wenn jemand in seinem Amt bestätigt wird, ist eine Gratulation angebracht. Soll man Michael Karshüning und seinen Vorstandskollegen gratulieren, darf man es? Sie amtieren in den nächsten Monaten gegen ihren Willen weiter, weil keiner die Arbeit machen wollte. In der MV fanden sich keine Nachfolger. Man darf nicht gratulieren! Indes fanden sich auch deshalb keine Nachfolger, weil die Herrschaften erfolgreich und gut im Vorstand gearbeitet haben. Man muss gratulieren!
In den letzten zwei Jahren hat es keine große Krise im KCM gegeben. Wie sind wir Mitglieder alle gerannt, als sich Frauen und Männer im Verein gefetzt haben. Die Frauen schieden aus und bilden ihren eigenen Verein (holen wir sie zurück?). Als es 1997 um das vereinsschädigende Treiben eines Vorstandsmitglieds ging, waren an die hundert Leute da, um auf einer spaßigen MV besagtes Vorstandsmitglied aus dem Verein zu schmeißen (holen wir ihn zurück ... äh, nein!). Zwei Jahre ohne Krise, nur 30 Mitglieder auf der KCM-MV, kein neuer Vorstand: was wir dringend brauchen, ist eine KRISE.
Nun endet meine Vorstellungskraft beim Zauberhut und seinen Problemen. Darum fordere ich alle Leser und Leserinnen (ja, die Damenwelt auch) auf, geeignete Vorschläge für eine schöne, runde Krise bei der Redaktion per E-Mail an norbert@bamby.de einzureichen. Das macht allen Spaß, auch denen, die mit der "Fun-Generation" (dazu im Heft mehr!) wenig bis gar nichts am Hut haben. Besonders gelungene Krisen-Vorschläge prämieren wir mit einem herrlichen Buchpräsent.
Warme Grüße
Norbert
Am 8. Februar war es soweit. Nach einem Jahr sollten die Mitglieder des KCMs wieder zusammenkommen und über den Verein und seine Zukunft beraten. Die Gegenwart des Vereins ist vielleicht nicht rosig, gut ist sie allemal.
Und das ist nicht zuletzt das Verdienst des Vorstands unter Michael Karshüning, der zwei Jahre lang kontinuierlich gearbeitet hat. Zusammen mit Wolfgang Knebel, Peter Kramer, Hermann Terborg und Fabian Löw hat Michael den Verein nach der Trennung von den Frauen (ein paar sind uns ja erhalten geblieben) auf eine solide Basis gestellt. Dazu kam noch die Mitarbeit der Beiräte im Vorstand und das Engagement vieler Ehrenamtler im Verein für die schwule Sache. Kurz: Alle waren mit dem Vorstand zufrieden. Indes hatten alle Vorstandmitglieder zu verstehen gegeben, dass sie nach zwei harten Jahren für diese Knochenarbeit nicht mehr zur Verfügung stehen würden.
Michael Karshüning gab auf der MV einen beeindruckenden Rechenschaftsbericht. Seine Beurteilung der momentanen Situation: die "Fun-Generation" plagt das Land. Für Spaß geben die Leute viel Geld aus, ehrenamtliche Arbeit steht nicht mehr im Mittelpunkt des Tuns, politisches Engagement ist gering. Auch das KCM müsse in Zukunft verstärkt darauf achten, dass dieses spaßige Element nicht zu kurz komme, so Michael, und er nannte Veranstaltungen im Hause, die dem Rechnung tragen.
Und dann wurde diese Analyse Realität! Der Vorstand wurde entlastet, seine Mitglieder verabschiedet, aber ein neuer Vorstand konnte nicht gewählt werden. Es fand sich niemand, der bereit war, die harte Arbeit zu übernehmen. In der nur mäßig besuchten MV (ca. 30 Mitglieder kamen) machte sich Unmut breit. Der Versuch, dem scheidenden Vorstand das Elend in die Schuhe zu schieben, musste misslingen: es ist nicht die Aufgabe des Vorstands, sich Nachfolger heranzuzüchten, so die Feststellung unter den Anwesenden.
Eine Lösung wurde gefunden: der alte Vorstand amtiert bis Mai weiter, dann wird sich das KCM (hoffentlich) einen neuen Vorstand geben können. Die Mitglieder sind aufgefordert, geeignete Kandidaten für diese zeitraubende, aber auch kreative Tätigkeit zu suchen und zu finden.
NK
Unter den schwulen Großstädten Deutschlands ragt Münster empor. Das mag für Leute, die sich in Berlin, Köln oder Hamburg tummeln, seltsam klingen, doch es ist so. Die Westfalenmetropole besticht durch den hohen Organisationsgrad der Schwulen, der eine jahrzehntelange Tradition hat. Zuletzt gelang es dem KCM vor anderthalb Jahrzehnten, viele schwule Schäfchen unter sein Dach zu versammeln.
