landhaus Oeding, nicht weit vom KÜ. Im KCM gibt's einen Anfahrtsplan. Leute mit und ohne Auto treffen sich zu Mitfahrgemeinschaften um 14.30 Uhr am Parkplatz vor der Landesbank an der Warendorfer Straße. Wir rechnen mit großer Beteiligung da schon weit über 20 Anmeldungen vorliegen, obwohl eine Anmeldung nicht erforderlich ist. Noch nie mitgemacht?? Unbedingt hin!!!

 

 

That´s New

First Contact

First Contact - so heißt die große neue Info-Wand im Treppenhaus des KCM, die für alle Informationen bezüglich Schwules und Lesbisches in und um Münster gedacht ist. Sie bietet einerseits allen Interessierten - auch diskreten - Zugang zu Informationen über Münsters Szene, zu Beratungsangeboten etc., und andererseits allen Gruppen und Initiativen Münsters die Möglichkeit , ihre Flyer, Broschüren, Plakate und dergleichen anzubieten.

Zum Umgang: freie Info-Boxen können selbstständig von den schwulen/lesbischen Initiativen `belegt´ werden; Plakate bitte im KCM- Büro abgeben bzw. in den Briefkasten werfen , da die Plakatkästen abgeschlossen sind! Vielleicht wird eure nächste Veranstaltung ja auch „Der Tipp der Woche”?

 

Join the party!

Die zweite große Haus-Party startet im KCM am 28. April: Wie schon vor einem halben Jahr zur Geburtstagsparty, wird es diesmal wieder im ganzen Haus abgehen: Zwei Dancefloors, Chill-Out (im JAZ-Café) und eine Happy Hour machen aus der Fete ein Event. Also: Join the party...

 

Sei mal aktiv im KCM

Die Kassenmannschaft braucht Verstärkung! Wolfgang braucht ein paar schnuckelige Jungs (ja, ja die braucht er immer...)für die Kasse an den Partyabenden. Wisst Ihr, dass dies der beste Job bei den Partys ist? An uns kommt keiner vorbei, jeder gibt uns sein Liebstes (DM 7.00)! Es macht Spaß an der Kasse! Sprich Wolfgang einfach an, Danke!

 

Rechtes Bein, linkes Bein

In Zukunft führt Martin Schwule nicht mehr im Takt, sondern Schüler. Dafür wünscht ihm der Zauberhut viel Glück.

 

Fahr-Service

Wer, weil er kein Auto oder kein Fahrrad hat, oder der Weg mit dem Fahrrad zu weit war, und deshalb die Feten im KCM und Umgebung nicht, oder nur selten besuchte, für den gibt es jetzt eine Lösung. Die Stadtbusse fahren jetzt auch nachts noch, zumindest in der Nacht von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag. Das sind ab Mitternacht Linien mit anderen Liniennummern, die einen etwas anderen Fahrweg haben als die Linien die tagsüber und abends fahren.

Die Ein- und Ausstiegshaltestelle für die Feten im KCM, Triptychon und Dockland ist Halle Münsterland.

Die HINFAHRT am Abend/späten Abend erfolgt wie gehabt, also wie bekannt. Das wird ja schon länger in Anspruch genommen (die Leute mussten dann zurück per Taxi fahren).

Die Rückfahrt, also spät nachts, macht jetzt die Linie N 84. Sie fährt stündlich, 0.54, 1.54, 2.54 Uhr ab H-St. Halle Münsterland, zum Hauptbahnhof. Ankunft jeweils 1, 2, 3 Uhr. Vom Hauptbahnhof aus besteht Anschluss mit anderen Linien in alle Stadtteile Münsters. Diese Linien fahren alle 1.05, 2.05, 3.05 ab.

Das heißt also, so wie man mit dem Stadtbus zum KCM hinfahren kann, so kommt man spät nachts auch wieder weg. Das ist neu!

Man kann die Feten im KCM dann nur nicht bis 4 Uhr ausschöpfen. Man muss sich etwa 20 vor drei auf den Weg machen, um rechtzeitig an der Haltestelle zu sein.

Die weiteren Fahrverbindungen, also das Umsteigen in die anderen Linien, um bis nach Hause zu kommen, sind zu entnehmen aus den Fahrplanheften und Tabellen der Stadtwerke. Die Preise sind natürlich die normalen bekannten Fahrpreise, also alle Fahrausweisarten, also auch das Semesterticket.

