Schwules in Münster - Mai 2000

 

Hallo ihr Lieben!

Tja, „alles neu macht der Mai”, so sagt man und naja irgendwas scheint dran zu sein, denn die Bücherei eröffnet nach einer kurzen Inventurpause mit einem neuen, benutzerfreundlicheren Computerprogramm, wir haben in dieser Ausgabe einige neue Bücher rezensiert und begonnen, die, für einige sicherlich ebenfalls noch neuen (unbekannten!), Gruppen des KCM vorzustellen. Und bei den Diskussionen der Parteien über das Thema: „Eingetragene Partnerschaften”, kann man auch nur hoffen, dass für mal was Neues bei rumkommt!

Da man in der Szene ja bekanntlich schneller altert (und dabei spritz ich mir schon „Oil of Olaf” intravenös!), werde ich wohl in voraussichtlich zwei Monaten in meinen (wohlverdienten?) Ruhestand gehen und der bisherige Layouter Norbert Korfmacher (dem ich ganz herzlich für die tolle Zusammenarbeit danken und weiter alles Gute wünschen möchte!) wird mich würdig vertreten. Einen zauberhaften und warmen Frühling,
Euer Ecko

 

 

Das Quiz zur Landtagswahl 2000

Es ist schon lange her, da veröffentlichte der Königsberger Arzt Dr. Johann Jacoby eine kleine politische Streitschrift mit dem Titel „Vier Fragen beantwortet von einem Ostpreußen”. Damals herrschte über die preußischen Untertanen noch ein König, und der verweigerte seinem Volk hartnäckig ein Parlament, obgleich sein hochseliger Vater dies in den Befreiungskriegen versprochen hatte.

Die Monarchie hat zwischenzeitlich abgedankt, wir haben Verfassung und Parlament und können im Mai wählen. Der Zauberhut hat die Wahl genutzt, die Bewerber & Bewerberinnen nach ihren Vorstellungen zur schwulen Politik und zur Zukunft Münsters zu befragen. Vier Fragen hat die Redaktion gestellt, vier Antworten kamen von vier Parteivertretern. Und Johann Jacoby? Ihm wurden in Deutschland keine Denkmäler gesetzt, obwohl er mehr für´s Vaterland getan hat als seine Gegenspieler Friedrich Wilhelm IV oder gar der gräßliche Bismarck, denen die Deutschen Denkmäler setzten.

Nur: Wann wurden seine „Vier Fragen” veröffentlicht? Die ersten Vier, die die richtige Antwort an norbert@bamby.de, Kennwort Jacoby, schicken, bekommen einen ästethischen Bildband von Gerd Berger. Einsendeschluß ist der 14. Mai, 18.00 Uhr. Adresse nicht vergessen und wie immer gilt: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!
NK

 

KCM-Wahlprüfsteine

Helmut Hamsen (SPD)

1. Wie stehen Sie zur eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle?

Mit dem Instrument der eingetragenen Partnerschaft können auf Dauer angelegte Paarbeziehungen einen rechtlichen Rahmen finden, der insbesondere in vielen Alltagsfragen lesbischer/schwuler Paare Rechtssicherheit schafft. Ich begrüße und unterstütze dies, weil es eine ganze Reihe von Rechtsbereichen (u.a. Miet-, Zeugnisverweigerungs-, Besuchs-, Unterhalts-, Erbrecht usw.) gibt, die einen offensichtlichen Regelungsbedarf haben.

Da im Zuge der Einführung des Instituts der eingetragenen Partnerschaft in zwei Dutzend einzelne Gesetzeswerke eingegriffen werden muss, ist eine sorgfältige Vorbereitung erforderlich. Ich gehe davon aus, dass in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein Gesetzentwurf des Bundesgesetzgebers zur eingetragenen Partnerschaft vorliegt.

2. Welche Zukunft sehen Sie für das Referat für gleichgeschlechtliche Beziehungen im Familienministerium?

Das Referat wurde zu Beginn der jetzt auslaufenden Landtagsperiode eingerichtet. Es hat sich im Grundsatz bewährt und wird von der SPD nicht in Frage gestellt. In Zukunft wird das Referat für gleichgeschlechtliche Beziehungen weitere Aufgaben im Zuge der Einführung der eingetragenen Partnerschaft bekommen, da m.E. zusätzliche Regelungsbedarfe für die Landespolitik (Gesetze, Verordnungen, Verfügungen) entstehen.

