Schwules in Münster - Juli 2000

 

Tschüss, ihr Lieben!

war nett mit Euch!!!
Wie bereits angekündigt, zieht es mich in den Süden und den Zauberhut machen jetzt Norbert und Bernd.

Im Süden ist das Wetter eigentlich immer besser als im tristen Münster, aber dieser Sommer verspricht heiß und warm zu werden.

Ganz warm wird es am 1. und 2. Juli in Köln. Dort findet wieder der CSD statt, an dem das KCM mit drei Wagen beteiligt ist. Ich bin gespannt, wie sich unser Verein dort der Öffentlichkeit präsentiert.
Euer Ecko

 

Join Us

Es ist soweit: Am 2. Juli werden KCM, LIVAS, anders leben, SHA Hengelo und der COC Twente Achterhook gemeinsam auf dem Kölner CSD sein.

Vorneweg werden die Europameister im Cheerleading, die Queer Cheers, unsere !drei LKW! durch die Straßen von Köln führen. Und für den soundstarken Auftritt sorgen die DJs von LIVAS und KCM.

Nach monatelanger Arbeit der gemeinsamen CSD-AG steht jetzt alles und wir freuen uns auf diesen warmen Sonntag. Unter dem Motto „anders Miteinander” haben Schwule und Lesben, junge und alte Häsinnen und Hasen sowie deutsche und Niederländer sich ins Zeug gelegt, um Münster nach 1995 wieder auf dem CSD vertreten. Wer noch mit dabei sein möchte, kann sich einfach am Sonntag uns anschließen.
Bis Sonntag dann.... in Köln!

P.S.: das Sonntagscafé im KCM fällt am 2. Juli wegen der Teilnahme des KCM am CSD in Köln aus!

 

 

Planwagenfahrt

Die jährliche Planwagenfahrt der Thekenmannschaft findet diesmal am 19.8.2000 statt, Abfahrt am Ehrenmal in Hiltrup, der Kostenbeitrag beträgt DM 20,- (Mitglieder DM 10,-)
Voranmeldungen sind nötig und im Büro (0251/665686) möglich!

 

 

Tanz mal wieder!

Aus verschiedenen Gründen ist eine Veränderung der Planung der Tanzkurse für den Oktober nötig: Statt eines F-Kurses findet ein AnfängerInnen-Kurs statt.

Der nächste AnfängerInnen-Kurs beginnt bereits am 2.10.2000 um 20:30 Uhr (statt erst im Januar); dafür entfällt der bisher angekündigte F-Kurs.

Anmeldungen sind ab sofort im KCM-Büro oder schriftlich möglich.

Selbstverständlich läuft auch der Tanzkreis wie gewohnt weiter, nämlich ebenfalls ab 2.10. um 18:30 Uhr.
Martin S.

 

 

Des Kaisers neue Kleider

Zum 15. Geburtstag KCM und LIVAS möchten wir gaymeinsam unseren Flur streichen. Das Farbspektakel soll am Samstag, dem 29. Juli ab 9 Uhr 30 steigen. Doch dafür brauchen wir noch ein paar fleißige Hände. Wenn Du uns helfen könntest, wäre das spitze. Melde Dich bitte kurz entweder beim KCM (665686) oder bei LIVAS (8998900) damit wir genügend Pinsel besorgen können. Spontis können auch gerne einfach am Samstag vorbeischauen.

Schon mal vielen Dank für deine Mithilfe,
Michael Karshüning und Manuela Altena

 

 

Zauberhut gratuliert

Die Wahlen sind geschlagen, der neue Landtag hat sich konstituiert. Die Redaktion des Zauberhuts gratuliert den vier Landtagsmitgliedern aus Münster an dieser Stelle zur Wahl: Renate Düttmann-Braun, Marie-Theres Kastner, Jürgen W. Möllemann und Rüdiger Sagel. Für ihre Arbeit im Hohen Haus wünschen wir ihnen gutes Gelingen!
NK

 

 

Hier kocht...

... der Vorstand

Pannenbrei

Ich präsentiere hier ein „Kriegsrezept" von meiner Tant aus dem Oberbergischen. Es ist preiswert und schnell zu kochen mit Zutaten, die man fast immer im Hause hat, und mit dem richtigen Brot ergibt es eine köstliche Abendmahlzeit (natürlich kann man es auch morgens oder mittags essen). Allerdings ist die Zubereitung nicht ganz einfach. Sie erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl (bei den Mengenverhältnissen), das nur durch Erfahrung gewonnen wird. Also nicht gleich aufgeben, wenn der erste Versuch mißlingt.