 

 

In memoriam: Eddie Holthuis

Mancher wird ihn noch kennen: Eddie Holthuis vom niederländischen Radio Oost. Im Programmteil „Roze Golf” dokumentierte Eddie jahrelang das warme Geschehen auf beiden Seiten der Grenze. Bewaffnet mit Aufnahmekoffer und Mikrofon, lebte er den Euregio-Gedanken auf leise Art mustergültig vor. Für Interviews und Reportagen kam er oft genug nach Münster, beinahe ungezählt sind unsere Kontakte in Enschede, Hengelo und umzu. Bedenkt man Eddies berufliche Belastung als Lehrer, wog sein ehrenamtliches Engagement um so schwerer. Das aus diesen Kontakten eine Freundschaft wurde, hatte viel zu tun mit seinem christlich-humanistischem Menschenbild. Man konnte mit ihm nach den Aufnahmen auch über sehr Persönliches sprechen. Selten sind Menschen wie er, der Nähe zu Anderen als Verpflichtung begriff, ohne in plumpe Aufdringlichkeit abzugleiten.

Eddies plötzlicher Tod vor zwei Jahren hinterlies in seinem Umfeld eine spürbare Lücke. Doch wir haben Eddie niemals vergessen und so führte uns unser Weg in den Achterhoek. Am 24. Februar gedachten in Aalten Freunde und Kollegen, Deutsche und Niederländer, Lesben und Schwule gemeinsam des engagierten Radiomachers. Kalt war es, ja. Unser Blumengruß illustrierte inmitten des Schnees das Fremde, Unfassbare der Situation auf eigene Weise. Doch die Sonne strahlte aus einem wolkenlosen Himmel - es hätte kein passenderes Zeichen geben können.

Man stirbt endgültig erst dann, wenn die Erinnerung schwindet. Vor zwei Jahren verloren wir einen guten Freund - schenken wir Eddie ein zweites Leben.
Michael Heß für die Niederlande-AG im KCM

 

 

AidsHilfe Münster

Aids ist für viele Menschen kein Thema mehr. Für nicht wenige ist das Thema „Aids” aber immer noch aktuell oder hat eine ganz neue Brisanz bekommen, denn jeden Tag infizieren sich weltweit 16000 Menschen neu mit dem HI-Virus. In Münster sind schätzungsweise 200 bis 300 Münsteraner HIV-positiv.

Die Aidshilfe unterstützt seit 15 Jahren Menschen mit HIV und Aids. Anfang der 80er, als AIDS noch nicht bekannt war, bildete sich in Münster eine Regionalgruppe der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule im Gesundheitswesen (BASG), in der sich schwule Ärzte, Krankenpfleger, Pädagogen und Psychologen engagierten, in der also persönliche Betroffenheit und Fachkompetenz sich ergänzten. Als 1983 und '84 die ersten Meldungen über eine neue, sich besonders unter Schwulen ausbreitende Krankheit aufkamen, konnte niemand ahnen, dass sich diese neue Krankheit namens AIDS zu der Gesundheitsgefahr für die ganze Gesellschaft entwickeln würde.

Die AidsHilfe Münster befindet sich nach einigen Umzügen in der Schaumburgstraße. Auffallend weht die Regenbogenfahne am Haus und signalisiert: „Hier wirst Du so akzeptiert wie Du bist!” Die Aidshilfe und der Förderkreis haben inzwischen ca. 400 Mitglieder. Organisiert und koordiniert wird die Arbeit von vier hauptamtlich Angestellten und zwei Zivildienstleistenden. Diese Koordination ist auch nötig, denn sechzig Ehrenamtler engagieren sich in den Bereichen Betreuung, Beratung, Prävention und Selbsthilfe. Mit dieser hohen Zahl von Freiwilligen liegt Münster bundesweit ganz vorne.