Als besonders wichtig sehe ich die parlamentarische Begleitung des Referats für gleichgeschlechtliche Beziehungen an und sehe hier auch eine Aufgabe für mich.

3. Welche Möglichkeiten zur Förderung der AIDS-Prävention sehen Sie?

Gesundheitspolitisch halte ich es für geboten, AIDS-Prävention stärker in die allgemeine Präventionsarbeit einzubinden, in diesem Rahmen gleichwohl den spezifischen Zugang zu Zielgruppen beizubehalten. Ein wichtiger Schritt ist, die verschiedenen Akteure (Land, Kommune, Kammern, freie Träger, Initiativen, ...) auf die gemeinsam zu erreichenden Ziele zu orientieren.

Es ist erforderlich, die Gesundheitsförderung insgesamt auszubauen und zu stärken. Eine der zentralen Aufgaben ist, die Prävention z. B. von Hepatitis-Infektionen auszubauen, die zahlenmäßig inzwischen gegenüber der HIV-Infektion stark dominieren. Hierzu gehören sowohl Zielgruppenprogramme als auch allgemeine Öffentlichkeitskampagnen.

4. Die Verwaltungsreform steht an. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Münster?

Die Stärkung der Leistungsfähigkeit öffentlicher Verwaltungen ist auf allen Ebenen eine wesentliche Aufgabe. Stichworte hierzu sind: innere Verwaltungsmodernisierung, neue Steuerung, Dienstleistungsorientierung, usw.

Münster als Standort vieler öffentlicher und öffentlich-rechtlicher Verwaltungen ist davon schon seit geraumer Zeit und in besonderem Maße betroffen. Uns geht es zum einen um die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen und damit von Erwerbseinkommen und zum anderen auch um die oberzentrale Bedeutung des Standortes Münster.

Die mit dem 2. Modernisierungsgesetz erfolgten Festlegungen tragen dazu bei, dass der Standort Münster im wesentlichen gefestigt bleibt und dadurch auf mittlere und lange Sicht nicht grundsätzlich gefährdet ist. Nichts desto trotz werden die neuen technologischen Möglichkeiten und die inneren Reformen (z.B. Trend zur dezentralen Aufgabenerledigung) als auch der interkommunale Wettbewerb Wirkungen haben. Deshalb muss das Bestreben sein, auch andere Entwicklungspotenziale wie z. B. Wissenschaftstransfer, Angebote für produzierendes Gewerbe, neue Handels- und Dienstleistungsformen .... offensiv auszubauen. Mit dem Land hat die Stadt Münster einen Partner, der bruchhafte Entwicklungen vermeiden hilft und mit seinen Förderprogrammen den Strukturwandel positiv fördert.

 

Daniel Bahr (F.D.P.)

1. Wie stehen Sie zur eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle?

Der Gesetzentwurf „Eingetragene Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare” der F.D.P. ist der bisher einzige, der im Bundestag eingebracht ist. Die Liberalen haben damit eine Vorreiterrolle eingenommen. Mit diesem Rechtsinstitut wollen wir gleichgeschlechtlichen Paaren Gleichstellung zur Ehe im erbrecht, Namensrecht, Mietrecht und Unterhaltsrecht im Härtefall geben. Aus verfassungsrechtlichen Bedenken sind wir gegen eine völlige Gleichstellung zur Ehe.

2. Welche Zukunft sehen Sie für das Referat für Gleichgeschlechtliche Beziehungen im Familienministerium?

Ich glaube, dass wir ein Referat für Gleichstellungsfragen benötigen, solange dies nicht ein Quotenposten zur Versorgung und Beruhigung eines Klientels ist und dabei verkommt. Zu überprüfen ist die Effizienz der Arbeit des Referates. Meines Erachtens sollte dieses den Organisationen vor Ort zuarbeiten und sich nicht durch eigene landesweite Projekte profilieren, sondern Förderung vor Ort ermöglichen. Diesen Eindruck konnte man hier nicht immer gewinnen.