Und diese Schäfchen haben seit der "Liberalisierung" des § 175 viel Papier produziert. Das meiste dieser bunten Blätter landete im Müll. Manches konnte bewahrt werden. Vor zehn Jahren bekam das KCM einen ganzen Packen Papier schwulen Inhalts der siebziger und achtziger Jahre. Um dieses Material zu verwahren und auszuwerten, wurde am 15. Mai 1991 der Arbeitskreis "Rosa Geschichten Münster" des KCMs gegründet. Dieser übernahm vom KCM die Pflege und den Ausbau der Sammlung.
Es kam, wie es kommen musste. Nach seiner Konstituierung und Ausstattung gab es den üblichen Brabbel und die Rosa Geschichten verabschieden sich vom KCM. Spätestens hier wäre m. E. eine gepfefferte Klage gegen die Betreiber der Rosa Geschichten fällig gewesen, aber die Gutherzigkeit des Großen siegte über die Vernunft. Öffentliches Tuckengezänk vor einem Gericht blieb uns erspart.
Viele Jahre später... Der Zustand war für beide Seiten unerquicklich. Die Gründungsmitglieder der Rosa Geschichten sind in den letzten Jahren in wohlsituierte Positionen gekommen. Die Arbeit lag bei Neuzugang Stefan Sudmann, der seit Jahren bemüht war, eine Einigung mit dem KCM herbeizuführen. Das KCM wollte das Material zurückhaben, der Rest der Rosa Geschichten wollte sich ein Mitspracherecht sichern und forderte eine umfassende Lösung, die andere Gruppen der hiesigen Homoszene nicht ausschließen sollte.
Heraus kam die Gründung des Schwullesbischen Archivs am 1. Februar 2001. Gründungsmitglieder sind das KCM, die Aids-Hilfe, der LSVD, das Lesbenreferat der FH und der Förderverein anders leben. Nach der Gründung wurden dann weitere Gruppen in das Kuratorium des neuen Vereins aufgenommen, darunter LIVAS und Regenbogen-TV. Der jährliche Mindestbeitrag für Mitgliedsgruppen wurde auf DM 50.- festgesetzt, den kleinen Gruppen wurde dieser Betrag jedoch entlassen. Auch der für Historiker lästige Datenschutz wurde beschworen. In nächster Zeit wird das Archiv wieder in die Räumlichkeiten des KCMs verlegt, wo Stefan Sudmann sie betreuen wird. Sudmann wurde von den Versammelten zum Vorsitzenden bestimmt, Peter Kramer zu seinem Kassenprüfer.
NK
Am 14.03.01 gibt es während des Thekenabends einen professionell hergestellten Film vom Filmemacher Rainer und von Norbert Klostermann über den CSD 2000 in Köln.
Der Film zeigt überwiegend die drei KCM Wagen, Fußtruppen aus Münster.
Filmlänge 38 Min.
Mittwoch, 14.03.01, ab 20:00 Uhr im KCM
Der siebte Huren- und Schwulen-Ball am 3. März im Kongress-Saal der Halle Münsterland ist restlos ausverkauft. Auch an der Abendkasse wird es keine Karten mehr geben. "Der Run auf die Karten war enorm. Schon im letzten Sommer hatten wir die ersten Anfragen. Jetzt gibt es leider nur noch Absagen", sagt Brigitte Riedel vom Organisationsteam des Balles.
"Neben internationalen Künstlern und einer Show aus Mystik, Tanz und Erotik, wird auch das Publikum wieder eine Attraktion des Abends sein," nennt Riedel einen Grund für die besondere Lust der Gäste auf die Husch-Ballnacht. Für alle die keine Karte mehr bekommen haben gibt es nur einen schwachen Trost: Den nächsten Husch-Ball plant die Aidshilfe für März 2003.
Mit dem Erlös der Veranstaltung wird wie in den vergangenen Jahren die Arbeit der Aids-Hilfe Münster unterstützt. Weitere Infos über www.aidshilfe.org
Der Anfang des Jahres war von einer politisch-historischen Debatte geprägt, die auf der Folie parteipolitischer Auseinandersetzungen eine generelle gesellschaftliche Frage verhandelte. Ging es eigentlich um die Vergangenheit des Außenministers als Straßen- und Häuserkämpfer, verschwand diese Diskussion schnell hinter der pauschalen Verdammung einer ganzen Anzahl politischer Bewegungen, die vereinfachend als die '68er' bezeichnet werden.