Die Arbeit der Aidshilfe ist vielseitig. Da werden zuerst einmal mit dem HI-Virus infizierte Menschen betreut. So werden zum Beispiel Positive im Krankenhaus besucht oder bei Gesprächen mit Behörden begleitet. Außerdem gibt es innerhalb der Aidshilfe zahlreiche Kontaktmöglichkeiten für Menschen mit und ohne HIV-Infektion. Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen, fehlende (Lebens-)Perspektiven, Beziehungsprobleme, oder sexuelle Schwierigkeiten können Thema in der Beratung oder auch in der Selbsthilfegruppe sein. Zur Zeit betreut die Aids-Hilfe Münster etwa achtzig Menschen mit HIV und Aids. Zweimal im Monat treffen sich Menschen mit und ohne HIV, Hauptamtler, Ehrenamtler & Besucher beim Regenbogen-Frühstück. An jedem 2. und 4. Samstag trifft sich im „Na und” das Regenbogen-Cafe. Hier gibt es die Möglichkeit Freunde zu treffen, zu reden oder einfach nur Spaß zu haben.

Neben der Betreuung ist die Beratung ein wichtiges Arbeitsfeld der Aidshilfe. Von Montag bis Donnerstag bietet die Aidshilfe zwischen 14 und 18 Uhr persönliche und telefonische Beratung an. Die Zahl der Beratungen ist in den letzten Jahren konstant geblieben, obwohl sich viele Menschen besser informiert fühlen als früher.

Die Aidshilfe ist regelmäßig mit Info-Ständen in der Münsteraner City präsent. Außerdem spielt die Präventionsarbeit in Schulen eine große Rolle. Wenn möglich wird auch mit Jungs und Mädchen getrennt gearbeitet, um besser auf besondere Fragestellungen eingehen zu können. Das Team der Aidshilfe versucht die Informationen jugendgerecht rüberzubringen und so wird aus trockener Theorie schon mal ein „Safer-Sex Quiz”.

Nach der Aids-Hysterie in den Achtzigern folgte eine Zeit der Gleichgültigkeit. Ungeschützter Geschlechtsverkehr nimmt wieder zu und selbst „Vorbilder” wie Boris Becker und Franz Beckenbauer, zeigen mit ihrem ungewollten Nachwuchs, dass sie auf Kondome verzichten. Die Zahl der Neuinfektionen nimmt relativ gesehen vor allen Dingen bei Heterosexuellen, und hier besonders bei Frauen zu. Zwar hat die Medizin gewaltige Fortschritte gemacht, aber noch ist Aids eine tödliche Immunschwächekrankheit. Der Tod lässt sich allerdings durch Medikamente erheblich hinauszögern. Der Preis dafür sind zum Teil starke Nebenwirkungen und ein durch die Therapie aufgezwungener Lebensrhythmus.

Die Finanzierung der Aids-Hilfe erfolgt zu etwa achtzig Prozent durch die öffentliche Hand, der Rest muss durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Benefizveranstaltungen aufgebracht werden. Ein Highlight ist dabei der Husch-Ball, der alle zwei Jahre stattfindet. Die Idee zu dem Ball stammt aus der Prostituierten-Selbsthilfegruppe Straps und Grips, die mit der Aidshilfe zusammen diesen Ball ins Leben rief. Schon der erste Ball 1990 war ein großer Erfolg. Wegen des Aufwands wird der Husch-Ball nur alle zwei Jahre aufgezogen. Für alle, die nicht genug davon bekommen können, gibt es dazwischen die „kleine Schwester”, die Husch-Party. Beide Veranstaltungen sind für die Aids-Hilfe eine Möglichkeit, in der Öffentlichkeit für ihre Anliegen zu werben.
NK

 

 

Regenbogen-TV-Termine

  • Mittwoch, 18.04. 18.30 Uhr und 19.30 Uhr Regenbogen-TV, das schwule Magazin im Stadtfernsehen tv münster, Kabelkanal 3
  • Mittwoch, 18.04. 22.00 Uhr Regenbogen-TV Videovorführung im KCM Schwulenzentrum, Am Hawerkamp 31
  • Samstag, 21.04. 18.30 Uhr,
  • Sonntag, 22.04. 18.30 Uhr jeweils auf tv münster (Wiederholung vom Mittwoch)

 

 

HUK-Café mit Themenabend

Der Jakobsweg, Sonntag 01.04., 18:00 Uhr

Ein persönlicher Erlebnisbericht von einer Pilgerfahrt eines Protestanten unter katholischen Pilgern.