Etwas Speck (Menge nach Geschmack) klein schneiden und in einer Pfanne kross braten. 1 Ei (nicht mehr; wir wollen ja kein Rührei machen) mit etwas (reichlich, da das Mehl die Würze nimmt) Salz verschlagen, ca. 1 EL Mehl dazugeben und mit dem Schneebesen glattrühren. Gut 1 Tasse Milch untermischen, so daß sich eine dünnflüssige Masse ergibt.

Eier-Mehl-Milch über den Speck in der Pfanne geben. Unter ständigem Rühren (sonst bilden sich Klümpchen) köcheln, bis das Mehl gar ist; evtl. noch Milch zugeben, wenn die Masse zu dicklich wird. Erst wenn das Mehl durchgekocht ist, glattstreichen und anbacken lassen, bis der Brei unten bräunt. Der Pannenbrei ist gelungen, wenn er nicht zu fest und nicht zu breiig ist - irgendwo zwischen Rührei und Grießbrei.

In der Pfanne servieren. Jeder „Mitesser” grenzt sich sein Gebiet ab, aus dem er sich mit dem Brotmesser den Pannenbrei auf´s Brot legen darf.

Dazu reicht man am Besten ein original oberbergisches Schwarzbrot. In Münster kommt dem das „Rheinische Vollkornbrot” des türkischen Brotmarkts auf dem Wochenmarkt am nächsten.
Peter Kramer

 

 

In the Ghetto? Out of the Ghetto!

Nachdem einige Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am 8. Mai (vor allem die offizielle schwule Prominenz) ihre Irritationen über die Zusammenarbeit der Rosa Geschichten mit der VVN/BdA geäußert haben, möchten wir hier ein paar Erklärungen abgeben. Erklärungen, keine Rechtfertigungen (dazu sehen wir keinen Anlaß).

Daß die Kranzniederlegung gemeinsam abgehalten wurde, geht auf die Initiative der Polizei zurück: diese teilte der VVN wurde bei der Anmeldung der geplanten Veranstaltung mit, daß der Zwinger um 18 Uhr schon von den Rosa Geschichten belegt sei, und schlug eine Zusammenarbeit vor. Die Rosa Geschichten gingen darauf ein, weil sie der Ansicht waren, es sei positiv, einmal aus dem schwulen Ghetto zu blicken. So sprach der Vertreter der Rosa Geschichten in seiner Rede, daß durch die Anwesenheit einer „größeren Gruppe heterosexuell veranlagter Mitmenschen” das Gedächtnis an „unsere” Toten auch über „Randgruppengrenzen” hinweg wachgerufen und lebendig gehalten werde. Als pragmatischer Effekt ergab sich auch, daß mit mehr Teilnehmern gerechnet werden konnte. Die schwule Beteiligung an der Kranzniederlegung ist immer recht spärlich, und obwohl auch dieses Jahr beim vorhergegangenen Netzwerktreffen aufgerufen wurde, jede schwule Gruppe möge Vertreter entsenden, blieb die Resonanz auch dieses Mal gering. Da der Vorschlag der Polizei erst Ende April erfolgte, konnten die schwulen Medien nicht mehr informiert werden.

Daß so nicht nur die Schwulen (und Lesben-)Verfolgung im 3. Reich angesprochen werden sollte, war klar. Die Rosa Geschichten machten jedoch dem VVN deutlich, daß sie mit einer Thematisierung der NATO u.ä. aufgrund der fehlenden Verbindung zur (nicht nur) nationalsozialistischen Homophobie bei der Veranstaltung Probleme hätten. Der Redner der Rosa Geschichten hatte auch gegenüber den anderen für den Fall einer nicht sachbezogenen Agitation Konsequenzen angekündigt, da er sich weigere, sich, seine Rede und die homosexuellen Opfer für andere politische Zwecke mißbrauchen zu lassen. Diese Bedenken erwiesen sich am 8. Mai allerdings als unbegründet: weder der zweite Redner noch der Moderator wichen unsachlich von der Thematik ab; der VVN-Redner sprach sogar auch (als Höflichkeitsgeste gegenüber den „Gastgebern”?) über „unser” Thema. Daß einige Teilnehmer der Veranstaltung Transparente enthüllten, die nicht zur Veranstaltung passten (an denen auch der schwule Redner Anstoß) nahm, mag irritiert haben, doch kann keinem der nicht-redenden Teilnehmer untersagt werden, so seine Meinung kundzutun, auch wenn sie einigen anderen mißfallen mag.

