Schwules in Münster - September 2000

 

Salve

Fünfzehn Jahre KCM war ein Grund zum Feiern, und das hat unser Verein getan: Mitten in der Stadt haben wir auch in diesem Jahr das standFest gefeiert und uns der Öffentlichkeit praesentiert. Und die Öffentlichkeit hat bei strahlendem Sonnenschein mitgefeiert.

Warme Grüße
Norbert

 

Was verbirgt Ecko unter dem Zauberhut?

Der Zauberhut gehört zu den Blättern, die ihre Leser (und die wenigen Leserinnen natürlich auch) nicht nur informieren wollen, sondern auch mit sinnlichen und ästehetischen Bildern die treue Leserschar zu erfreuen suchen.

Gelegentlich geht dies in die Hose! In der Juni-Ausgabe meldete die Redaktion freudig erregt, dass in diesem Sommer kurze Hosen in und an sind, und garnierte dies mit einem einmaligen Bild auf der Titelseite. Doch dies war ein Griff daneben. Der Sommer wurde schauderlich, die Beine der Männer verschwanden in lange Hosen, es gab nix zu sehen. Und gerade, wo der Verfasser dieser Zeilen dies niederschreibt und laut beklagt, ist der Himmel grau und bewölkt. Münsteraner Wetter eben. Seufz.

Nun beantwortet uns dies nicht die eingangs erwähnte Frage, was Ecko, unser Top-Modell auf diesem Titelbild, im Zauberhut verbirgt und versteckt. Ja, was denn wohl?

Ich muss den neugierigen Leser gar nicht mehr darauf hinweisen, dass dieser Zauberhut so anständig und züchtig ist, wie alle seine Vorgänger.

Nun denn: Wer immer noch wissen will, was Ecko im Zauberhut versteckt, der sei gewarnt.

Gleichwohl sollte er umblättern. Dort wird es vom geschwätzigen Redakteur mit Bild (!) verraten.

Bitte umblättern

BITTE KLICKEN!

 

 

Die Bibliothek

Seit nunmehr fünfzehn Jahren existiert das KCM in Münster und zu seinen ältesten Einrichtungen zählt die Bibliothek.

Schon in der alten Niederlassung in der Grevener Straße gab es eine Büchersammlung, die nach dem Umzug des KCMs auf Initiative von Katrin Behrmann, seinerzeit im KCM-Vorstand, neu geordnet und der Öffentlichkeit als Bibliothek zugänglich gemacht wurde.

Lange Jahre stand Peter Kramer an der Spitze der Bibliothek und organisierte 1995 ihren Umzug vom „Alten Büro” in den Thekenraum. Seit seiner Wahl in den Vorstand 1999 hat er sich von diesem Aufgabengebiet zurückgezogen. Gegenwärtig leitet Björn Wellinghausen die Bibliothek. Er hat sich die Segnungen der modernen Technik zu Nutzen gemacht und das Leihsystem auf moderne Datenverarbeitung umgestellt. Alle Buchtitel wurden elektronisch erfasst, so das mit Hilfe einer Datenbank Suchenden gezielt geholfen werden kann. Auch die Ausleihe wird nicht mehr über einen Karteikasten verwaltet, sondern über Festplatte und Diskette.

Die Bibliothek ist ein Aktivposten des Vereins und sammelt konsequent Bucherscheinungen mit schwulen Inhalten. Neben einem Etat, den der Vorstand des Vereins der Bibliothek jährlich für Neuerwerbungen bewilligt, lebt die Bibliothek aber auch von Buchspenden, die immer wieder herzlich willkommen sind.

Im Laufe von über zehn Jahren ist etliches zusammen gekommen. Neben schöngeistiger Literatur findet der neugierige Leser auch wissenschaftliche Abhandlungen zum „Problem” Homosexualität, politische Pamphlete (etwa über den kürzlich heimgegangenen Johannes Dyba), anspruchsvolle Bildbände und Werke für Sinnesfreuden. Diese große Auswahl zum schwulen Themengebiet macht die Bibliothek auch für unsere heterosexuellen Mitmenschen interessant, denn wer sich zum Thema schwules Leben umfassend informieren will, findet hier garantiert etwas. Und neugierigen Besuchern ist Björn gerne behilflich.