Treffpunkt: Fliednerhaus (Ev. Trinitatisgemeinde), Fehrbellinweg 6, Münster, 1. Stock (Hintereingang)

HuK-Kontakt: Oliver Cordes, Peterstraße 2, 48151 Münster, Tel.: 0251/7987616

 

 

Dublin without commitments

„England light” war die Vorstellung vor dem Trip auf die grüne Insel. Auch wenn die sich in der kalten Jahreszeit mehr braun getönt zeigt und Dublin nicht immer die irische Lebensart wiedergibt, lohnt ein Besuch der irländischen Metropole. Die eigentliche irische Sprache ist Gälisch und hat mit dem Englischen nichts zu tun. Auf Gälisch heißt Dublin Baile Athacliath (und Irland Eire), doch gesprochen wird es ganz anders. Englisch ist allerdings die dominierende Sprache; neben dem Linksverkehr wird wenigstens dieses Erbe bleiben.

Denn erkundet man Irland, spürt man schnell die antienglischen Ressentiments. Auf allen Ebenen wird ein beharrlicher Fight geführt, der auch „Engländer” meint. Peinlich genau wird zwischen diesen sowie Schotten oder Walisern unterschieden. „Wir Iren mussten nur gegen die Engländer Krieg führen. Den aber über Hunderte Jahre” erklärte mir Brian die Situation, die sich nur aus der blutgetränkten Geschichte des irisch-englischen Kontaktes erklären lässt. Folgerichtig gehören die Iren zu den konsequentesten Befürwortern der Europäischen Union. Schließlich verspricht man sich davon noch weniger Möglichkeiten einer englischen Beeinflussung. Ohnehin ist die irische Wirtschaft seit Jahren die schnellstwachsende europäische Volkswirtschaft. Unter der trügerischen Oberfläche einer gemeinsamen Sprache und mancher ähnlicher Sitten grenzt sich die irische Gesellschaft nachdrücklich gegen den östlichen Nachbarn ab.

Das warme Dublin zeigt sich hingegen auf Münsteraner Niveau. Zwei, drei Pubs, eine Diskothek, einige Saunen und die Cruising Areas natürlich. Als Zentrum schwul-urbaner Kneipenkultur gilt „The George” . Das Lokal präsentiert sich als urgemütlicher Pub. Die Musik zwischen Abba und U 2 bietet einen reizvollen Kontrast zur georgianischen Einrichtung. Eine veritable Auswahl schwuler Literatur findet man in Waterstone's, und Cruising Areas gibt es im Dutzendpack. Die einzige Lederbar der Stadt (und vermutlich der Insel) ist zur Zeit leider geschlossen. Mit dem pompösen Wellington Monument besitzt Dublin das - wie Brian scherzhaft meinte - größte Schwulendenkmal der Welt und eine viel kleineres für Oscar Wilde fehlt auch nicht. Ein Generalissimus gibt eben mehr her als ein popliger Literat. Die letzten gesetzlichen Schranken fielen in Irland 1993 und heute gehört es zum guten Ton, dass die Staatspräsidentin offiziell auch Delegierte der nationalen Homoorganisationen empfängt. Mehr Informationen bietet der Spartakus. Besser, weil aktueller, bekommt man Infos über die Internetseiten des Gay Switchboard Dublin (Adresse nachfolgend). Findet sich dort nicht die gewünschte Information, kann man sich nach Bedarf weiterhangeln.

Nur Dublins schwule Szene zu erleben, heißt allerdings, das Sehenswerte zu verpassen. Oft kann man von der Spiritualität der irischen Gesellschaft lesen und tatsächlich schwingt in Dublin viel davon mit. Beckett, Heaney, Joyce, Shaw, Swift, Wilde und Yeats - keine andere Stadt hat so viele großartige Literaten hervorgebracht. Für die populäre Kultur stehen Namen wie die Cranberries, U2, Morrison und Braghan. Empfehlenswert ist stets ein Besuch der vielen Theater, wofür Krawatte und Jackett übrigens nicht erforderlich sind.

Eine ganz besondere Institution ist Bewsley's Café in der Grafton Street. Dort kommt man garantiert mit Heimischen ins Gespräch und das handgemachte Fudge muss man einfach probiert haben (was Süßspeisen betrifft, haben sie auf den Inseln wirklich den Dreh raus)! Das gilt ebenso fürs Bier. Wie anders ein Draught Guinness in Irland schmeckt und warum das so ist, das schmecke und frage man am Besten vor Ort. Slainte!