Eine dieser Bewegungen ist die neue Schwulenbewegung. Hatte die 'erste' Schwulenbewegung in den Jahren bis 1933 beinahe die Abschaffung des §175 erreicht, so wurde nach der Befreiung vom Nationalsozialismus der Paragraph in der Fassung weiter angewandt, die 1935 erlassen wurde und die als 'rechtliche Grundlage' diente, Schwule in Konzentrationslager zu schicken, zu kastrieren und umzubringen. Der demokratische Staat ersetzte solche Sanktionen durch rechtsstaatliche. Ein Klima von Denunziation, Erpressung und staatlicher Verfolgung Schwuler existierte aber auch in der Bundesrepublik. Gegen die zweifelhafte Moral dieser Gesellschaft richtete sich unter anderem die studentische Protestbewegung der Jahre 1967 und 1968; nicht umsonst entstanden die ersten schwulen Bürgerrechtsgruppen in den Universitätsstädten (Münster war hier eine Vorreiterin).
Wie die Mehrheit der 68er war auch die Mehrheit der Schwulen wohl nicht militant, wobei dies natürlich immer eine Definitionsfrage ist. Die Infragestellung des staatlichen Gewaltmonopols ist aber ein Schlüsselereignis der neuen Schwulenbewegung und gleichzeitig ihr Mythos: Stonewall war ein offener Angriff gegen Polizisten und ist gleichsam Bestandteil der Biografie der Schwulenbewegung auch in Deutschland. Widerstand gegen das staatliche Gewaltmonopol galt für viele damals dann als legitim, wenn es sich um unterdrückte Minderheiten handelte, die sich gegen Schikane wehrten. Bis heute feiern Schwule den Christopher Street Day überall zwischen New York und Frankfurt. Er ist die letzte weltweite Bürgerrechtsdemonstration und in seiner Friedfertigkeit und Sinnlichkeit heute einem Hippieevent ähnlicher, als dem so genannten Straßenkampf, wenn auch weitaus kommerzialisierter.
Hat sich die Schwulenbewegung also inzwischen weit von der Gewalt (und von ihren eigenen Anfängen generell) entfernt, sind die Ziele die gleichen geblieben. Noch immer geht es darum, die staatliche und gesellschaftliche Diskriminierung Schwuler zu beenden und von diesem Ziel können wir uns sicher nicht distanzieren, weil es Teile der Schwulenbewegung in einer bestimmten Situation gegen das Gewaltmonopol des Staates durchsetzen wollten. Genau eine solche Distanzierung läge aber in der Logik Angela Merkels, die '68' im Bundestag pauschal als politischen Irrweg verdammte und Joschka Fischer aufforderte, sich der 'Wahrheit' zuzuwenden. Diese Deutungshoheit wird aus der Partei heraus beansprucht, die die schärfsten parlamentarischen Gegner einer Gleichstellung von Schwulen und Lesben in ihren Reihen hat und die auch nach 1968 immer den demokratischen Widerstand gegen ein Ende staatlicher Sanktionierung und Diskriminierung von Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Paaren verkörperte.
Dies alles mag als parteipolitische Debatte erst einmal uninteressant sein. Als gesellschaftliche Diskussion um die Freiheiten, die die Bewegungen um und nach 1968 gebracht haben betrifft es die Schwulenbewegung, sofern man von einer solchen heute noch reden kann und die Stellung jedes einzelnen Schwulen in der Gesellschaft im Kern. Linke Protestbewegung und Schwulenbewegung haben sich seit den 70er Jahren immer deutlicher auseinander entwickelt. Spätestens seit der Auflösung des BVH ist die linksalternative Schwulenbewegung eine Opposition ohne wirklich Lobby geworden. Dagegen beansprucht der LSVD als bürgerlich-liberal geprägter Verband eine Art Alleinvertretungsrecht für die Schwulen, was diese größtenteils auch klaglos anerkennen.
Die Schwulen sind zumindest im äußeren Erscheinungsbild inzwischen weit von einer gesellschaftlichen Utopie abgerückt und konzentrieren sich nur noch auf materielle Kernfragen, die mit der 'Schwulenehe' verbunden sind. Dabei scheint aber auch eine Art Warnsystem außer Kraft gesetzt: So hoch es dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland Paul Spiegel auch anzurechnen ist, aber warum war er der Erste, der vernehmlich auf die Bedrohung Homosexueller durch jüngste rechtsradikale Angriffe hingewiesen hat, während die Schwulen in Parteien und Verbänden über Ehegattensplitting gestritten haben? Angesichtes des mageren Interesses Schwuler an den sie existentiell betreffenden gesellschaftspolitischen Fragen (angefangen bei so grundlegenden Veranstaltungen wie einer KCM-Mitgliederversammlung) brauchen die Hardliner unter den Konservativen, die sich im Windschatten der '68er Debatte' auch aus der CDU heraus formieren, offensichtlich keinen größeren Widerstand von dieser Seite zu befürchten. Wie tragfähig der scheinbare gesellschaftliche Konsens, der zumindest die Homosexuellen als Minderheit schützt, in der Realität tatsächlich ist, wird sich erweisen, wenn er von diesen Leuten auf die Probe gestellt wird.