Die Rosa Geschichten sind weiterhin bereit, auch im nächsten Jahr mit anderen Gruppen eine gemeinsame Gedenkveranstaltung unter Wahrung der Thematik zu organisieren; diese wird dann selbstverständlich von längerer Hand und mit detaillierteren Absprachen zwischen den Beteiligten geplant werden. Grundsätzlich bewerten die Rosa Geschichten die Kranzniederlegung 2000 als positiven Schritt ´raus aus dem Ghetto.
Stefan Sudmann, Rosa Geschichten,

 

 

Es ist so schön, dass Sie uns gefunden haben.

Das bayblonische Sprachgewirr im komfortablen Schlafwagen des „Ost-West-Expreß” zeigte: Nach Warschau geht die Fahrt in den Osten erst richtig los. Endlose Wälder, ab und an ein Dorf, eine Station, und nach einigen Stunden Fahrtzeit die polnische Grenzstadt Terespol. Dahinter der Bug, an dessen östlichem Ufer endgültig eine andere Welt beginnt: Orthodox, kyrillisch kommunizierend und weite, leere Räume. Was früher „Sowjetunion” hieß, ist heute Belarus. Den Meisten besser bekannt als „Weißrußland". Im Mai fuhr der Autor im Auftrag der RG Münsterland diese Strecke nach Minsk. Begleitet von Münsteraner Bürgern und einer Historikergruppe. Die unheilvolle Geschichte des zu Ende gehenden Jahrhunderts gab den Hintergrund ab.

Traditionell spendet die Regionalgruppe (des Völklinger Kreis e.V.) jährlich für ein soziales, nichtschwules Projekt im Münsterland. In diesem Jahr erhielt die vom Münsteraner Pfarrer Werner Lindemann gegründete Initiative zur Entschädigung weißrussischer Zwangsarbeiter in und um Münster den Zuschlag.

Gedacht sind die Spendengelder als Überbrückung bis zur abschließenden Regelung des Problems (am Sankt-Nimmerleins-Tag) durch Politik und Wirtschaft. Bis heute konnten etwa 70 Überlebende ausfindig gemacht werden, aber mit jedem Jahr werden es weniger. Der erforderliche Aufwand dafür, in einem Land ohne westliche Infrastruktur, diese Menschen zu finden, ist kaum vermittelbar. In weißrussischen Dörfern fehlen nicht nur Faxgeräte, sondern auch Telefone. Nur mit der engagierten Hilfe der weißrussischen Organisation „Ljos” (Schicksal) und weiterer Historiker in Belarus gelang es.

In Münster selber führte Lindemanns Gründung (der Impuls kam von der Historikerin Dr. Gisela Schwartze, deren Forschungen zum Thema 1997 als „Kinder, die nicht zählten” erschien) zu beeindruckendem Bürgerengagement. Die Liste der Paten umfasst den früheren NRW-Minister Dr. Schnoor, den Münsteraner OB Dr. Tillmann, Kirchgemeinden, Kreisverbände von Parteien, Schulklassen, Einzelpersonen und eben auch die RG Münsterland.

Stellvertretend für alle Spender fuhr Anfang Mai eine Delegation zur Übergabe der Gelder nach Minsk. Die vielen Begegnungen mit Betroffenen, Familien, Schülern und Studenten machte die Tage in Belarus erfrischend bunt und lebensnah. Der Höhepunkt war jedoch das Treffen mit den Empfängern. Geschichte rückt nahe durch Menschen. Sonst bleibt sie anonym. Wenn alles anonym bleibt, kann niemand Verantwortung übernehmen. Im Gespräch miteinander wurde die Geschichte jedes Einzelnen greifbar. Schwer zu beschreiben sind die Empfindungen, Namen von Münsteraner Ortsteilen wie „Hiltrup” und „Mecklenbeck” aus diesen Mündern zu hören. Und in diese verwitterten Gesichter zu blicken, in denen sich eine bittere Lebensgeschichte widerspiegelt: Mit zehn, zwölf Jahren in die Fremde verschleppt und unmenschlich behandelt, nach der Rückkehr oft genug keine Heimat und Familie mehr vorgefunden und noch in den Gulag eingewiesen. Nach der Entlassung Studium und berufliches Fortkommen verwehrt und gesellschaftlich geächtet.