3. Welche Möglichkeiten zur Förderung der AIDS-Prävention sehen Sie?

Aids ist heute ein immer noch wichtiges Thema, welches leider immer noch unbeachtet ist, trotz sehr guter Präventionsarbeit. Derweil viel Aufklärung betrieben wird auch im Fernsehen, in Schulen und mittels der Arbeit „vor Ort”, ist dieses Engagement vielleicht noch mehr zu stärken. Nicht mehr die Unaufgeklärtheit führt zu immer neuen Infektionen, sondern ein Grad des Selbstverwirklichungsdranges, sich frei und ungeschützt zu vergnügen. Darauf läßt auch die immer höhere Quote HIV-Erkrankter deuten, bei denen erst bei Ausbruch der Krankheit die Diagnose gestellt wurde. In diesem Bereich sehe ich Handlungsbedarf, der ein „Noch mehr” an Präventionsarbeit notwendig macht.

4. Die Verwaltungsreform steht an. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für die Stadt Münster?

Mit diesem Stichwort verbinde ich zwei Reformen:

  • 1. Die Stadt Münster hat sich einem Pilotprojekt angeschlossen, demnach eine kaufmännische Buchführung eingeführt wird, wodurch der Etatplan übersichtlicher wird und einzelne Posten durch vergleichende Zahlen gegenübergestellt werden können. So kann die Effektivität der einen Institution im Kosten-/ Nutzenrahmen mit einer anderen verglichen werden. Dies ist wirtschaftlicher, zeigt, wo mehr Unterstützung benötigt wird, sorgt für Wettbewerb und damit auch für Einsparungen. Vor allem ist eine große Transparenz der Verwaltung die Folge, was ich sehr befürworte.


  • 2. Thema LWL: Ministerpräsident Clement wollte ursprünglich den LWL auflösen, was aufgrund von Protesten in der Bevölkerung nicht geschieht. Ein Teil der Aufgaben des LWL wird in andere Behörden integriert. Ziel ist es, Einsparungen zu treffen. Ziel ist es nicht, Leistungsangebote zu streichen. Ein Fehler wäre es anzunehmen, der LWL wäre eine ABM. Langfristig können Stellen eingespart werden. Nun wird dies Auswirkungen auf Münster haben auch dahingehend, nicht länger ineffiziente und teure Doppelstrukturen finanzieren zu müssen. In Schleswig-Holstein wurde festgestellt, dass 40% der Verwaltung sich mit sich selbst beschäftigt. Das darf in NRW nicht passieren! Eine Reform ist notwendig, muß kosequent aber nicht brachial durchgeführt werden.

 

Harald Wölter (Bündnis ´90/Die Grünen)

1. Wie stehen Sie zur eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle?

Wir unterstützen die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle und sehen hierin auch ein Antidiskriminierungsverbot für Lesben und Schwule. Bündnis90/Die Grünen waren die erste Partei, die einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt hat.

2. Welche Zukunft sehen Sie für das Referat „Gleichgeschlechtliche Beziehungen” im Familienministerium?

Auch in den nächsten Jahren halten wir die Arbeit des Referats für unverzichtbar, nicht zuletzt wegen der ´comming out´-Arbeit. Wir werden uns auch in der kommenden Wahlperiode für das Referat einsetzen.

3. Welche Möglichkeiten zur Förderung der AIDS-Prävention sehen Sie?

Die Grüne Landtagsfraktion hat erreicht, dass im Landeshaushalt ein Fördertopf für die zielgruppenspezifische AIDS-Prävention eingerichtet wird. Jährlich werden hierfür rd. 1,4 Mio DM bereitgestellt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dieser Fördertopf erhalten bleibt und bedarfsgerecht weiterentwickelt wird.