Olaf Eigenbrodt
"Ich bin ein guter Untertan" heißt ein Spottlied aus dem Jahre 1848, von dem der 1981 gegründete Münsteraner Chor seinen Namen ableitet. Seitdem liegen die "Untertanen" quer zum Zeitgeist: Die 30 Sängerinnen und Sänger zeigen auf kritisch-ironische Weise gesellschaftliche und politische Missstände auf.
In "Von Goldfischen, Geldhaien und Hamstern", dem neuen Programm, wird ein Querschnitt der menschlichen Möglichkeiten geboten. Schlossallee/ Ecke Badstraße: Wer kennt ihn nicht, diesen Angelpunkt der Welt? Hier trifft man sie alle: die Erfolgreichen - reich, schön und begehrenswert. Die Skrupellosen - rücksichtslos aber erfolgreich. Die Moralisten - voller Skrupel, doch immer mit reinem Gewissen. Mit seiner spritzigen Revue hinterfragt der Chor mit ironischem Stimmschlag: "Und was bin ich?"
"Die Untertanen" verstehen sich auf die Zwischentöne: mal kabarettistisch-ironisch, mal leise und nachdenklich. Dahinter steckt der Reiz, sich in aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen einzumischen.
Den zirka 30 Sängerinnen und Sängern ist die Freude am gemeinsamen Musizieren wichtig. Im Chor wird gesungen, gespielt und ausprobiert. Die Mitglieder des Chores stellen sich gern der inhaltlichen Auseinandersetzung, die sich in ihren Konzerten genauso wiederfindet wie die Weiterentwicklung der künstlerischen Formen.
Höhepunkte in der knapp 20-jährigen Geschichte der "Untertanen" waren mit Sicherheit die Auftritte mit dem jiddischen Programm im Landesmuseum und mit dem weltbekannten Klarinettisten Giora Feidmann in Gütersloh sowie die Auftritte mit der "Chorbühne Tritonus" aus Dresden und dem münsterschen Chor "Homophon" in der Freien Waldorfschule in Münster-Gievenbeck.
Im Hin und Her um die finanzielle Ausstattung der Antidiskriminierungsstelle hat die FDP deutlich Position bezogen. Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Ratsfraktion Philipp Götting erklärte, seine Fraktion werde bei den anstehenden Haushaltsberatungen die Bereitstellung von Mitteln für die Projektarbeit beantragen. Im Entwurf seien dafür in diesem Jahr erstmalig keine Mittel vorgesehen. Götting stellte fest, dass das in Münster praktizierte Modell bundesweit Vorbildcharakter habe.
Marc Diekel
Zu l(i)eben ist für einen behinderten Menschen äußerst schwierig: Kontakte aufnehmen und halten, gängiges Schönheitsideal, Orte für Intimität, erotische Hilfsmittel sind nur einige der wichtigen Themen, die alle interessieren und über die nirgends offen gesprochen wird. Und es kann jede(n) treffen: Nicht nur Geburtsbehinderte haben erhebliche Defizite mit der Sexualität. Auch. viele spätbehinderte Menschen werden aus Krankenhaus oder Rehaklinik entlassen ohne Aufklärung darüber, wie es ganz praktisch im partnerschaftlichen Bereich weitergehen soll. "Wie komme ich als behinderter Mensch mit anderen Menschen in Kontakt?" "Wie erreiche ich nun als behinderter Mensch mit meinem Partner/in dennoch ein erfülltes Sexualleben?"
Es ist eine große und weitreichende Tragik, wenn aufgrund mangelnder Informationen Familien auseinanderbrechen. Ein erfülltes Sexualleben in einer Partnerschaft hat unbestritten eine stabilisierende Funktion. Auf Sexualität verzichten können eigentlich nur Paare, die über eine längere gemeinsame Vergangenheit verfügen oder eine sublimierte Form gefunden haben. Auch für Eltern behinderter Kinder ist es sehr schwierig mit der Sexualität ihres behinderten Kindes - auch wenn dieses schon längst erwachsen ist - umzugehen. Eltern müssen einsehen (lernen), dass ihr behindertes Kind ein Recht auf Aufklärung und Begleitung der individuell bedürftigen Sexualität hat. Behinderte Jugendliche müssen eine "Konditionierung des Machbaren" aufgezeigt bekommen, d.h. eine Hinführung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit sich selber und mit anderen Menschen. Sexualpädagogik ist auf Sozialisation bedacht: ein realistisches Selbstbild zu entwickeln und eine Anleitung zu bekommen, um die Umwelt nicht ständig mit ausschließlicher Triebsteuerung und Grenzüberschreitung in Schwierigkeiten zu bringen.