„Wieviel Leid und Unrecht kann ein Mensch aushalten?” ging es uns durch den Kopf, dicht an der Grenze seelischer Aufnahmefähigkeit. Die Erinnerungen blieben auf weißrussischer Seite lebendig; obwohl es der Eine oder Andere gekonnt hätte, besuchte kein Einziger jemals wieder Deutschland. Egal, ob die BRD oder DDR. Man sah in diesen Momenten Manchen leise weinen. Im Unglauben bis zuletzt, dass Deutsche nach fast 60 Jahren den Kontakt gesucht und gefunden haben. Um sich zu entschuldigen für das erlittene Unrecht und eine Wiedergutmachung zu leisten, die bisher weder der belarussische, deutsche noch sowjetische Staat für nötig erachteten.

„Es ist so schön, dass Sie uns gefunden haben” formulierte einer dieser vergessenen Menschen eine winziges, aber hoffnungsvolles Stück Weltgeschichte. Der 80-jährige Anton Nikolajevic Juskevic gehört zu den Überlebenden. Greven und Ostbevern waren zwischen 1943 und 45 Stationen seines Leidensweges. Von schwerer Krankheit gezeichnet, kam er nach Minsk, um die Spende unserer Regionalgruppe (des VK) zu empfangen.

Für geraubtes Leben und zerstörte Gesundheit gibt es keine „Wiedergutmachung” im Sinn des Wortes. Monatliche 50 DM bedeuten uns auch nicht viel. In Belarus bedeuten sie jedoch den Lebensunterhalt für einen Monat. Nicht zu vergessen die Symbolkraft dieses Geldes, das Anton Nikolajevic in seinen letzten Jahren wenigstens ein Leben in Würde garantiert. Das gilt um so mehr, kennt man die leidvolle Geschichte des weißrussischen Volkes in diesem Jahrhundert. Gefangen zwischen zwei Diktaturen, von denen die eine den Genozid plante, die andere „nur” die Eliminierung der nationalen Eliten. Menschenleben galten in beiden Szenarien nichts.

Der Schrecken der einen Diktatur wird festgehalten in Chatyn, der der anderen Diktatur in Kuropaty. Hier eines von 600, durch Deutsche, niedergebrannten Dörfern zwischen 1941 und 44. Das Verbrechen von Chatyn wurde in den 80er Jahren von Eiern Kiirnov unter dem Titel „Geh und sieh!” verfilmt, worauf die bundesdeutsche Botschaft in Moskau höchst offiziell (aber vergeblich) auf eine Nichtaufführung des Werkes drängte. Dort der Wald am Minsker Stadtrand, in dem zwischen 1937 und 41 mehr als 200.000 Menschen vom NKWD erschossen und verscharrt wurden. Hätte man alle die Stätten nationalen Leids festgehalten, Belarus wäre heute ein Wald von Mahnmalen.

Für die Mitglieder der Reisegruppe wurde die Reise nach Belarus im Wortsinne zu einer Reise in die Geschichte. Sie brachte Gewissheit darüber, wie komplex Geschichte verläuft, wie materiell privilegiert wir im Westen leben und wie wirklich klein so viele unserer „Probleme” sind. Aber wir erlebten auch eine Herzlichkeit, die mit dürren Worten unmöglich beschrieben werden kann. Und es sind Freundschaften entstanden zwischen Deutschen und Weißrussen mit der Gewissheit, dass der Kontakt fortgeführt wird.
MH

 

 

Leserbrief

...zum Artikel „Gewagt, verloren” von NK (Zauberhut Juni 2000)

In seinem Text „Gewagt, verloren” kritisiert NK, dass die diesjährige Gedenkveranstaltung zum 8. Mai gemeinsam mit dem Antikriegsbündnis und dem VVN, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten, stattgefunden hat.

Anstatt die gemeinsame Gedenkveranstaltung am Zwinger als Chance anzusehen, die Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises „Rosa Geschichten” in einem weiteren gesellschaftspolitischen Kontext zu stellen, macht NK sich über antifaschistische und antimilitaristische Gruppen, die in Münster wichtige politische Arbeit leisten, lustig.