Die Bibliothek ist jeden Mittwoch ab 21 Uhr geöffnet.
NK

 

 

Unzeitgemäß erfolgreich.

Manch smartem Zeitgenossen gilt ehrenamtliches Engagement als unzeitgemäß. Anderen erscheint gerade diese Einstellung als weltfremd. So überreichte am 8. August Michael Heß vom Lederfeten-Team einen Scheck über 1.200 DM an die AIDS-Hilfe-Vorstände Helmut Hamsen (Vorsitz) und Alfred Fleer (Kassenwart).

Traditionell werden die Überschüsse der nichtkommerziellen Lederfeten zwischen dem gastgebenden KCM und der Münsteraner AIDS-Hilfe geteilt. Alfred und Helmut bedankten sich im Namen des Empfängers herzlich für diese Spende. Sie verwiesen darauf, daß solche Spenden im Zeichen knapper öffentlicher Zuschüsse nicht nur konkrete Hilfe bedeuten, sondern auch ein Plädoyer für ehrenamtliches Engagement zu Gunsten Bedürftiger sind.

In diesem Sinne versteht sich das Team der Lederfete auch weiterhin als ehrenamtliche, nichtkommerzielle Struktur. Die Freunde und Mitstreiter der AIDS-Hilfe dürfen künftig noch manchen Euro erwarten.
MH

 

 

Fietstocht auf deutsch

Es ist mal wieder soweit: die jährliche Fietstocht der Niederlande-AG steigt am Samstag, dem 9. September. Nach einigen Strecken jenseits der grünen Grenze, wird es dieses Jahr eine feucht-fröhliche Tour rund um Münster geben. Die genaue Route legen wir kurzfristig fest, denn an Radwegen und Wirtshäusern ist um die Bischofsstadt wahrlich kein Mangel. Vorschläge sind jederzeit willkommen. Los geht es gegen 11 Uhr am Hauptbahnhof mit der Begrüßung unserer niederländischen Gäste vom C.O.C. Twente/Achterhoek - der Rest wird sich finden. Für mehr Details beachtet die Aushänge im KCM oder ruft an unter MS 524645 bzw. 7130949.
Markus Kastner

 

 

What's new

 

Free to party, Die Geburtstagsparty des KCM

Am 10. Oktober steigt die Geburtstagsparty des KCM im KCM. Bis 6 Uhr morgens geht es auf zwei Tanzflächen, mit zwei Musikstilen, den DJ´s Oliver und Jane und noch vielem mehr so richtig rund. Lasst euch überraschen! Der Eintritt ist für Dich als Mitglieder des KCM wie immer frei.

 

Keine kommunale Grundförderung für LIVAS in diesem Jahr

Monatelang haben wir vom Vorstand LiVas unterstützt, damit auch LIVAS eine städtische Grundförderung zur Absicherung ihrer Arbeit erhält. Leider hat der Kulturausschuß des Rates der Stadt dem vernehmen nach mit den Stimmen der CDU und Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt. Offizielle Begründung dazu: KCM und LIVAS seien ein und der selbe Verein. Da das KCM bereits eine Grundförderung erhalte, benötige LIVAS keine. Für dieses Jahr bedeutet diese Entscheidung für LIVAS noch nicht das aus, im nächsten Jahr jedoch schon. Und da der Zuschuss des KCM zweckgebunden ist, können wir kein Geld „einfach so” an LIVAS abgeben. Wir sind halt nicht ein Verein, sondern zwei getrennte Vereine, die weder über Personalunionen noch durch gegenseitige Mitgliedschaften miteinander verbunden sind. Wir werden weiterhin den Vorstand von LIVAS unterstützen, damit LIVAS das nächste Jahr überlebt.

 

Poetry Now!

Im Oktober startet der erste westfälische schwul lesbische Literaturwettbewerb. Die Idee dazu stammt von Olaf Eigenbrot, der sich auch für die Organisation verantwortlich zeichnet. Mit der Hilfe von anders leben und LIVAS schreiben wir vom KCM diesen Wettbewerb aus und hoffen auf rege Teilnahme. Also ran an die Feder und mitmachen. Wettbewerbsunterlagen gibt es im KCM Büro oder bei LIVAS.