In einem Bundeskongress "Behinderte Sexualität - verhinderte Lust? anlässlich der REHAB 2000 in Nürnberg (06.-08.September 2000), der von der behinderten Sexualpädagogin Manuela Bannasch vorbereitetet wurde, gelang es Wissenschaftler, Betroffene und Praktikern aus der Sozialarbeit zusammenzuführen. Im Kongress wurde herausgearbeitet, dass die Bundesrepublik auf dem Gebiet der Sexualität Behinderter noch Entwicklungsland ist. Holland und Dänemark sind in der Entwicklung der Förderung Behinderter auch auf dem Gebiet der Sexualität als Teil selbstbestimmten Lebens erheblich weiter.
Zur Umsetzung dieser Anliegens wurde Mitte Januar 2001 in Nürnberg ein interdisziplinäres "Kuratorium Behinderung und Sexualität" gegründet. Gleichberechtigt arbeiten Praktiker, Wissenschaftler und Betroffene (Behinderte und ihre Angehörigen) zusammen, um die Öffentlichkeit auf das Grundrecht aller Menschen, behindert und nichtbehindert, auf Sexualität aufmerksam zu machen. Auch sollen gemeinsam Wege erarbeitet werden, wie individuell Hilfe geleistet werden kann. Zu seinem Sprecher wählte das Kuratorium Herrn PD Dr. Thomas Mösler (Universität Erlangen-Nürnberg); die Geschäftsführung übernahm die selbst behinderte Sexualpädagogin Manuela Bannasch. (Weitere Informationen : Telefon 0911-2723554 oder eMail kuratorium_behindertensex@freenet.de)
Werner Schuren, Winsen/Luhe (gekürzt)
Kaum ein Begriff ist in der innerkirchlichen Diskussion so positiv besetzt wie der der "Ökumene". Dennoch haben die Wenigsten genaue Vorstellungen davon, wofür sie da eintreten. Das Abendmahlsverständnis, das in der (theologischen) Öffentlichkeit als das Symbol einer Trennung zwischen den Konfessionen gilt, dürfte in erster Linie für Theologen interessant sein und die Masse der Christen und Christinnen wenig bewegen. Gerade deswegen ist es interessant, einmal einen Blick auf den Alltag zu werden, darauf was Ökumene für jeden einzelnen bedeutet und wo sie sich äußert.
Treffpunkt: Fliednerhaus (Ev. Trinitatisgemeinde), Fehrbellinweg 6, Münster, 1. Stock (Hintereingang)
HuK-Kontakt: Oliver Cordes, Peterstraße 2, 48151 Münster, Tel.: 0251/7987616
"England light" war die Vorstellung vor dem Trip auf die grüne Insel. Auch wenn die sich im Winter mehr braun getönt zeigt und Dublin nicht immer die irische Lebensart wiedergibt, lohnt ein Besuch der irländischen Metropole. Die eigentliche irische Sprache ist Gälisch und hat mit dem Englischen nichts zu tun. Auf Gälisch heißt Dublin Baile Athacliath (und Irland Eire), doch gesprochen wird es ganz anders. Englisch ist allerdings die dominierende Sprache; neben dem Linksverkehr wird wenigstens dieses Erbe bleiben.
Denn erkundet man Irland, spürt man schnell die antienglischen Ressentiments. Auf allen Ebenen wird ein beharrlicher Fight geführt, der auch "Engländer" meint. Peinlich genau wird zwischen diesen sowie Schotten oder Walisern unterschieden. "Wir Iren mussten nur gegen die Engländer Krieg führen. Den aber über hunderte Jahre" erklärte mir Brian die Situation, die sich nur aus der blutgetränkten Geschichte des irisch-englischen Kontaktes erklären lässt. Folgerichtig gehören die Iren zu den konsequentesten Befürwortern der Europäischen Union. Schließlich verspricht man sich davon noch weniger Möglichkeiten einer englischen Beeinflussung. Ohnehin ist die irische Wirtschaft seit Jahren die schnellstwachsende europäische Volkswirtschaft. Unter der trügerischen Oberfläche einer gemeinsamen Sprache und mancher ähnlicher Sitten grenzt sich die irische Gesellschaft nachdrücklich gegen den östlichen Nachbarn ab.