Einen anderen Knüller bietet Fitzsimmon's Temple Bar mit irischer Musik und Tänzen. Mit etwas Glück erlebt man dort on stage Mitglieder von Michael Flatley's Ensemble - sagte mir ein Ire am Tresen. Nach eigenem Erleben der Tanzkünste glaubt es der Verfasser gerne. Traditionell wird in den Pubs vor allem am Montag irische Musik geboten, doch bieten viele Lokale diese Möglichkeit mehrfach wöchentlich. Kommt man schließlich nach Hause, rundet ein abschließender Blick in die Röhre den Morgen ab. Wer mit dem Niveau deutscher Gameshows und Soaps keine Probleme hat, dem wird auch das irische Fernsehen gefallen. Zwischendurch sendet Dublins warmer Kanal Dienstags von 14 bis 15 Uhr auf UKW 104,9.

Am Ende die Danksagungen. Dem Pub „The Wicked Wolf” in Blackrock für die gemütlichen Stunden, Brian für seine sachkundigen Führungen (nicht nur) durch das schwule Dublin und ganz besonders Diane für unsere Touren durch Dublins Pubs und Subszenen. Diane, du bist eine der eindrucksvollsten Erfahrungen meiner letzten Jahre.
Michael Heß

Infos zur schwulen Szene: www.iol.ie/gsd
Infos zu Dublin allgemein: www.hoi.ie/dubguide
Wechselkurs DM zu I£: 2,48 DM = 1,00 I£

 

 

Die Webseite von SchMacht,

...autonomes Netzwerk lesbischer und bisexueller SM-Frauen - hat ein neues Gesicht. Und nicht nur das: auch die Inhalte haben sich verändert. So gibt es neue Geschichten und Gedichte und nun endlich auch Fotos. Die Termine sind nun in solche in Deutschland und jene in anderen Ländern unterteilt, ebenso die Infos zu Gruppen. Neu hinzugekommen ist die SM-Akademie sowie ein FAQ. Und da ist noch mehr zu entdecken...

Doch seht selbst unter: http://stadt.gay-web.de/schmacht/. All dies ist wird sich zukünftig natürlich immer wieder verändern und die Webmistress freut sich über Beiträge zu allen Bereichen der Site.

 

 

Wie ein erfrischendes Sommergewitter

Klischees sind schwer totzukriegen. So auch jenes vom plüschigen Musikgeschmack der Homos zwischen Diven und Mainstream. Das und wie gut es anders geht, zeigen die alternativen schwul-lesbischen Partys der regionalen DIN-A-QUEER im KCM-Nachbarn Tryptichon. Nach einer proppevollen Premiere fiel am 2. März die zweite Klappe. Der Club war erneut gut gefüllt, die Preise sehr moderat, die Turntables gut ausbalanciert und das Publikum zufrieden. Die einzelnen Tracks kamen wie erhofft übers Volk: Kurz, heftig und erfrischend wie ein Sommergewitter. Von den Manic Street Preachers über die Smashing Pumpkins und Nirvana bis zu Laibach ein konsequentes Crossover jenseits von Plüsch & Mainstream. Man wünscht sich in der aktuellen Partysituation wirklich mehr von diesen Events. Und den Veranstaltern weiterhin ein volles Haus.
Michael Heß

 

 

Lesung mit Olaf Eigenbrodt

Poetry!Now! - Preisverleihung

Am Freitag, 06.04.01. um 19:30 Uhr im KCM

 

 

Rezension

Asterix und Latraviata

Seit über vierzig Jahren zogen Asterix und Obelix durch die gallischen Wälder, ohne dass Frauen ihr Privatleben störten. Sicher: die schöne Falbala verdreht kurzzeitig einmal Obelix den Kopf, aber ihr Herz gehörte dem tumben Tragicomix. In „Asterix als Legionär” mussten sie den Schönling aus den Klauen der römischen Armee befreien, die sich gerade selbst zerfleischte, denn im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius wurde jeder Mann gebraucht.

Der neue Asterix-Band schließt dort an. Der Bürgerkrieg in Rom geht munter weiter, aber Pompeius hat zwei wichtige Utensilien verschlampt, die die Eltern von Asterix und Obelix ihren Sprösslingen zum Geburtstag verehrt haben. Die Mütter der Helden tauchen im bekannten Dorf auf, um den Söhnen zu gratulieren und bei der Gelegenheit auch dem Junggesellen-Dasein der beiden ein Ende zu machen.