 

Der Vorstand macht weiter

Wie Du ja schon im letzten Zauberhut erfahren hast, kann Fabian aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter machen. Dir Fabian an dieser Stelle nochmals vielen, vielen Dank für deine immense Arbeit. Du wirst uns fehlen.

Nichts desto trotz haben wir vom Vorstand und Beirat uns entschlossen, bis zur nächsten regulären Mitgliederversammlung im Februar 2001 weiter zumachen. Wir möchten Dich um Verständnis bitten, wenn wir in den nächsten Wochen und Monaten nicht überall so präsent sein werden, wie bisher. Fabians Arbeitsbereiche übernehmen Peter und Michael, wobei uns allen klar ist, dass wir das Niveau von Fabian nicht völlig werden halten können.

Unterstützen wird uns bei der Betreuung der Beratungsgruppen Martin Enders.

Wenn Du Fragen, Ideen, Kritik oder Anregungen hast, melde Dich einfach im KCM Büro oder bei Martin.

Danke,
Michael, Peter, Wolfgang, Hermann, Markus, Volker

 

 

Neue Publikationen

Der Herbst steht ja schon fast vor der Haustür. Zeit also, die Bücherregale zu entstauben und sich mit neuem Lesestoff einzudecken. Wenn Du Dich für die Entwicklung des KCM im letzten Jahr interessierst, wird „Im Herzen Münsters”, der neue Jahresbericht des KCM genau das richtige für Dich sein. Den Jahresbericht gibt es im KCM Büro unter 0251/665686.

 

 

Stelle verlängert

Seit über einem Jahr nun arbeitet Martin Enders im Rahmen des Projektes zur psychosozialen Beratung von Schwulen und Lesben des Landes NRW im KCM. Wie uns das Ministerium die Tage mitteilte, wird das Projekt bis Ende 2001verlängert. Martin und damit die Offene Sprechstunde sowie die Schwule Paarberatung bleiben Dir damit ein weiteres Jahr lang erhalten.
MK

 

 

Duotica

Einen Tag nach dem standFest präsentierten sich die „Schlampen” von Duotica im TPZ und lösten bei 78 Gästen Alarm aus. Die Veranstaltung, vom KCM und LIVAS mit Unterstützung der Stadt Münster organisiert, war ein echter Höhepunkt im regenreichen Sommer. Das Duo sorgte für viele heitere Mienen und bewies erneut, dass Männer & Frauen Schweine sind - oder eben auch nicht. Das klären wir bei ihrem nächsten Auftritt, der möglichst bald stattfinden sollte.

 

 

Wolfgang Knebel will...

ein Kochrezept auch von Dir. Also gib ihm eins!

 

 

Jahresbericht der Aids-Hilfe

In knapper Form gibt die AIDS-Hilfe Münster in Münster dem Interessierten in einer Broschüre Informationen über ihre Arbeit im vergangenen Jahr. Trotz der beeindruckenden Zahlen und der guten Arbeit ist es nicht gelungen, ein Defizit zu vermeiden. Angesichts der notwendigen Arbeit der Aids-Hilfe sind Staat, Gesellschaft und jeder Einzelne zur Unterstützung gefordert. Den Bericht gibt es gratis bei der Aids-Hilfe.

 

 

Stahlkrise

1972 bis 1998 stellte eine kleine Partei in Deutschland den Bundeswirtschaftsminister. Von einstiger Vollbeschäftigung und vollen Staatskassen war nach dem Rauswurf dieser Dilletanten nichts mehr zu sehen. Opfer der wirtschaftspolitischen Inkompetenz dieser Leute wurde auch die Schwerindustrie in Deutschland, die in diesen 26 traurigen Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs kräftig abmagern musste.

Da ist es nur löblich, dass es Menschen gibt, die diesem darbenden Industriezweig helfen wollen und können. Eine pfiffige Idee wurde von der Universität Münster entwickelt. Seit vielen Jahren hatte sich im Fürstenberghaus, dem Sitz der Geisteswissenschaftler, ein Zentrum schwulen Vergnügens entwickelt. Die Toilette im Erdgeschoss wurde zu einer gut besuchten Klappe in der katholischen Westfalenmetropole. Gerade in der Mittagszeit schauten viele schnell mal für ein kurzes Vergnügen vorbei.