4. Die Verwaltungsreform steht an. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für die Stadt Münster?

Durch den Einsatz der Grünen Landtagsfraktion wurde erreicht, dass die sozialen Aufgaben, die besser überörtlich wahrgenommen werden können, in der Zuständigkeit des Landschaftsverbandes und damit auch die Arbeitsplätze in Münster verbleiben. Im Bereich des Straßenbaus konnte eine organisatorischeZuständigkeit zwar nicht verhindert werden, allerdings konnte erreicht werden,dass auch hier alle Arbeitsplätze in Münster und Westfalen erhalten bleiben. Der Bereich der Hilfe zur Pflege wird in die alleinige Zuständigkeit der Kommunen und Kreise überführt. Hierbei sehen wir die Möglichkeit für die Städte insbesondere auch für Münster eine Alten- und Pflegepolitik zu betreiben und weiterzuentwicklen, die insbesondere auf ambulante Hilfen, Tagespflege und selbstbestimmte Wohn- und Pflegeangebote setzt. Die bislang existierende gespaltene Zuständigkeit, bei der die Landschaftverbände für Plegeheime und Tagespflege,die Kommunen für die ambulante Hilfe zuständig sind, hat nicht selten dazu geführt, alternative Wohn- und Betreuungsangebote außerhalb der traditionellen Heimeinrichtungen nicht gefördert wurden. Hierfür sehe ich nun bessere Voraussetzungen.

Auch mit der Einführung der Verbandsklage konnte insbesondere für Umweltverbände und Initiativen eine deutliche Verbesserung erzielt werden.

 

Regine Düttmann-Braun (CDU)

1. Wie stehen Sie zur eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle?

Wir haben uns in der CDU NRW hierzu folgendermaßen festgelegt: Wir respektieren die Entscheidung von Menschen, die in anderen Formen der Partnerschaft ihren Lebensentwurf zu verwirklichen suchen. Wir anerkennen, dass auch in solchen Beziehungen Werte gelebt werden können, die grundlegend sind für unsere Gesellschaft. Dies gilt für nichteheliche Partnerschaften zwischen Frauen und Männern. Dies gilt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Wir werben für Toleranz und wenden uns gegen jede Form von Diskriminierung.

Wir wollen prüfen, welche rechtlichen Hindernisse, die dem gemeinsamen Leben im Wege stehen, beseitigt werden können. Eine verfassungsrechtliche Gleichstellung dieser Lebensgemeinschaften lehnen wir ab. Wir wollen den Menschen ermöglichen zu leben wie sie es wollen.

Wir lehnen eine Politik ab, die reglementierend auch in die Familien hineinwirkt. Die Gestaltung des Familienlebens muss den Familien überlassen bleiben.

2. Welche Zukunft sehen Sie für das Referat für gleichgeschlechtliche Beziehungen im Familienministerium?

Mit der CDU gäbe es sicherlich kein Schwulen- und Lesbenreferat in Nordrhein-Westfalen. Die CDU legt - und das gilt nicht nur für die Fragen von Lesben und Schwulen - großen Wert auf die Förderung von Selbsthilfegruppen.

Wir halten es für vordringlicher, dass das NRW-Finanzministerium den bestehenden Schwulen- und Lesbengruppen, wie anderen Selbsthilfegruppen auch, die Gemeinnützigkeit zuerkennt. Das würde die Abhängigkeit dieser Gruppen von öffentlichen Zuschüssen aufbrechen und ihnen eine breitere Finanzierungsbasis eröffnen. Es ist besser, die Arbeit vor Ort zu stärken, als im fernen Düsseldorf Ministerien aufzublähen.

3. Welche Möglichkeiten zur Förderung der AIDS-Prävention sehen Sie?

Die CDU-Landtagsfraktion hat die durch die Landesregierung in den vergangenen Jahren vorgenommenen Kürzungen der Mittel für die AIDS-Prävention immer kritisiert und sich dafür eingesetzt, hier in angemessenem Rahmen eine Erhöhung vorzunehmen.

Darüber hinaus ist es wichtig, gerade in Schulen und Jugendeinrichtungen Prävention zu einem ganz „normalen” Thema zu machen. Der Gedanke, dass AIDS doch nur sogenannte Risikogruppen betrifft, scheint sich wieder stärker ins Bewusstsein gerade jüngerer Menschen zu verankern. Hier muss dringend gegengesteuert werden.