Zu ihrem Verdruss taucht die besagte Falbala auf, um den Helden schöne Augen zu machen. Die schönen Augen sind allerdings falsch, denn im Auftrag von Pompeius wurde eine Schauspielerin engagiert, um Falbala zu spielen und so an die Gegenstände zu kommen.

Am Ende fliegt der Schwindel auf, zahlreiche Römer bekommen Prügel, ein Piratenschiff taucht auf und am Ende gibt es das obligatorische Festmahl. Freunde von Männerpaaren können getrost aufatmen: Asterix und Obelix bleiben unbefraut!

Der 31. Band der Reihe ist gutes Mittelmaß, wirklich gelungen ist er nicht. Das liegt auch an der Übersetzung, die auf bekannte Sprüche der Gegenwart setzt. Das Kanzlerwort „Hol mir mal `ne Flasche Bier.” ist in ein paar Jahren verflogen, und auch Franz Beckenbauers Werbespruch „Ja is' denn heut' schon Weihnachten?” mag heute komisch klingen, aber wer kennt den Spruch noch in zehn Jahren? Einzig eine abgewandelte Wahrheit bleibt für diese Comics ewig: „Manchmal, aber nur manchmal haben Römer ein ganz klein wenig Haue gern.”

Asterix und Latraviata (Asterix, Band 31),
Egmont Ehapa Verla Berlin 2001.
NK

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

Jeffrey

USA 1995, Mit Steven Weber, Patrick Stewart u.a.

Nie wieder Sex - das ist es, was Jeffrey, schön, schwul, Single und erfolgloser Schauspieler, sich geschworen hat. Seit es dieses verfluchte Aids-Virus gibt, lohnen sich Risiko und Aufwand nicht mehr, redet er sich ein. Doch kaum ist der Entschluss gefasst, läuft ihm sein Traummann über den Weg. Er heißt Steve und ist HIV-positiv.... Nachdem Patrick Stewart als Captain Picard 7 Jahre durch den Weltraum geflogen ist, wollte er etwas vollständig anderes machen. Seine Rechnung ging auf. Regisseur Christopher Ashley gelang mit Jeffrey eine herrlich leichte Symbiose von Humor und Aidsproblematik, denn der Held stolpert mit viel Ironie, ohne aber jemals zynisch zu sein, durch seine Geschichte. Trotz seines traurigen Beigeschmacks strahlt der Film einen ungeheuren Optimismus aus: Solange wir Aids nicht beikommen, müssen wir lernen, damit zu leben, und das in vollen Zügen!

Freitag, 20. April 2001 ab 20 Uhr im KCM

 

Filmarchiv bei wuerzburg.gay-web.de
Filmarchiv bei eurogay.de

 

 

Das Letzte

Das Letzte gehört wieder der Bild-Zeitung. Dort bekannte Jenny Elvers: „Ich habe mein Leben verpfuscht.” Traurig, nicht wahr. Aber wer ist Jenny Elvers?

 

 

Kleinanzeigen

 

Der Redakteur des Zauberhuts...
entschuldigt sich bei Friedrich Merz, MdB. Er hofft auf die Nachsicht des Sauerländers.

 

Das unser Bücherausgeber...
verdammt straight wirkt, findet Michael.

 

Geliebter,
gerne bin ich Deiner Empfehlung gefolgt und habe mir den Ring schon mal ausgeguckt für meinen zierlichen Finger. Zahlst du mit Bargeld oder bietest Du dem Juwelier Dein Haus an? (Der Layouter braucht keinen Ring, er würde lieber das Haus haben.)

 
Kleinanzeigen können im
Zauberhut und bei muenster.gay-web.de
aufgegeben werden.

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Redaktion: Michael Heß, Michael Karshüning, Norbert Korfmacher (ViSdP), Olaf Eigenbrodt
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt abzudrucken.
Auflage: 1200
Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe jeweils am 10. des Monats

Texte, die veröffentlicht werden sollen, gebt bitte in lesbarer Form als
Dateianhang im txt- oder rtf-Format an den zauberhut@muenster.gay-web.de