Das warme Dublin zeigt sich hingegen auf Münsteraner Niveau. Zwei, drei Pubs, eine Diskothek, einige Saunen und die Cruising Areas natürlich. Als Zentrum schwul-urbaner Kneipenkultur gilt "The George". Das Lokal präsentiert sich als urgemütlicher Pub. Die Musik zwischen Abba und U 2 bietet einen reizvollen Kontrast zur georgianischen Einrichtung. Eine veritable Auswahl schwuler Literatur findet man in Waterstone's, und Cruising Areas gibt es im Dutzendpack. Die einzige Lederbar der Stadt (und vermutlich der Insel) ist zur Zeit leider geschlossen. Mit dem pompösen Wellington Monument besitzt Dublin das - wie Brian scherzhaft meinte - größte Schwulendenkmal der Welt und eine viel kleineres für Oscar Wilde fehlt auch nicht. Ein Generalissimus gibt eben mehr her als ein popliger Literat. Die letzten gesetzlichen Schranken fielen in Irland 1993 und heute gehört es zum guten Ton, dass die Staatspräsidentin offiziell auch Delegierte der nationalen Homoorganisationen empfängt. Mehr Informationen bietet der Spartakus. Besser, weil aktueller, bekommt man Infos über die Internetseiten des Gay Switchboard Dublin (Adresse nachfolgend). Findet sich dort nicht die gewünschte Information, kann man sich nach Bedarf weiterhangeln.
Nur Dublins schwule Szene zu erleben, heißt allerdings, das Sehenswerte zu verpassen. Oft kann man von der Spiritualität der irischen Gesellschaft lesen und tatsächlich schwingt in Dublin viel davon mit. Beckett, Heaney, Joyce, Shaw, Swift, Wilde und Yeats - keine andere Stadt hat so viele großartige Literaten hervorgebracht. Für die populäre Kultur stehen Namen wie die Cranberries, U2, Morrison und Braghan. Empfehlenswert ist stets ein Besuch der vielen Theater, wofür Krawatte und Jackett übrigens nicht erforderlich sind.
Eine ganz besondere Institution ist Bewsley's Café in der Grafton Street. Dort kommt man garantiert mit Heimischen ins Gespräch und das handgemachte Fudge muß man einfach probiert haben (was Süßspeisen betrifft, haben sie auf den Inseln wirklich den Dreh raus)! Das gilt ebenso fürs Bier. Wie anders ein draught Guinness in Irland schmeckt und warum das so ist, das schmecke und frage man am Besten vor Ort. Slainte!
Einen anderen Knüller bietet Fitzsimmon's Temple Bar mit irischer Musik und Tänzen. Mit etwas Glück erlebt man dort on stage Mitglieder von Michael Flaherty's Ensemble - sagte mir ein Ire am Tresen. Nach eigenem Erleben der Tanzkünste glaubt es der Verfasser gerne. Traditionell wird in den Pubs vor allem am Montag irische Musik geboten, doch bieten viele Lokale diese Möglichkeit mehrfach wöchentlich. Kommt man schließlich nach Hause, rundet ein abschließender Blick in die Röhre den Morgen ab. Wer mit dem Niveau deutscher Gameshows und Soaps keine Probleme hat, dem wird auch das irische Fernsehen gefallen. Zwischendurch sendet Dublins warmer Kanal Dienstags von 14 bis 15 Uhr auf UKW 104,9.
Am Ende die Danksagungen. Dem Pub "The Wicked Wolf" in Blackrock für die gemütlichen Stunden, Brian für seine sachkundigen Führungen (nicht nur) durch das schwule Dublin und ganz besonders Diane für unsere Touren durch Dublins Pubs. Diane, du bist eine der eindrucksvollsten Erfahrungen meiner letzten Jahre.
Michael Heß
Infos zur schwulen Szene: www.iol.ie/gsd
Infos zu Dublin allgemein: www.hoi.ie/dubguide
Wechselkurs DM zu I£: 2,48 DM = 1,00 I£
Traditionell schaut man im französischen Kanton Genf auf die Entwicklungen beim französischen Nachbarn. Dort gibt es seit 1999 mit dem PACS die Möglichkeit, Partnerschaften ohne die vielfältigen Nachteile der Ehe abzusichern. Der entscheidende Unterschied zur bsw. deutschen Regelung besteht in der Möglichkeit für alle Partnerschaften unabhängig von deren sexueller Fixierung. Unbestritten ist der PACS damit näher an der Lebensrealität angesiedelt als das Ehegelübde. Die bisherigen Ergebnisse veranlassen den Kanton folgerichtig, die Übernahme des französischen Modells im Rahmen der Kantonalverfassung zu prüfen. Unterstützt von Politikern des bürgerlichen Lagers, gilt die Einführung im traditionell links regierten Genf als sicher. Zugleich setzt man sich damit von Positionen der Bundesregierung ab, die allenfalls ein besonderes Modell für Lesben und Schwule zu prüfen bereit ist.