4. Die Verwaltungsstrukturreform steht an. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für die 5tadt Münster?

Was die Regierung Clement hier macht, ist nicht einmal in Ansätzen eine Reform. Ziel war von Anfang an, auf Kosten der Städte und Gemeinden Macht und Einfluss in Düsseldorf zu konzentrieren.

Der gescheiterte Versuch, die Landschaftsverbände zu zerschlagen ist der deutlichste Beleg. Um eben dieses Scheitern auf der ganzen Linie nicht zugeben zu müssen, wird nun sinnloser Weise die Straßenbauverwaltung den Landschaftsverbänden entzogen und verstaatlicht. Sinnlos deswegen, weil diese Aktion eine höchst effizient arbeitende Verwaltung zerschlägt. Selbst die Kostensteigerung, die diese Maßnahme mit sich bringt, wird von Clement in Kauf genommen.

Chancen bietet dieses Vorgehen für Münster nicht. Risiken gibt es mehrere. Ich nenne nur die Frage der Sicherung der Arbeitsplätze und die Frage was passieren wird, wenn sich die neuen Struktur als ungeeignet erweist!

 

 

Eingetragene Partnerschaften

Den Landtagswahlkampf nutzten die schwul-lesbischen Vereine KCM & LiVas, um den politischen Parteien auf den Zahn zu fühlen. Im Jugendgästehaus der Stadt Münster am Aasee war am 18. April zu einer Podiumsdiskusion mit Vertreten und Vertreterinnen der CDU, SPD, FDP, Bü 90/Grüne und der PDS zum Stand der Diskussionen um die eingetragenen Partnerschaften. Michael Heß hielt den einleitenden Vortrag, den er mit dem Jahr 1794 beginnen ließ; entsprechend lang dauerte er. Alois Verheyen leitete mit Umsicht und Souveränität die folgende Diskussion, die er am Ende wie folgt zusammenfasste: Die CDU ist auf dem Weg, und die anderen vier Parteien wollen gleiche Rechte und Pflichten für Homosexuelle bei Partnerschaften, also Öffnung der Ehe.

Und tatsächlich: die drei Frauen und zwei Männer der politischen Klasse taten sich nicht weh. Bemerkenswert war das Zusammenspiel von Stefan Kooths (FDP) und Regine Düttmann-Braun (CDU), die sich fast die Bälle zuwarfen. Helmut Hamsen (SPD) mußte Schwierigkeiten bei der Einbringung eines entsprechenen Gestzesentwurfes einräumen, weil dieser im Bundesrat an der Union scheitern könnte. Die Vertreterinnen der Grünen/Grüninnen und der PDS forderten alles, und zwar sofort. Bei den Pubblikumsfragen meldete sich auch noch ein Mensch vom LSVD, lobte die CDU und die Assimilationspolitik seines Verbandes, und da er sich ins Bild gesetzt hatte, verließ er die Veranstaltung vorzeitig.

Da nun alles zu ausgewogen war, konnte Alois Verheyen sich einen Seitenhieb auf die CDU und ihre „Kinder statt Inder”-Kampagne nicht verkneifen.

Fazit: Die sehr gut besuchte Veranstaltung brachte keine bösen Überraschungen.
NK

 

 

COC is looking for KCM

Neue Besen kehren gut und das gilt auch für den kommenden Vorstand des COC afdeling Twente/Achterhoek. Unter anderem sollen die seit Jahren bestehenden Kontakte zur Niederlande-AG im KCM weiter ausgebaut werden. Damit sieht sich der COC einem modifizierten Euregio-Gedanken verpflichtet, der auf die spezifischen Belange von Lesben und Schwulen beider Regionen bezieht. Am 2. April trafen sich im KCM Myriam und Truus vom 000 mit Han, Michael und Peter von der Niederlande-AG. Nach fast drei Stunden stand der Rahmen für das gemeinsame Miteinander. Niedrigschwellige Angebote wie ein regelmäßiger Informationsaustausch bilden demnach die Basis für qualifizierte Projekte beiderseits der Grenze. In diesem Zusammenhang soll die Tradition wechselseitiger Arbeitstreffen in Enschede/Hengelo und Münster ausdrücklich fortgeführt werden. Der grenzüberschreitende Kontakt wird am 27. Mai mit einem Treffen beim COC in Enschede fortgesetzt.
MH