Das ist jetzt vorbei. Im Zuge der Renovierungsarbeiten erinnerte man sich in der Universitätsverwaltung der leidenden Stahlwirtschaft und orderte ein paar große Stahlplatten. Diese brachte man auf dem Herrenklo im F-Haus in den einzelnen Zellen an, um eine fröhliche Kontaktaufnahme durch die kleinen (und etwas größeren) Löcher zu unterbinden. Und mehr noch: Weil das der Not der Stahlwirtschaft noch nicht genug Linderung verschaffte, wurden über die Toilettenzellen dicke Gitter gelegt. Wer also nun seinen Bedürftnissen frönen will, der fühlt sich eingesperrt wie in einem Knast. Und er frönt auch nur noch einem Bedürftnis, das andere bleibt unbefriedigt. Fluchtartig wird der einstmals so hochfrequentierte Ort der Lust und Sinnenfreuden verlassen.

Tief beeindruckt verneige ich mich vor der Universitätsverwaltung. Das ist ein echter Schritt, der Stahlkrise in Deutschland entgegenzuwirken!
NK

 

 

Kommentiert und angemerkt

Ich bin kein Freund vom Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD), einige Passagen aus dem Artikel von Michael Heß im letzten Zauberhut bedürfen jedoch der Korrektur.

Dabei will ich mich nicht über die Polemik, die teilweise in seinem Beitrag Verwendung fand, beklagen, sondern zur Sache beitragen.

Michael kritisiert den vorgelegten Gesetzentwurf zur Eingetragenen Partnerschaft und sieht darin einen „Generalangriff auf schwul-lesbisches Leben”. Ich glaube, eine Definition von dem, was schwul-lesbisches Leben ausmacht, fällt niemandem so ganz leicht, weil es eben die Vielfalt ist, die uns Schwulen und Lesben kennzeichnet. Ob Cruising in Gärten und Parks, Klappensex, diverse One-night-stands oder auch die feste Partnerschaft, teilweise sogar in einem engen Treueverhältnis - alle diese Formen machen schwul-lesbisches Leben aus und finden sich darin wieder.

Unabhängig davon, ob man es als fortschrittlich oder rückschrittlich bezeichnen mag, so ist doch die bislang rechtlich fehlende Homo-Ehe das letzte rechtliche Relikt einer Diskriminierung von Schwulen und Lesben in Deutschland. Mit dem Gesetzentwurf wird diese Diskriminierung beseitigt (oder zumindest zur Beseitigung beigetragen). Das ist zunächst einmal ein Erfolg - und zu diesem Erfolg hat sicherlich auch der LSVD beigetragen. Zahlen spielen bei der Bewertung von Recht keine Rolle; auch das angeführte „drittel Promille” hat ein Recht darauf, mit dem Partner den Bund fürs Leben mit allen rechtlichen Konsequenzen zu schließen, wenn es dies wünscht.

Für die Zukunft stellen sich neue Aufgaben; vor allem bei der Werbung für Toleranz und Akzeptanz in allen Bevölkerungskreisen sehe ich Defizite. Auch hier hat der LSVD mit seinem Plakat „Liebe verdient Respakt” einen Beitrag geleistet. Das Plakat zeigt homo- und heterosexuelle Paare, deren Gemeinsamkeit eben die Liebe ist. Dieses Plakat ist meiner Meinung nach geeignet, auf die Vielfalt der Lebensformen hinzuweisen und für Toleranz zu werben. Ähnliches hat in der Vergangenheit auch das KCM mit seiner Toleranzkampagne gemacht. Den Vorwurf der „blumigen Phrase” kann ich daher nicht erkennen.

Etwas anderes ist das Steuerrecht. Die Übernahme des Ehegattensplittings auch für homosexuelle Paare ist sicherlich falsch. Das Splitting wurde geschaffen zu einer Zeit, wo jede Ehe - und nur die Ehe - Kinder hervorbrachte. Die Eltern sollten von den finanziellen Belastungen entlastet werden. Dieses Ziel halte ich auch heute für legitim, nur bringt heute bei weitem nicht mehr jede Ehe Kinder hervor. Vielfach werden Kinder auch außerhalb der Ehe gezeugt. Daher sollte das Ehegattensplitting auch zugunsten eines Familiensplittings (steuerliche Vorteile erst bei Kindern) abgeschafft werden.

