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Rondell
Aus unser´m allerersten Verlangen
wurde ein großes Glück geboren,
welches sich durch keine Metapher,
durch kein Bild ersetzen läßt,
sich mit keinem Wort bekränzen läßt,
das wie Gold und Silber glänzt.
Aus unser´m allerersten Verlangen
wurde ein großes Glück geboren,
und ich werd´ Dir auch in bangen,
schweren Zeiten gehören.
Und auch dann ginge nichts verloren
von unser´m allersten Verlangen
in Deinen Augen, Lippen, Wangen.
Daß, wer liebt, auch leidet
Daß, wer liebt, auch leidet,
weiß ein jeder, der jemals verehrt hat,
weiß schon seit Menschengedenken
wer liebgehabt hat.
Und wer für die Liebe
so geschaffen ist wie wir,
muß einen langen Weg beschreiten,
muß an viel Kummer vorbei.
Zu der Zeit, wo ich kapierte,
was das Schicksal mit mir vorhatte,
war ich erst vierzehn Jahre alt.
Wußte noch drei lange Jahre
das Geheimnis zu bewahren.
Dann schien mir der rechte Moment gekommen zu sein.
Aber sobald ich erzählte,
was mich schon so lange quälte,
bereute ich es auch schon wieder:
Pa lachte homerisch,
und Ma wurde hysterisch.
Und meine Schwester Marie fiel in Ohnmacht.
Denn wer für die Liebe
so geschaffen ist wie wir,
muß einen langen Weg beschreiten,
muß an viel Kummer vorbei.
Mein Schwesterchen
Ich habe ein lästiges Schwersterchen,
das noch keine Brüste hat,
das ihr intimstes Küßchen
ihrem Teddiebären gibt.
Letztens hörte ich ihr Gekicher
und bin diesem nachgegangen,
und sah sie vor einem Spiegel,
mit meinen schönsten Schuhen an.
Sie ahmte meine Sehnsucht,
meine große Liebe nach:
mit Lippenstift auf ihren Wangen,
und ihrer Brust in meinem Beha.
Ach, diese kleinen Mädel!
Niemals kämen sie auf den Gedanken,
daß, wer liebt auch leidet:
für sie ist es nur ein Scherz.
Aids
Steht da mein Liebster bei der Pforte?
Ja doch, ich habe seine Stimme gehört!
Freund, komm´ nach draußen! So beeile Dich doch!
Komm´ in den Garten, wo alles blüht!
- Aber ich bin todmüde.
Wenn Amor mit fröhlichem Gesicht
seine Pfeile auf die Menschheit richtet,
macht er die Herzen federleicht.
Der Pfeil, den er auf mich abgeschossen hat,
wird noch in diesem Frühling mein Tod.
Doppelgedicht
Eine alte Frau, die ich hier sah:
mit Augen, strahlend wie der Tag;
Augen, in denen sich
ihre schmerzlichsten Erfahrungen widerspiegeln.
Sie trägt keine Perlen, keine Juwelen;
an falschem Schein beteiligt sie sich nicht.
Doch ist sie rein wie ein Glas,
als ob sie so geboren wäre.
Nun sind die Stürme wohl vorüber,
und kommt sie in eine winterliche Zeit,
in der noch etwas vom Frühlingsleuchten
ihr lebendiges Gesicht umspielt.
Ein alter Mann, den ich hier sah:
das Haupt so strahlend wie der Tag;
ein Mann, der von klein auf
immer um seine Existenz gekämpft hat.
Noch ängstlich vor der eigenen Art,
ist er eine zeitlang verheiratet gewesen,
weil man damals noch der Auffassung war,
daß es dann schon von selbst genesen würde.
Nun sind die Stürme wohl vorüber,
und kommt er in eine winterliche Zeit,
und sagt ihm die Erinnerung:
es war alles gut, so wie es gekommen ist.
Bemerkung der Übersetzer
Die Autoren der Übersetzung haben sich dafür entschieden, Inhalt und Wortlaut der Vorlage so weit wie möglich zu bewahren. Aufgrunddessen mußte auf die Beihaltung des Reimes in nahezu allen Fällen verzichtet werden. Trotzdem sind bei der Übertragung gewisse Teile an die deutsche Sprache angeglichen worden, um eine sprachgerechtere Übersetzung zu erreichen. Auf absolute Übereinstimmung mit dem Original erheben wir demnach keinerlei Anspruch.
Hannie Klootwijk und Markus Kastner
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