 

 

Ein Klassiker feierte Jubiläum

Ein halbes Jahr ist schnell vorbei. Die nunmehr 20. Auflage der „Lederfete im KCM” fand mit manchen Extraschmeckerchen am 1. April statt und stellte das Lederfeten-Team wieder zufrieden. Denn die qualifizierte Kooperation trug süße Früchte; erneut konnten dem gastgebenden KCM 800 DM als Spende überreicht werden. Michael Karshüning bedankte sich als KCM-Vorsitzender herzlich, Michael Heß verwies auf das grundsätzlich erfolgreiche Konzept aber auch auf die künftige Notwendigkeit von Modifikationen. Die 21. Auflage des Szeneklassikers wird es, traditionell als Ausklang der „Saison”, im Spätherbst gehen.

 

 

Hier kocht...

... der Finanzreferent

Ein Sparrezept - Gurkenpfanne

Mann nehme....
Eine Pfanne mit Öl erhitzen, 2 kleingehackte Zwiebeln und kleingewürfelten Schinken anbraten, 1 Salatgurke in nicht zu kleine Würfel schneiden und mit in die Pfanne geben, etwas Brühe (Brühwürfel) zugeben, dünsten lassen. Schon fast fertig, nur noch einen Becher Creme fraiche? (wie man das richtig schreibt weiß ich nicht, ich habe immer nur Aldi Schmand im Hause!) und viele kleingehackte Gartenkräuter (Tiefkühlkräuter!) einrühren, etwas pfeffern. 1-2 Tomaten machen die Gurkenpfanne noch bunter. Ich esse es gern als Hauptgericht mit Kartoffeln.
Guten Appetit!

 

 

Benefizkonzert für das LebensHAUS

„Echte Frauen und wahre Damen”, so nennen die beiden münsteraner Chöre Voca-Lisa und Homophon ihr gemeinsames Benefizkonzert für das LebensHAUS am 6. Mai im Konzertsaal der Freien Waldorfschule.

In der ersten Hälfte des Abends werden die 30 Frauen von Voca-Lisa weibliches Jazz-Flair vermitteln. Ihr Spektrum reicht von klassischen amerikanischen Jazz-Standards über brasilianische Bossa-Nova-Stücke bis zu Blues-Stücken und einer Komposition der neuseeländischen Maori.

Die Liedauswahl von Homophon im zweiten Teil wird sich dagegen mehr auf den europäischen Kulturraum beschränken. Die 13 Homophonler zeigen eine Auswahl aus ihren letzten Programmen: Schlager der 20er und 30er Jahre, stimmungsvolle Balladen und neuere Popsongs: Freche Moderationen und ein betont weibliches Outfit werden ihre Präsentation abrunden.

Mit dem Erlös des Abends, den beide Chöre in Zusammenarbeit mit dem Verein kulturKontakt e.V. der Freien Waldorfschule organisieren, wollen alle Beteiligten die Arbeit des Hospizes lebensHAUS in Münster-Handorf unterstützen.

Eintrittskarten (20 DM / erm. 15 DM) gibt es im Vorverkauf über MZ-Ticket-Corner, WN-TicketShop und bei Papier-Naber am Rüschhausweg 5 in Gievenbeck.

Das Konzert beginnt am 6.5. um 20.00 Uhr.

 

 

Kranzniederlegung am Zwinger

Auch in diesem Jahr werden am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, münstersche Bürger und Bürgerinnen den verfolgten Lesben und Schwule gedenken. Die Kranzniederlegung des Arbeitskreises Rosa Geschichten findet wieder am Zwinger um 18.00 Uhr statt.

 

 

Regenbogenliste wieder erhältlich

Die Regenbogenliste gibt es wieder, und zwar als e-mail Verteiler. Wer Informationen beziehen möchte oder Termine mitzuteilen hat, schickt einfach eine entsprechende Mail an regenbogenliste@web.de. Der Interessierte bekommt dann die Statuten der regenbogenliste (allgemeine Hinweise) zugeschickt.