Michael Heß
Drei Monate haben wir lesbische Autorinnen und schwule Autoren aus ganz NRW an ihren Schreibtisch verbannt, um aus Schubladen und Tastaturen Texte zu zaubern, die sie bei Poetry! Now! einreichen konnten. Jetzt darf die Jury das alles lesen und dann die Texte nominieren, die für einen Preis in Frage kommen. Aber ihr seid auch gefragt. Zur Ermittlung des Publikumspreises findet nämlich am 09.03.2001 um 20:00 Uhr eine Lesung in Ellen's Buchhandlung (Münzstraße. 48) statt. Dort werden alle nominierten Texte samt ihren Autorinnen und Autoren vorgestellt, damit ihr euch ein Bild von ihnen machen könnt. Eure Meinung ist gefragt: Wer soll die/der Glückliche sein? Vor der Lesung werden Bögen verteilt, auf denen ihr euch Notizen machen und die einzelnen Beiträge bewerten könnt. Am Ende muss dann Euer Favorit draufstehen. Die Autorin oder der Autor, die/der am häufigsten genannt wird, gewinnt dann bei der Preisverleihung am 06.04.2001 im KCM den mit DM 500,- dotierten Publikumspreis. Es wird also eine spannende Angelegenheit, bei der man nicht nur die Chance hat, ganz frische Literatur zu hören, sondern auch noch darüber zu urteilen. Weckt also den Reich-Ranicki in euch und strömt zahlreich ins Lesecafé von Ellen (die natürlich auch diverse Weine anbietet, damit die Veranstaltung nicht zu trocken wird). Der Eintritt ist für Mitglieder umsonst, Nichtmitglieder zahlen DM 5,-.
PS: Für die Autoren und Autorinnen werde noch Übernachtungsmöglichkeiten gesucht. Die einmalige Chance, die Nacht mit einem angehenden Dichterfürsten und einer zukünftigen Dichterinprinzessin zu verbringen, besteht am 09.03 und am 06.04. Meldet Euch beim KCM.
Am Freitag, 09.03.01. um 20:00 Uhr in Ellen's Buchhandlung (Münzstraße 48)
Nicht ganz taufrisch, lohnen in Zeiten überquellender Anzeigenseiten Gedanken zu dieser "Annäherung von innen". An ein im Wortsinne reizvolles Thema, an "die Faszination dieses außergewöhnlichen intensiven Erlebens, das mit intelligent praktiziertem SM unweigerlich verbunden ist." (Seite 39) Das gilt um so mehr in Zeiten einer expandierenden "Viertel- und Halbszene", die sich in BOX und QUEER seitenweise manifestiert wie auf den "Fetisch-Parties" allerorts. Die eigentliche Szene trifft sich woanders und sie ist nicht so groß, um von einem Massenphänomen zu sprechen. Deren Impulse einer "radikalen Sexualität" (Seite 56) allerdings einen wachsenden Teil der Bevölkerung in Bann ziehen. Der Autor von "SM" stammt aus diesem inneren Zirkel - ob er immer state of the art ist, steht auf einem anderen Blatt.
Der praktizierende SMler hat seine Stärken, wenn es um den Verweis auf grundsätzliche Aspekte geht. "SM" ist ein einziges Plädoyer für das ganz außerordentliche Verantwortungsbewusstsein der Akteure füreinander. Oder seine Erklärung des für Außenstehende verblüffenden "sadomasochistischen Paradoxons" (das nämlich nicht der Top, sondern der Bottom die Session steuert) oder die verwendeten Begriffe. Neuner fasst die sich überschneidenden Begriffe wie Maso, Sklave bzw. Sado und Meister/Herr in den neutralen Items Bottom und Top zusammen und das erlaubt ihm, die komplexe Szene hinreichend genau zu strukturieren. Denn zwischen einem Maso und einem Sklaven besteht ein grundsätzlicher Unterschied im Selbstverständnis wie in der Interaktion mit dem Partner. Mit der erforderlichen Klarheit stellt der Autor dar, warum stets beide Partner untrennbar gesehen werden müssen. Durchgängig von "SM" zu schreiben statt von Figuren wie "S/M" oder "S&M" ist keine Marotte, sondern konsequentes Beschreiben der Realität: das Eine ist ohne das Andere nicht möglich. Beides gehört zusammen, obwohl der äußere Anschein eine unüberwindliche Kluft zu signalisieren scheint. Es ist ein schönes Beispiel für die dialektische Struktur der Sozialsphäre, an dem Karl Marx (der war beileibe kein Verächter der fleischlichen Freuden) ganz sicher seine Freude gefunden hätte.