Während des völkerrechtswidrigen und menschenverachtendenden Kosovo-Krieges war das Münsteraner Antikriegsbündnis als einzige Initiative jeden Samstag in Münsters Innenstadt präsent, um zu demonstrieren und eine Gegenöffentlichkeit herzustellen. Bis heute engagiert sich die Gruppe, auf die die Worte „Friedenskämpfer” und „heroischer Kampf” sicher nicht zutreffen, im antimilitaristischen Bereich, etwa beim „großen Zapfenstreich”, bei der verharmlosenden Heeresschau und bei den sogenannten „Münsteraner Abendmärschen”. Alle diese Veranstaltungen dienen dazu, öffentlich Akzeptanz zu beschaffen für Militär und Krieg. Auf diese Weise wird nicht nur der nächste Angriffskrieg der NATO vorbereitet, zusätzlich wird im öffentlichen Raum ein Männlichkeitsideal konstruiert, das keinen Platz hat für Schwule oder Tunten. Eine Annäherung an und möglicherweise Zusammenarbeit mit Münsteraner antimilitaristischen und antifaschistischen Gruppen ist also viel sinnvoller als eine unsolidarische Kritik.

Gleich zu Beginn seiner Polemik bezieht sich NK auf eine schwule Identität, die es so erstmal nicht gibt. Ausdrücke wie „unsere Toten” verstellen den Blick darauf, dass die Situation von Homosexuellen zur NS-Zeit von der Situation heute lebender Homosexueller verschieden ist. Das Bewusstsein der unterschiedlichen sozialen Konstruktion von Homosexuellen ist allerdings wichtig, wenn mensch eine Situation angemessen erfassen möchte. Die Ausdrücke „schwule Familie” und „warme Gedenkveranstaltung” lassen vermuten, dass schwule Politik für NK gesellschaftspolitisch in einem luftleeren Raum stattfindet.

Zur Beschreibung der vertretenen Friedensgruppen benutzt NK die Ausdrücke „brach das Ungemach ein”, „Unheil” und „abschreckend”. Selbst wenn die geäusserte Kritik gerechtfertigt wäre, würde ich mir eine bewustere Wortwahl wünschen.

NK´s unsachliche Kritik an Stefan Proske disqualifiziert sich selbst durch Unfairness und Überheblichkeit. Insgesamt wünsche ich mir, dass für einen Artikel wie „Gewagt, verloren” von NK im Zauberhut kein Raum ist.
Simon Dickel

 

 

Zensur?!

Eure Meinung: Zensur im Zauberhut

 

 

Typisch schwul?!

Ich hab mich oft gefragt, was eigentlich typisch schwul ist. Sind es irgendwelche Treffen auf Autobahnparkplätzen, die schnelle Nummer auf einer Klappe, oder geht der schwule Mann heutzutage mit der Partybekanntschaft ins Bett? Nein. Wahrscheinlich macht der moderne Schwule alles im Chat klar.

Typisch schwul kommt mir aber auch der Satz vor: Ich hab dich sehr gern, möchte aber keine Beziehung (zum Poppen kannste gerne mal vorbeikommen). Wenigstens ist das ehrlich.

An Beziehungen denkt Mann ja sowieso erst mal, wenn Mann sich ausgetobt hat. (Das muss so sein, denn das tut ja schließlich jeder).

Ist doch irgendwie verwunderlich, wie sich die „Heterowelt" ein solches Bild von Schwulen machen kann (Das nur am Rande).

Naja, ich bin noch jung und hab schon viel davon gehört. Aber muss Mann das alles mitmachen???

Ich finde nicht!

Ist es eigentlich untypisch, wenn Mann sich nach Liebe sehnt und es für einen noch andere Dinge gibt als Sex?? Bin ich der einzige, der Gefühle hat und der erwartet, dass Mann nicht darauf herumtritt?

Ich weiß nicht, was typisch schwul ist, aber eins weiß ich: Solange die Genforschung noch kein Mittel gefunden hat, um mich umzupolen, werd ich mich nie verlieben...
Andre Groß

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

beautiful thing

Zu den Klassikern des Schwulen Films gehört der englische Streifen „Beautiful Thing”. Der 15-jährige Jamie verliebt sich in seinen Mitschüler Ste, der von seinem Vater und seinem Bruder drangsaliert wird.

Die Besucher des Film-Clubs können diesmal wählen, ob sie den Streifen in der englischen Originalfassung oder deutsch synchronisiert sehen möchten.
Freitag, 21. Juli 2000 ab 20 Uhr im KCM

 

 

Lesung mit Olaf Eigenbrodt

Sommerpause

Weiter geht´s am

  • 08.09.2000, der stilvolle Abend
    Dandys, ein Abend (nicht nur) mit Oskar Wilde
  • 13.10.2000, der hysterische Abend
    Diven, göttlich - zickig - genial
  • 10.11.2000, der blutige Abend
    Dämonen & Depression
    Was macht Ihr Vampir im November?
  • 08.12.2000, der innige Abend
    T(w)ogether, literarische Paare
Bis dahin wunderschöne Sommernächte,
Olaf