 

 

Auf die Plätze - fertig... Endspurt!!!

Endspurt für die Vorbereitungen des 6. internationalen Schwul-Lesbischen Badmintonturniers, ausgerichtet von Hamburgs Sportverein STARTSCHUSS, in der Sporthalle Hamburg vom 29.06.-2.7.2000. Entspurt aber auch für die interessierten badmintonbegeisterten Anfängerinnen, die Fortgeschrittenen und die Profis (die gibt´s auch), denn die Anmeldung für das große sportliche Ereignis sollte spätestens bis zum 31. Mai erfolgen.

Das Einchecken der ca.270 SportlerInnen findet am Donnerstag zwischen 18.00 und 24.00 Uhr statt. Hier ist auch der Treffpunkt, wo sich GastgeberInnen und BesucherInnen zusammenfinden und weitere Aktivitäten für das lange Wochenende - auch gemeinsam - planen.

Am Freitag finden die Einzel- und Mixer-Spiele in der Sporthalle Hamburg parallel auf 24 Feldern statt. Gespielt wird in den Kategorien A, B+, B- und C.

Am Samstag werden die Doppelspiele ausgetragen. Abends können sich die SportlerInnen, ZuschauerInnen, FreundInnen, …, ob mit oder ohne Muskelkater vom Spielen, Zuschauen oder Betreuen auf der Abschlussparty vergnügen.

Das ereignisreiche Wochenende wird traditionell am Sonntag mit einem Brunch ausklingen.

Um den Gästen den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu machen, suchen wir noch dringend Schlafplätze!

  • Infos bei und Angebote an: Amélie Tel.:040/617006
  • Weitere Informationen zum Turnier gibt es unter:
    Tel.: (040) 284091-0, Fax: (040) 284091-19 oder eMail: HH2000Badm@aol.com

 

 

Filmclub im KCM (proudly presents):

„Querelle” von Jean Genet

Dieser schockierende Roman um den Matrosen und Mörder Querelle ist das Tagebuch eines Verdammten, den nichts retten kann, es sei denn die Objektivierung des Entsetzens durch Sprache. Jean Genet spricht das Intimste und das Öffentlichste aus, die Verwandlung der Grausamkeit in Entzücken und des Entzückens in Grausamkeit, die Riten der Mörder, Opfer und Henker, die miteinander identisch sind. Jean Genet, der „dämonische Rhetor” (Jean-Paul Sartre), entblößt sich in diesem Roman ganz, er protestiert gegen die Tabus - er ist frei.

Verfilmt wurde der Roman von Rainer Werner Fassbinder.

 

 

Lesung mit Olaf Eigenbrodt

SPLASH! - Die Schwimmbadlesung

Pünktlich zur Eröffnung der Badesaison gibt's die Schwimmbad Lesung - wir bleiben also am Wasser, auf dem die Matrosen schon längst wieder davongesegelt sind. Aber auch in heimischen Gefilden gibt es ja so manches am Wasser zu finden. Das Schwimmbad ist nicht nur Ort jugendlicher Träume, Sehnsüchte und Ängste, erster Verliebtheit und Entdeckung der Sexualität des Anderen, das Schwimmbad ist auch Ort der Verführung, der Männer, die sich unter den Duschen herumtreiben und der Jungs, die zwischen den Spinden warten. Eine feuchte, ungeschützte Welt, in der nur die Verrieglung der Kabinentür sowohl Schutz als auch Intimität bedeuten kann.