Ärgerlich wird es stets, wenn sich der Chemiker aufs psychologische oder historische Glatteis begibt. H.-P. Neuner beherrscht keine Psychoanalyse und er versucht es auch gar nicht. Das Manko ist ihm nur bedingt anzurechnen, scheint doch die rationale Darstellung der psychischen Komponente unmöglich zu sein. Jeder Praktizierende kennt das Phänomen, SM als Kopfgeschichte zu erleben. Von den Hürden, die während einer stundenlangen Session allmählich ineinander greifenden Psychen der Akteure zu beschreiben, ganz zu schweigen. Entsprechend blutleer-hölzern blieb bisher jeder Versuch, SM wissenschaftlich darzustellen. Andererseits floppte zu Beginn der 90er mit Christians Pierrejouans "SM" die konsequenteste belletristische Darstellung des Themas ebenfalls. Dieses Thema illustriert generell die Grenze der Darstellbarkeit in unserer verzweckten Welt. Heute gehört SM neben religiös bedingten Martyrien und Extremsport zu den Bereichen, in denen sich Menschen am Tiefsten fallen lassen (können). Es ist kein Nachteil, wenn dieses Fallenlassen können für Außenstehende ein Mysterium bleibt.
Der Autor wandert in weiser Erkenntnis nicht über dieses zu weite Feld, um dem Leser neben speziellen Betrachtungen ein ausführliches Lexikon von A wie Abbindungen bis Z wie Zwangsjacken zu liefern. Samt gutgemeintem Schnickschnack wie einem "aktuellen Hanky-Code" oder "SM-Fragebogen". Der Zweck kann nur Einer sein: "... und vermittelt das nötige Wissen, um SM gekonnt und bewusst zu praktizieren" liest man den abschließenden Umschlagtext. Na, das sollte man im Interesse eigener Gesundheit anders sehen: "Die wirklichen Rituale wollen beherrscht sein". (Seite 39) Das können wir als Anreiz und Warnung stehen lassen.
Michael Heß
H.-P. Neuner: "SM"
Querverlag Berlin 2000
250 Seiten
Die 'Scorpioni', eine Gruppe scharfzüngiger alter britischer Ladies, genießen 1934 das kulturelle Flair von Florenz. Als die Stimmung immer fremdenfeindlicher wird, wollen die Ladies nicht wahrhaben, dass ihre Tage in den Teestuben gezählt sind und geben nicht auf. Krieg und Internierung zum Trotz halten sie an ihrer Lebensart fest und verschliessen sich der Realität. Doch dann kommt die Amerikanerin Elsa Morganthall (Cher), die mit ihrer lautstarken Lebensfreude für Unruhe sorgt...
Freitag, 16. März 2001 ab 20 Uhr im KCM
Die Seite zum Film
Das Letzte gehört wieder der Bild-Zeitung. Dort bekannte Jenny Elvers: Ich habe mein Leben verpfuscht. Traurig, nicht wahr. Aber wer ist Jenny Elvers?
Als ich letztens...
über jemanden urteilen hörte, er sei "nur ein armer Mensch", da protestierte mein Herz heftig. Doch mein Verstand schwieg.
Liebe Grüße...
an den Guten Geist. Der Zauber liegt oft an den Stellen, an denen man gar nicht (mehr) mit ihm gerechnet hätte.
Das weiße Kaninchen (auf Wintersalaten)
Geliebter Schatz,
kauf Dir den Diamantring schon mal selber, ich gebe Dir das Geld dafür dann mal zurück! Mein Schnuckel von der Setzmaschine ist nicht so zickig und für vieles mehr offen.... (Für Hartes immer. Die SetzerIn)
Warum grüßt eigentlich...
die Thekenmannschaft? Nur der Hut!
Einen Gruß...
an meinen Peter: der Kummer um Alex frisst Dich auf, aber drei weitere Monate in einer wichtigen Position werden für die nötige Ablenkung sorgen.
Niederländer sucht Schlafmöglichkeit
Niederländer, 54 Jahre alt, etwa einmal in den zwei Monaten in Münster für kulturelle Angelegenheiten und shopping, sucht Schlafmöglichkeit. Eventuelle Kosten werden erstattet.
Zuschriften an: Hans Blijdorp, Manschotplein 51, NL 7121 BL Aalten.
Zauberhut,
c/o KCM - Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Tel. 0251/665686, Fax. 0251/665661,
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Redaktion: Michael Heß, Michael Karshüning, Norbert Korfmacher (ViSdP), Olaf Eigenbrodt
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