 

Rezession

„Die Granitz-Papiere”

Die doppelt verlorene Geschichte
zu Ulrich Menge´s „Die Granitz-Papiere”

Der Berliner Autor Ulrich Menge hat sich eines tabuisierten Sujets angenommen: Im Spätherbst 1944 endet die Liebe zweier schwuler Wehrmachtsoffiziere tragisch. Der Ältere wird erschossen, der Jüngere entkommt mit knapper Not und kann in Argentinien ein neues Leben beginnen. Um später nach Deutschland zurückzukehren, aber den ermordeten Geliebten nie zu vergessen.

Ulrich Menge ist mit dieser Story mutig gesprungen und hat doch den Zielpunkt verfehlt. Durchgängig bedient sich der Autor einer Sprache, die als Geschichtsstunde für heutige Leser taugt, unmöglich aber Briefinhalt im Jahre 1944 sein kann. Wie glaubhaft sind seitenlange, belehrende Auslassungen über damals aktuelle Geschehnisse überhaupt (zum Vergleich: wer schreibt heute seinem Liebsten ellenlange Mails über die CDU-Spendenaffäre oder den Kosovo-Krieg?)? Trotz verschärfter Postkontrolle, Feldpolizei und so weiter? Ergänzt durch zu schnelle Wendungen der Charaktere. Muß erst der Freund erschossen werden, um einen bis dahin fröhlich und kritiklos mitbombenden Wehrmachtspiloten von den „fürchterlichen Menschen, die bis zum Schluß nichts Anderes als Verderben, Tod und Untergang zu ersinnen vermochten” schreiben zu lassen? Einem Robert Granitz kam es in seiner Trauer um den hingerichteten Liebsten auch später nie in den Sinn, wie sehr er diese „fürchterlichen Menschen” unterstützte, ja selber einer war. Schließlich die wundersame Rettung des Robert Granitz aus den Fängen der SS. Durch einen deutschen Major mit höchst geheimen Sonderauftrag samt Flucht nach Argentinien mit einem deutschen U-Boot - nein, so bunt kann das reale Leben nicht sein!

Die Handlung selbst ist eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte. Dennoch klebt sie fast ausschließlich an den beiden Protagonisten. Andere Personen kommen und gehen am Rande, sie bleiben - weil eindimensional funktional - wenig differenziert und wirken dewegen nur schemenhaft. Größtes Manko des Romans aber ist das ausgeblendete Handlungsumfeld. Der Verweis auf Pliviers „Moskau” und „Berlin” sowie Buchheims „Das Boot” zeigt den Unterschied. Hie seltsam abgehobene Akteure vor einer schemenhaften Kulisse, da pralle, aufs feinste gezeichnete Charaktere in der schuldhaften Tragik ihres Handelns. Indem der Autor die schiere sexuelle Idendität von Robert und Ernesto zum Fokus macht, verliert er die tragische Dimension der Zeit gänzlich. Es ändert an der Mitschuld kein Jota, schwul gewesen zu sein. Mehr noch, ist der Verlust des Liebsten eine Folge dieser Mitschuld. Aber davon findet sich nichts in den seitenlangen Trauerbriefen um den erschossenen Geliebten. Ich weiß, wie falsch das ist, aber die Romanstory wirkt auf mich wie der „Betriebsunfall einer Beziehungskiste”. Denn die gesellschaftlichen Zwänge erscheinen allein als „fürchterliche Menschen” und „dunkle Mächte”, gleichsam als Naturgesetz ohne persönliche Verantwortlichkeiten.

Mit „Die Granitz-Papiere” schreibt Ulrich Menge eine doppelt verlorene Geschichte. Nicht nur die geschichtliche Dimension ist verloren, sondern ebenso die Story selbst. Es ist schwer, schwule Liebe in der Wehrmacht im gesellschaftlichen Kontext eines verbrecherischen Krieges zu thematisieren. Aber wenn man diesem Sujet nicht gewachsen ist, hätte man besser schweigen sollen.
Michael Heß

„Die Granitz-Papiere”
Ulrich Menge
Verlag Haag & Herchen
Frankfurt am Main 2000
291 Seiten

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Fax 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Redaktion: Norbert Korfmacher (V.i.S.d.P.), Martin Enders, Ecko Schreiber
Layout: Bernd Fehr
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Auflage: 1200
Redaktionsschluß am 15. des Monats.

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