Aber jenseits dieser Zwischenwelt macht Schwimmbad vor allem Spass (das Bäderamt schuldet mir jetzt was!). Der ist natürlich noch größer, wenn man sich an einem Baggersee oder am Kanal in der Sonne aalt und das Wasser vor allem Abkühlung bietet. Am Wasser, auf dem Wasser, im Wasser, immer bedeutet es Freiheit, den Körper erleben. Die Badetage sind die besonderen Tage des Sommers und die besonderen Tage einer Freundschaft, die uns kalte Winter und einsame Stunden besser überstehen helfen. SPLASH! bedeutet nichts anderes, als die Wasserfläche zu durchbrechen, in ein Element einzutauchen, das uns fremd und vertraut zugleich erscheint. Und in der Literatur ist es die Grenze zwischen Badekultur und körperlicher Freiheit, zwischen erotischer Anziehung und dem Hinabgezogenwerden in die Tiefe ("Halb zog sie ihn, halb sank er hin / Und ward nicht mehr geseh'n."), zwischen Kindheit und Erwachsenwerden, die durch die Wasserfläche des Schwimmbades oder des Sees besetzt und markiert wird. So ist diese Lesung nicht nur ein frühsommerlicher Spaß, sondern auch ein Ausloten der Tiefen, die sich unter dem Wasser verbergen.

Also: „Get fresh, get cool, get into the pool”, Freitag, 12.05.2000, 20:30 im KCM. Badehose nicht vergessen!

Einen erfrischenden und wonnigen Mai wünscht Euch bis dahin
Olaf.

 

Rezensionen

Dietmar Kreuzer: Männermodels pur.

Dietmar Kreuzer ist seit seiner Ausstellung über „Männer in der Mode” im KCM kein Unbekannter mehr. Sein neuestes Buch handelt wieder über Männer und Werbung. Diesmal nimmt er sich gezielt der männlichen Modells an. Auf knapp 30 Seiten beschreibt er zunächst den drögen Alltag der Modells, den Weg über agenturen, die Aufträge, die Auslandseinsätze, das Umfeld, die Casting-Firmen. Nur die berühmte Besetzungscouch fehlt. Und tatsächlich: nach diesen knappen 30 Seiten hatte ich das Gefühl, alles zu wissen, und Dietmar Kreuzer hatte das Gefühl wohl auch, weshalb auf den folgenden 130 Seiten fünfzehn Modells im Interview vorgestellt werden. Diese zum Teil recht drögen Gespräche werden mit hübschen Bildern garniert. Das Beste hebt sich er Autor bis zum Schluß auf. Dort bringt er eine Reportage über den "Schniedel-Skandal im Reichstag", den Auftritt nackter Männer im Haus des Volkes.

Mein Fazit: Dietmar Kreuzer hat aus dem Thema herausgeholt, was zu holen war. Die Bilder sind natürlich gelungen, die Hintergrundinformationen gut und die Interviews nicht jedermanns Sache.
NK

Dietmar Kreuzer: Männermodels pur.
Träume, Jobs & Agenturen,
Verlag Bauwesen, Berlin 1999

 

Tom Schmitt: Bondage.

Was man schon immer über Bondage wissen wollte, hier wird es beantwortet. Der Autor gibt eine profunde Einführung in die fesselnde Welt des SM. Er nennt Gefahren und Risiken und bietet Informationen für Anfänger und Profis. Hier finden sich Hinweise für Rollenspiele und Tipps zur Sicherheit. Umfangreich ist auch der Teil mit den praktischen Ausführungen. Die "Werkzeuge" wie Schnüre, Handschellen oder Knoten werden detailliert beschrieben. Alle Techniken, Werkzeuge und Stellungen werden von Modells im Studio gestellt in professionell gestalteten Photos gezeigt.
NK

Tom Schmitt: Bondage
Ausstieg aus der Selbstkontrolle. Ein Handbuch,
MännerschwarmSkript Verlag, Hamburg 2000

 

Impressum

Zauberhut,
c/o KCM Schwulenzentrum Münster e.V.,
Postfach 4407, 48025 Münster,
Fax 0251/665661,
E-Mail: zauberhut@muenster.gay-web.de.
Redaktion: Ecko Schreiber (V.i.S.d.P.)
Layout: Bernd Fehr
Mitarbeiter dieser Ausgabe:
Michael Heß, Michael Karshüning, Norbert Korfmacher
Umsetzung für das Internet heinz@muenster.gay-web.de

Namentlich gekennzeichnete Artikel
geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Auflage: 1200
Redaktionsschluß am 15. des Monats.

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Dateianhang im txt- oder rtf-Format an den zauberhut@muenster.gay-web.de