Allerdings muss eines überlegt werden: Wenn der Gesetzgeber aus nicht nachvollziehbaren Gründen am Ehegattensplitting festhalten möchte, so ist es logisch, diese Steuervorteile auch für schwule und lesbische Paare zu fordern. Alles andere wäre nämlich sonst für diese Form der Partnerschaft diskriminierend. Vom Familiensplitting könnten vielleicht auch schwule und lesbische Paare profitieren, wenn diese irgendwann einmal das Recht erhalten, Kinder zu adoptieren.

Wenn man Kritik am LSVD üben will, sollte man das nicht an der falschen Stelle tun. Das Problem des LSVD ist es, sich zum verlängerten Arm einer Partei in die Schwulenbewegung entwickelt zu haben. Wie bei anderen Lobbyverbänden ist es auch beim LSVD dazu gekommen, dass dieser vom politischen Aufstieg dieser Partei profitiert hat und nun seine Funktionäre in staatlichen Lohn und Brot gebracht hat („Berufsschwule”). Das ist - man mag es begrüßen oder bedauern - kein besonderer Vorgang, sondern ein für einen Regierungswechsel normaler Vorgang (bei vielen Gewerkschaftlern wird die Situation ähnlich sein: einer soll ja sogar Minister geworden sein). Jedoch fehlt dem LSVD mit der Bindung an die Partei die Überparteilichkeit, die er braucht, um seriös die Interessen von Lesben und Schwulen in Deutschland zu vertreten. Man gewinnt den Eindruck, als würde der LSVD vor allem die Aufgabe haben, Stimmen für eine Partei zu sammeln. Aber hier wird wiederum die Vielfalt der Schwulen und Lesben unterschätzt - und das ist gut so.
Marc Diekel, nicht Mitglied im LSVD

 

 

von uns gelesen:

Donald & Daisy

Treue Leser von Walt-Disney-Comics kennen sie: Donald und Daisy. Seit Jahrzehnten sind sie ein Paar und verweigern sich hartnäckig dem Rechtsinstitut der Ehe. Mehr noch: Daisy, die in den sauberen Comics immer flachbrüstig dargestellt wird, erfreut sich noch eines weiteren Verehrers, des geckenhaften Gustav Gans, ein Glückspilz.

In all den Jahrzehnten, in denen Donald um Daisy herumscharwenzelte, blieb die entscheidende Frage immer offen: Treiben sie es auch miteinander?

Im 25. Band von „Onkel Dagobert” des Zeichners Don Rosa wird endlich klar, dass die zwei Enten nicht nur schnäbeln. In der zweiten Geschichte des genannten Bandes, die den wohlklingenden Titel „Non scholae, sed vitae discimus!” trägt, wollen die beiden Langverliebten zu einer Bootsfahrt aufbrechen. Donald überzeugt sich, Daisy und uns, dass er den Bordproviant an Bord gebracht hat und zählt auf, was man für eine solche Segeltour braucht: „Rettungsring, Bordapotheke, Funkgerät, Kompass, Notration, Fromms, Signalflaggen ...Jawohl, alles wichtige ist dabei.”

Erstmals werden in einem Disney-Comic Kondome genannt. Und auch, wenn sie nur verschämt genannt werden und es unklar bleibt, wofür die beiden sie mitnehmen. Denn aus der Vorfreude, die die zwei Vögel über ihren bevorstehenden Trip äussern, ahnt man, wozu sie gebraucht werden. Und dazu sind sie ja auch schließich gedacht.

Ob die Kondome am Ende wirklich zweckgerecht eingesetzt werden, ist allerdings fraglich, denn Donald hat wieder Pech. Seine drei Neffen wissen ihm den Spaß gehörig zu verderben.

Und wenn auch die erste Geschichte „Die Jagd nach der Goldmühle” uns nichts über Donalds Liebesleben verrät, so wird in dieser Geschichte ein pikantes Detail aus dem Leben seines gierigen Onkels deutlich: Onkel Dagobert hat am Klondike noch eine alte Flamme sitzen, an der sich gerne wärmen möchte. Fans von Don Rosa werden mir zustimmen, dass diese Geschichte eine seiner schwersten und besten ist.

Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre für Freunde der Enten - und eine lohnende Geldanlage für Freunde von Onkel Dagobert. Ich vermute, der Disney-Konzern wird den Band aus dem Verkehr ziehen, wenn ihnen dämmert, welches Mißgeschick passiert ist.
NK

Walt Disney: Onkel Dagobert,
von Don Rosa,
Band 25,
Egmont Ehapa Verlag Stuttgart 2000,
ISBN 3-7704-0387-8

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

Das Trio

Vier, die nehmen was sie kriegen können, und einer, der nicht bekommt, was er sich ersehnt - eine Familiengeschichte auf Liebe und Tod. Zobel und Karl sind ein Paar - und das seit langem. Zusammen mit Zobels Tochter Lizzi bilden sie das Trio, Spezialgebiet: Taschendiebstahl. Doch die Liebe zwischen Zobel und Karl hat Risse bekommen. Lizzi steht zwischen den Männern, die Vater und Mutter für sie waren. Dann verunglückt Karl. Ein neuer Mann stößt zum Trio. Rudolf ist jung und gelehrig. Er gefällt Lizzi und erweckt Sehnsüchte in Zobel.
MH

Freitag, 15. September 2000 ab 20 Uhr im KCM

Das Trio
Deutschland 1998
Regie: Hermine Huntgeburth
Darsteller: Götz George, Christian Redl

 

 

Lesung mit Olaf Eigenbrodt

Dandys - Ein Abend (nicht nur) mit Oskar Wilde

Wenn der Sommer in verschwenderischer Pracht in den Herbst übergeht ist es Zeit, sich wieder den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Und was liegt näher, als mit Literatur von Menschen anzufangen, deren ganzes Schaffen und Leben der Schönheit gewidmet war?

Die Kunst der Dandys erschöpfte sich nicht in ihren Produkten, sondern Leben und Schaffen waren Ausdruck eines ästhetischen Programms und nicht voneinander zu trennen. Bekanntester und vielleicht auch der letzte wirkliche Dandy war wohl der britisch-irische Autor Oscar Wilde, der im November vor 100 Jahren gestorben ist. Aber auch andere Künstler, vor allem Schriftsteller des 19. Jahrhunderts passen in das Bild, das man sich von Dandy macht.

Was ist das denn nun, ein Dandy? Jemand, der sich ganz der Schönheit der Dinge verschrieben hat, der auf jede ethische Regung verzichtet, die dem ästhetischen Empfinden im Wege steht? Das Leben eines Dandy scheint Pose zu sein, Inszenierung. Die Texte sind nur Teil dieser Inszenierung, Ausdruck einer Suche nach Wahrheit in der Schönheit.

Nach einem Jahrhundert scheinen uns diese Texte wieder näher zu sein, verlangt doch die Individualisierung von uns ein Spielen mit Oberflächen, das wir in dort wiederzufinden glauben. Und die homoerotische Komponente des Dandyismus fasziniert die Schwulen ohnehin seit fast 200 Jahren. Vielleicht gibt dieser Abend Anregungen nach Antworten für diese Fragen in den Texten der Dandys zu suchen, vielleicht ist er aber auch nur eine Pose, die ich in meiner eigenen Selbstinszenierung einnehme. Ich weiß natürlich nicht, wofür sich das Erscheinen mehr lohnt.

Ein paar sonnige Spätsommertage wünscht Euch bis dahin
Olaf Eigenbrodt

Freitag, 8. Spetember 2000 ab 20 Uhr im KCM

Weiter geht´s am

  • 13.10.2000, der hysterische Abend
    Diven, göttlich - zickig - genial
  • 10.11.2000, der blutige Abend
    Dämonen & Depression
    Was macht Ihr Vampir im November?
  • 08.12.2000, der innige Abend
    T(w)ogether, literarische Paare

 

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM Schwulenzentrum Münster e.V.,
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Redaktion: Bernd Fehr, Michael Heß, Michael Karshüning, Norbert Korfmacher (V.i.S.d.P.)
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

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Redaktionsschluß für den Oktober: 10.09.2000

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